Palmwedel-botanischer garten

In Europa einmalige Pflanze

Der seltene Palmwedel Dioon Caputoi.
Der seltene Palmwedel Dioon Caputoi.

Palmfarn im Darmstädter Botanischen Garten entpuppt sich als extrem seltener Exot

Nach jahrelangen Recherchen präsentiert der Leiter des Botanischen Gartens der TU Darmstadt Stefan Schneckenburger eine faustdicke Überraschung: Ein Palmfarn in der Trockenabteilung des Gewächshauses im Botanischen Garten der Universität gehört zu einer sehr seltenen Spezies. Die Art namens Dioon caputoi kommt aus Mexiko, Botaniker schätzen, dass es nur noch 300 Exemplare in freier Natur gibt.

In Gewächshäusern ist die Trockenheit liebende Pflanze noch wesentlich seltener. „In Europa gibt es – wenn überhaupt – nur eine Handvoll Exemplare in Kultur“, sagt Schneckenburger. „Die Darmstädter Dioon caputoi ist die älteste ihrer Art in Europa“, ist sich Schneckenburger sicher. Obwohl der Stamm kaum 60 cm hoch ist bringt es die extrem langsam wachsende Pflanze mit ihren palmenähnlichen, stechenden Blättern auf rund 100 Jahre. „In den letzten 15 Jahren hat sie sich kaum verändert“, so Schneckenburger.

Von Natur aus wächst Dioon caputoi in der kargen Landschaft der Sierra de Mixteca im mexikanischen Bundesstaat Puebla. Vermutlich stammte das Darmstädter Exemplar von dem in Mexiko lebenden deutschen Pflanzensammler Carl Albert Purpus, dem älteren Bruder Joseph Anton Purpus, der zwischen 1888 und 1925 Garteninspektor in Darmstadt war und die Kakteen- und Sukkulentensammlung am Botanischen Garten aufbaute. Die Pflanze sei 1908 als Jungpflanze oder in Form von Samen nach Darmstadt gekommen, schätzt Schneckenburger.

Der Leiter des Botanischen Gartens, Stefan Schneckenburger, mit seiner "Entdeckung".
Der Leiter des Botanischen Gartens, Stefan Schneckenburger, mit seiner „Entdeckung“.

Jahrzehntelang zählte man die Pflanze fälschlicherweise zu den Dioon purpusii, einer nach dem Pflanzensammler Carl Albert Purpus benannten Spezies, die Dioon caputoi zum Verwechseln ähnelt. Vor einigen Jahren fielen Schneckenburger Unterschiede im Aufbau der Blütenstaub tragenden Zapfen der männlichen Darmstädter Pflanze zu den Zapfen von Dioon purpusii auf. Er entdeckte weitere Unterschiede. Durch ein intensives Literaturstudium konnte er schließlich den Palmfarn der richtigen Art zuordnen.

Schneckenburger bezeichnet die Pflanze als „lebendes Fossil“, da ihr Verwandtschaftskreis seit dem Erdmittelalter existiert und somit Zeitgenosse der Dinosaurier war. Dioon caputoi gehört zur Gruppe der „Palmfarne“, die ihrem Namen aber keine rechte Ehre machen: weder sind es Palmen noch Farne, sondern altertümliche, den Nadelbäumen und dem Ginkgo-Baum nahe stehende Pflanzen. Auch zu den Sukkulenten gehört Dioon caputoi nicht, weil sie in ihrem Gewebe kaum Wasser speichert. Um trotzdem in extrem trockenen Gegenden gedeihen zu können, sind ihre Blätter mit einer Schicht überzogen, die die Verdunstung verringert.

Die Öffentlichkeit ist eingeladen, die Pflanze im Gewächshaus des Botanischen Gartens zu besichtigen (Öffnungszeiten siehe rechts).

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