i-Tüpfelchen auf eine gute Woche - Projektwoche ETiT 2012

i-Tüpfelchen auf eine gute Woche

Fragen an die Koordinatoren und Teilnehmer des Studieneingangs-Projekts im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik

Übersicht:

Fragen an Projektleiter Professor Ralf Steinmetz

Fragen an Moijsola Helen Anjorin und Stephanie Bockshorn, Koordinatorinnen der ETiT-Projektwoche 2012 am Fachbereich Elektrotechnik sowie an Victoria Misch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt KIVA V, Hochschuldidaktische Arbeitsstelle

Fragen an Teambegleiter Marcel Woide

Fragen an Fachbegleiterin Carolin Reimann

Fragen an die Studierenden-Arbeitsgruppe Seyfullah Ural (iST), Michael Boller (ETiT), Keziban Yalcin (ETiT), Yannik Hein (Physik) und Ulrike Remler (Psychologie)

Fragen an Projektleiter Professor Ralf Steinmetz

Herr Professor Steinmetz, in diesem Jahr sind erstmals Studierende aus mehreren anderen Fachbereichen – Physik und Psychologie – zur Erstsemester-Projektwoche im Fachbereich ETiT hinzugestoßen. Während der Woche haben die Studierenden gemeinsam in Teams Konzepte für einen interaktiven Smart Campus-Navigator entwickelt, mit dessen Hilfe sich ortsfremde Neuankömmlinge an der TU Darmstadt auf unterhaltsame und spannende Weise das Wissen aneignen können, das sie für ihr Studium an der TU und ihr Leben in Darmstadt benötigen. Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen, die die Studierenden erarbeitet haben?

Prof. Dr. Ralf Steinmetz
Prof. Dr. Ralf Steinmetz

Ich bin mit den inhaltlichen Ergebnissen sehr zufrieden. Die Gruppen haben nicht nur Apps für Smartphones entwickelt, sondern viel weiter gedacht und unterschiedliche Lösungen konzipiert. Unser Ziel war es, den Studierenden eine technische Aufgabe zu stellen, die sie als Team herausfordert und motiviert, die praxisnah ist und mit der sie sich identifizieren können. Ich denke, das ist hervorragend gelungen. In den Expertengesprächen, die ich mit einem Teil der Gruppen geführt habe, konnte ich förmlich den Enthusiasmus der Studierenden spüren. Das i-Tüpfelchen wäre es jetzt natürlich, wenn einige der wirklich sehr guten Ideen auch in die Realität umgesetzt werden könnten.

Welche besonderen Herausforderungen gab es dieses Jahr?

Eine Herausforderung ist und bleibt die Raumfrage. Denn Sie müssen jeder Gruppe – dieses Jahr hatten wir 41 – einen Raum zur Verfügung stellen, in dem diese die Woche über arbeiten können. Zusätzlich müssen die Gruppen und Betreuer zur Erarbeitung der Lösung interagieren, so dass kurze Wege von Vorteil sind. Dieses Jahr habe ich mich dafür eingesetzt, dass die Gruppen nicht über den gesamten Campus verteilt sind, sondern alle zusammen an einem Ort untergebracht sind. Hierfür bot sich – dank unseres Kanzlers und des Dezernats Bau – das neue, noch nicht bezogene Gebäude der TU Darmstadt in der Holzhofallee an. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann ich resümieren: Es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Kurze Wege, alle Ansprechpartner vor Ort, gleiche Bedingungen für alle – an dem Konzept sollte auf jeden Fall festgehalten werden.

Welches Resümee ziehen Sie aus der diesjährigen Projektwoche – insbesondere auch im Hinblick auf den Aspekt dieser neu hinzugekommenen Interdisziplinarität?

Wir führen die Projektwoche am Fachbereich schon seit einigen Jahren mit Erfolg durch. Und auch in diesem Jahr haben wir wieder viele positive Rückmeldungen erhalten. Zum Punkt der Interdisziplinarität: Der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik ist der erste Fachbereich an der TU, der die Projektwoche in dieser Form als Pilot durchgeführt hat – demnächst folgt ein weiteres Pilotprojekt im Maschinenbau. Ich halte diese Art der Projektwoche für einen vielversprechenden Ansatz, der – bei positiver Evaluation – in den kommenden Jahren fortgesetzt und stufenweise ausgebaut werden sollte.

Fragen an Moijsola Helen Anjorin und Stephanie Bockshorn, Koordinatorinnen der ETiT-Projektwoche 2012 am Fachbereich Elektrotechnik sowie an Victoria Misch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt KIVA V, Hochschuldidaktische Arbeitsstelle

Frau Anjorin, worin sehen Sie die Faktoren für den Erfolg der diesjährigen Projektwoche?

Eine solche Projektwoche bedeutet großen organisatorischen Aufwand und kann nur von einem gut funktionierenden Team erfolgreich gestemmt werden – und das hatten wir dieses Jahr uneingeschränkt. Entscheidend ist zudem, wie die Studierenden das Angebot der Projektwoche aufnehmen – denn sie sind für uns die Hauptpersonen in dieser Woche. Neben einer guten Betreuung spielt die praxisnahe Aufgabenstellung eine wichtige Rolle. Drei der wichtigsten Kriterien sind hier: Die Studierenden müssen sich mit der Aufgabe identifizieren können, es muss viele denkbare Lösungswege geben, und eine Woche muss ausreichen, um vorzeigbare Ergebnisse zu entwickeln.

Moijsola Helen Anjorin
Moijsola Helen Anjorin

Die Projektwoche wurde in unserem Fachbereich unter anderem eingeführt, um den Erstsemesterstudierenden gleich zu Beginn ihres Studiums das ingenieurwissenschaftliche Arbeiten näher zu bringen. Das interdisziplinäre Arbeiten in einem Team an einem gemeinsamen Projekt ist ein zentraler Aspekt der späteren Absolventen. Hier geben wir ihnen die Möglichkeit, dieses zu erproben. Die Studierenden nehmen dies begeistert an und gehen mit viel Kreativität, Mühe und Ehrgeiz an ihre Aufgabe. Das macht uns deutlich, dass wir vieles richtig gemacht haben.

Die Organisation der Projektwoche dieses Jahres hat sich definitiv gelohnt. Wir haben es geschafft, dass alle Gruppen in einem Gebäude sind. Die Kommunikationswege sind kürzer, die Team- und Fachbegleiter sind flexibler in der Betreuung der Gruppen und vieles mehr.

Ein weiterer zentraler Punkt ist das positive Feedback der Team- und Fachbegleitung. Die Gruppen werden in der Projektwoche von einer Team- und einer Fachbegleitung betreut. Ziel ist es, dass Team- und Fachbegleitung eine gemeinsame Einheit bilden und gemeinsam über den Gruppen- und Lösungsprozess in Austausch gehen und somit eine optimale Begleitung der Gruppen gewährleisten. Dies ist uns dieses Jahr besonders gut gelungen.

Stephanie Bockshorn
Stephanie Bockshorn

Frau Anjorin, welche Arbeitsgruppe hat Sie am meisten beeindruckt?

Jede Gruppe hatte ihre eigenen Herausforderungen wie zum Beispiel mehrere Sprachen, Interkulturalität, Interdisziplinarität oder besondere Schwierigkeiten im Gruppen- und Arbeitsprozess. Trotz dieser speziellen Herausforderungen haben alle Gruppen erstaunliche Ergebnisse geliefert und voneinander profitiert. Diese Leistungen haben uns alle sehr beeindruckt.

Frau Bockshorn, wie selbstbewusst haben sich die Studierenden aus der Physik und der Psychologie unter den vielen angehenden Ingenieuren eingebracht?

Alle Studierenden standen in dieser Woche vor der Herausforderung sich als Gruppe(n) zusammenzufinden und alle haben diese Herausforderung sehr gut gemeistert. Die Studierenden der Physik und Psychologie haben ihr Fachwissen auf unterschiedliche Art und Weise einbringen können, was man beispielsweise bei den Expertengesprächen und den dort diskutierten Aspekten der Lösungen feststellen konnte.

Victoria Misch
Victoria Misch

Frau Misch, was hat sich durch das Projekt KIVA V für die Organisation der Projektwoche verändert?

Eine der konkreten Veränderungen ist, dass alle Kooperationspartner dazu gebracht werden müssen, eine ausreichend komplexe, lösungsoffene und gesellschaftlich relevante Aufgabenstellung gemeinsam und auf Augenhöhe zu konzipieren. Dieser Schritt ist für einen positiven Projektverlauf von ganz zentraler Bedeutung. Alle Beteiligten müssen frühzeitig damit beginnen und viel Mühe darauf verwenden. Durch die verschiedenen Akteure ist es zudem wichtig, alle auf einen Wissenstand zu bringen und zu halten. Zusätzlich dazu gibt es unterschiedliche Rahmenbedingungen und Ziele, die in Einklang gebracht werden müssen. Wir sind sehr zufrieden, wie wir dieses Jahr zusammen die neuen Herausforderungen gemeistert haben.

Fragen an Teambegleiter Marcel Woide

Marcel Woide
Marcel Woide

In welchen Situationen mussten Sie ganz konkret eingreifen?

Die Studierenden haben in der Regel selbstständig gearbeitet und Lösungen gefunden. Wirklich eingreifen musste ich daher nicht, sondern vielmehr aus dem Hintergrund lenken und so die Gruppe auf dem richtigen Weg halten. So habe ich z.B. bei einem Brainstorming willkürlich Begriffe eingebracht, die dann von der Gruppe aufgegriffen wurden und deren Kreativität neu entfacht hat. Anfangs habe ich auch regelmäßig etwa alle 90 Minuten Feedback zum Arbeitsverhalten und zur richtigen Umsetzung der zuvor eingeführten Arbeitsmethoden gegeben, im Laufe der Woche wurde dieses Feedback aber immer weniger notwendig.

Wie haben Sie bei den Teams Blockaden gelöst und sie näher zum Ziel gebracht?

Richtige Blockaden habe ich nicht erlebt, da die Studierenden offen und euphorisch an die Sache herangegangen sind. Spätestens als ihnen bewusst wurde, dass sie hier als Studienanfänger schon wie „richtige Ingenieure“ an einer praxisnahen Entwicklungsaufgabe arbeiten, waren sie mit großem Enthusiasmus und Elan bei der Sache. Wenn es dann einmal ein wenig zu haken drohte, haben wir z.B. Aktivierungsspiele gemacht. Eine meiner Gruppen war anfangs allerdings relativ unstrukturiert. Hier haben wir uns gemeinsam an einen Tisch gesetzt und über die Ziele der Studierenden gesprochen: was erwarten sie von der Projektwoche, wie kann sich die Teilnahme positiv auf den weiteren Studienverlauf auswirken, welche Möglichkeiten sie hier geboten bekommen. Am nächsten Morgen war die Gruppe wie ausgewechselt.

Fragen an Fachbegleiterin Carolin Reimann

Carolin Reimann
Carolin Reimann

In welchen Situationen mussten Sie ganz konkret eingreifen?

Uns als Fachbegleiter war ein wirkliches inhaltliches Eingreifen nicht erlaubt. Die Gruppen sollten ja eigene Ideen finden und weiterentwickeln. In den ersten Tagen habe ich aber immer wieder kritische Nachfragen gestellt und die Studierenden motiviert, in verschiedene Richtungen zu denken. Gegen Ende der Projektwoche habe ich dann auch schon mal konkretere Hinweise gegeben, wenn dies nötig war. Dies war aber nur ganz selten der Fall.

Wie haben Sie bei den Teams Blockaden gelöst und sie näher zum Ziel gebracht?

Wir hatten in einer Gruppe zum Beispiel ein Sprachproblem, da hier die Studenten ganz unterschiedliche nationale Herkunft hatten. Hier habe ich die Studierenden dazu angeregt, sehr langsam und deutlich miteinander zu reden. Auch haben wir ganz viel mit Händen und Füßen gesprochen und so “gemeinsam“ eine Sprache entwickelt, mit der die Studierenden sich gut verständigen konnten.

Fragen an die Studierenden-Arbeitsgruppe Seyfullah Ural (iST), Michael Boller (ETiT), Keziban Yalcin (ETiT), Yannik Hein (Physik) und Ulrike Remler (Psychologie)

Eine harte Woche liegt hinter Euch: Wie habt Ihr die Aufgabe „Smart Campus Rallye“ gelöst?

Wir sind mit unseren Ergebnissen der Woche sehr zufrieden, auch wenn die Aufgabe viel komplexer war als erwartet. Mit der Themenstellung konnten wir uns sofort identifizieren. In der Gruppe haben wir dann ganz schnell einen großen Pool an Ideen entwickelt. Hier war es am schwierigsten, im Laufe des Schaffensprozesses herauszukristallisieren, welche Idee die beste ist – denn nur diese werden wir bei der Schlussveranstaltung vor der Jury präsentieren.

  • Seyfullah Ural (iST)
  • Michael Boller (ETiT)
  • Keziban Yalcin (ETiT)
  • Yannik Hein (Physik)
  • Ulrike Remler (Psychologie)

Was und wie reden angehende E-Techniker, Physiker und Psychologin miteinander, um eine Herausforderung zu meistern?

In der Gruppe haben wir schnell gemerkt, dass Studierende verschiedener Fachrichtungen ganz unterschiedlich an ein Problem herangehen und auch ganz eigene Ideen zur Problemlösung entwickeln. In einem Brainstorming haben wir deshalb zuerst die unterschiedlichen Ansätze gesammelt. Mit Hilfe einer Entscheidungsmatrix haben wir dann gemeinsam die Lösung gefunden, die uns als Gruppe am optimalsten erschien. Auch wenn es hier im Laufe des Prozesses manchmal heftige Diskussionen gab. Letztlich sind wir uns in der Gruppe sicher, dass wir gemeinsam die beste Lösung gefunden haben.

War es für euch interessant und hilfreich, in einem interdisziplinären Team zu arbeiten? Und würde ihr dies auch im weiteren Verlauf eures Studiums nochmal machen wollen?

Beeindruckend waren die verschiedenen Ideen und Facetten, die durch die anderen Sichtweisen in die Diskussionen eingebracht wurden. Ein Physiker oder Psychologe denkt doch anders als ein Elektrotechniker. Auf viele Dinge wären wir alleine einfach gar nicht gekommen. Die Interdisziplinarität bereichert dieses Projekt zusätzlich. Gut wären ähnliche Projekte im späteren Studium. Spannend wäre auch die Entwicklung, also wie sich verschiedene Fachkulturen im Laufe eines Studiums in der Denkweise niederschlagen und dann auf die interdisziplinäre Teamarbeit auswirken.

Die Fragen stellte Dr. Sandra Siebert / Bilder: Felipe Fernandes