Die Prozesslernfabrik CiP an der TU Darmstadt

Die Prozesslernfabrik

Lernen und Forschen in einem realen Produktionsumfeld

Ein geschäftiges Treiben erwartet den Besucher in der Prozesslernfabrik CiP am Campus Lichtwiese der TU Darmstadt: Zwischen Werkzeugmaschinen und Montagelinien bewegen sich Studenten und bedienen diese. Man hört die Maschinen arbeiten, es riecht nach Klebstoff. Studenten und Industrievertreter erlernen hier Methoden zur Optimierung von Produktionsprozessen und nicht nur das.

Studierende montieren in der Produktionshalle der Prozesslernfabrik CiP auf dem Campus Lichtwiese.
Studierende montieren in der Produktionshalle der Prozesslernfabrik. Bild: Andreas Arnold

Das reale Produktionsumfeld der Prozesslernfabrik CiP wird seit Mai 2007 genutzt, um theoretisch erlernte Methoden unmittelbar praktisch anzuwenden. In den vergangenen vier Jahren wurden etwa 400 Industrievertreter geschult und etwa 150 Studenten nutzen die Prozesslernfabrik pro Semester. Die Möglichkeiten bei der Anwendung der Methoden sind dabei vielfältig. „Ich war sehr positiv überrascht, wie erfrischend und inhaltlich wertvoll der theoretische Teil kommuniziert wurde und dass es einen umfassenden Praxisteil gab, bei dem man das zuvor Vermittelte anwenden konnte. An einer TU hätte ich so etwas nicht erwartet.“ Solche Aussagen von Industrievertretern hören die Mitarbeiter des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) bei fast jeder Schulung in der Prozesslernfabrik.

So können dort beispielsweise Rüstprozesse an einer realen Werkzeugmaschine beobachtet, analysiert und optimiert werden. Ganze Montagelinien können konzipiert und unter realen Produktionsbedingungen hochgefahren werden. Die Übungsteilnehmer haben dabei die Möglichkeit ihre eigenen Ideen in die Prozessgestaltung einzubringen und können den Erfolg ihrer Maßnahmen unmittelbar testen.

Die Prozesslernfabrik als Teil des Studiums und Schulungsort

Studenten gelangen in den Vorlesungen „Management industrieller Produktion“, „Werkzeugmaschinen und Industrieroboter“ und „Technologie der Fertigungsverfahren“ in die Prozesslernfabrik. Des Weiteren werden Tutorien und Advanced Design Projects angeboten. In diesen Studienleistungen erhalten Studenten typische Aufgaben eines Produktionsingenieurs und müssen diese im Kontext der Prozesslernfabrik lösen. Für Industrievertreter gibt es ein eigenes Curriculum, das innerhalb eines Jahres durchlaufen werden kann. Die praktische Erfahrung sorgt dafür, dass die Erkenntnisse und das Wissen bei den Schulungsteilnehmern nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt. Durch die Praxis werden nämlich erste Fähigkeiten entwickelt, Synapsen im Gehirn erzeugt. Die Anwendung in der realen Praxis fällt so später leichter, was gerade für Universitätsabsolventen ein entscheidender Vorteil ist.

Die Versuchshalle / Maschinenbauhalle (L1|07 ) auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt wurde 2006 zur Ermöglichung des Sonderforschungsbereichs für integrale Blechbauweisen höherer Verzweigungsordnung (SFB 666) am Fachgebiet Produktionstechnik und Umformmaschinen des Fachbereichs Maschinenbau errichtet. In der Halle befindet sich zudem auch die Prozesslernfabrik CiP. Bild: Eisele Staniek architekten + ingenieure
In dieser Halle auf dem Campus Lichtwiese befindet sich die Prozesslernfabrik. Bild: Eisele Staniek architekten + ingenieure

Ein Gewinn für die Forschung

Doch nicht nur die Lehre profitiert von der realen Produktionsumgebung, auch die Forschung gewinnt an Qualität. Lösungen aus der anwendungsnahen Forschung können in einer sehr frühen Phase unter realen Bedingungen getestet werden. Dabei lassen sich nicht nur rein technische Auswirkungen untersuchen, sondern auch Folgen für das Personal oder die Organisation eines Produktionsunternehmens.

Ein Beispiel hierfür ist die Forschung zur Sequenzfertigung. Im Unterschied zum Einsatz von investitionsintensiven Bearbeitungszentren, die ein komplexes Bauteil komplett bearbeiten können, wird bei der Sequenzfertigung das Ziel verfolgt, mehrere einfache und kostengünstige Maschinen in Sequenz zu schalten. Ein weiteres Forschungsprojekt, das auf die Prozesslernfabrik zurückgreift, ist der LOEWE-Schwerpunkt Dynamo PLV. Ziel des Projekts ist die dynamische und nahtlose Integration von Produktion, Logistik und Verkehr.

Eberhard Abele und Felix Brungs

Der Text ist eine gekürzte Fassung. Den gesamten Beitrag sowie weitere Artikel zum Themenschwerpunkt „Produktion im globalen Umbruch“ finden Sie in der aktuellen Ausgabe der forschen – dem Wissenschaftsmagazin der TU Darmstadt.