Serious Games

Der will doch nur spielen

Die Arbeitsgruppe „Serious Games“ erforscht neue Konzepte für Simulation und Training

Am Fachgebiet Multimedia Kommunikation des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik forscht eine Arbeitsgruppe zu Serious Games, zu Spielen mit ernsthaftem Anliegen. Dabei gibt es zwei wesentliche Bereiche: Eine Entwicklersoftware, mit der in Zukunft jeder eigene Lernspiele zusammenstellen können soll, und Anwendersoftware.

„Wir beschäftigen uns damit, wie man Spieletechnologie oder spielerische Methoden und Konzepte für ernsthafte Dinge wie zum Beispiel das Lernen, Training, Simulation oder zur Motivationsförderung im Bereich Sport und Gesundheit einsetzen kann“, fasst Dr.-Ing. Stefan Göbel den Arbeitsbereich zusammen.

Eine Software zur Spieleentwicklung

Zum einen forscht die Arbeitsgruppe an einer Software namens StoryTec, mittels derer Menschen ohne größere Vorkenntnisse Spielesoftware selbst programmieren können. Eine gängige Präsentationssoftware etwa bietet Mustervorlagen, Standardlayouts, Beispieldiagramme, die man mit eigenen Inhalten auffüllt und so zu einer Präsentation zusammenfügt. In StoryTec fügt der Entwickler Inhalte wie Oberflächen, Spielfiguren und Aufgaben ein, die die Software mittels einer Learning-Engine und einer Game-Engine zu einem Lernspiel zusammenstellt.
Die zentrale Story-Engine überwacht dabei permanent, dass die Story oder das Spiel einen für das angestrebte Ergebnis optimalen Verlauf nimmt. Optimal, das heißt, der Spieler verliert nicht das Interesse, und das Spiel stellt Schwierigkeitsgrad und Ablauf in Echtzeit auf dessen aktuelle Leistung ein.

Screenshot einer Sportlehrer-Software (Prototyp).
Screenshot einer Sportlehrer-Software (Prototyp).

Den Endanwender im Visier

Zum anderen entwickelt das Team Trainingsspiele. So arbeitet das Team an einer Software, mittels derer angehende Sportlehrer den Aufbau einer Übungsstunde trainieren können. Die Simulationsumgebung stellt eine virtuelle Sporthalle zur Verfügung, in der der Spieler virtuelle Schüler anweist. Dabei können die Figuren auch falsche Bewegungsabläufe ausführen, die erkannt werden müssen. Am Ende einer Lerneinheit teilt die Software mit, ob der angehende Lehrer die Übung korrekt aufgebaut hat, und, wenn nicht, wo Fehler gemacht wurden.

Die Software ist in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Josef Wiemeyer vom Sportwissenschaftlichen Institut entwickelt worden, der die nötigen Fachinformationen lieferte, und der Software großen Nutzen zuschreibt: „Die Vorteile liegen darin, dass die Entscheidungen keine realen, sondern nur virtuelle Konsequenzen haben, dementsprechend tut man keinem Schüler weh. Weiterhin kann der Spieler ausprobieren und hat sehr unmittelbares Feedback, und wir können diese Situationen zielgerichtet konstruieren und strukturieren.“, so Wiemeyer.

„Es muss ein Spiel sein.“

Serious Games haben ein erhebliches wirtschaftliches Potential. Ein Teil des Forschungsinteresses zielt daher darauf, eine ausgewogene Balance zu untersuchen, um Lernen und Spielen mittels einer guten Geschichte zu verbinden. Goebels Fazit: „Es reicht nicht, wenn es eine reine Trainings- und Simulationssoftware ist, sonders es muss ein Spiel sein, es muss Spaß machen, und es muss zusätzlich den übergeordneten Zweck erfüllen, zum Beispiel den Lernerfolg.“

Einen ausführlichen Artikel finden Sie in der hoch 3 3/2011, ein Video in unserem Podcast.