Spielerisch zu Innovationen

10.12.2013

Spielerisch zu Innovationen

Szenarien zu Future Living bei KIVA-Projektwoche im Fachbereich etit verlangt

Wie können wir in Zukunft leben? Auf diese Frage antworteten 500 Studierende während der Projektwoche zur Studieneingangsphase am Fachbereich Elektro- und Informationstechnik (etit) – mit einem Autogurt mit Kindersicherung, einem selbstrollendem Koffer und anderen Produkten für Senioren, Familien und Berufstätige.

Eine Arbeitsgruppe von Studierenden, von oben fotografiert. Bild: Paul Glogowski
Rund 500 Studierende machten sich in 48 Gruppen an die Arbeit. Bild: Paul Glogowski

Die Bevölkerung in Deutschland wächst nicht mehr, die Zahl der alten Menschen steigt, (Groß)-Familien lösen sich auf, in den meisten Haushalten arbeiten beide Elternteile. Der Arbeitsplatz ist nicht mehr zwangsläufig ein Büro am Heimatort, sondern kann die ganze Welt sein. Auf diese Veränderungen müssen wir uns einstellen – und die Informations- und Kommunikationstechnik kann dabei helfen.

Allerdings: Die gesellschaftlichen Probleme sind häufig zu komplex, als dass Techniker alleine Lösungen finden können. Sie brauchen den Sachverstand von Fachleuten aus anderen Disziplinen – etwa von Soziologen und Wirtschaftsingenieurinnen. Auf dieser Überzeugung basieren auch die interdisziplinären Projektwochen, die das Projekt KIVA (kurz für: Kompetenzentwicklung durch Interdisziplinäre Vernetzung von Anfang an) seit Jahren an verschiedenen Fachbereichen organisiert. Zuletzt am Fachbereich 18, wo dieser Tage Erstsemester aus der etit und dem Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie höhere Fachsemester aus den Instituten der Soziologie und der Psychologie Ideen zum Thema Future Living austüftelten.

Recherchieren, denken, vorlegen

Vier Zielgruppen hatten die KIVA-Organisatoren vorgegeben: Berufstätige Paare mit einem oder mehreren Kindern, international tätige Personen, Senioren und Alleinerziehende. Die Aufgabe war, für eine der Zielgruppen ein möglichst konkretes technisches Produkt zu entwerfen, mit Rücksicht auf Bedürfnisse, Wünsche und (finanzielle) Möglichkeiten der potenziellen Käufer.

Eine Gruppe von Studierenden am Tisch, rechts ist eine Tafel mit Notizzetteln zu sehen. Bild: Paul Glogowski
Die interdisziplinären Gruppen wurden von Team- und Fachbegleitern bei der Ausarbeitung ihrer Ideen unterstützt. Bild: Paul Glogowski

In 48 Gruppen machten sich die 500 Studierenden an die Arbeit: erste Ideen festhalten, zur Zielgruppe recherchieren und kleine Umfragen führen, die Sinnfrage stellen, Marktlücken und Mitbewerber identifizieren, bei TU-Professoren Rat holen, die Ideen konkretisieren, auf Machbarkeit und Nachhaltigkeit abklopfen, über technischen Details brüten, Marketing-Strategien andenken – und schließlich eine PowerPoint-Präsentation zu ihrem Produkt vorlegen.

Manche Teams kamen dabei sehr schnell auf den Punkt. Team Nummer 30 beispielsweise, das mit dem alleine rollenden Koffer den 2. Platz in der Abschlusspräsentation erreichte: „Butler“ heißt dieser Koffer, der von einem kleinen Motor im Inneren angetrieben wird und seinem Besitzer dicht auf den Fersen folgt. Das klappt dank „Bell“, einem kleinen elektronischen Schlüssels, der über Bluetooth mit dem „Butler“ verbunden ist.

Auch die Studierenden von Team 43 fielen schon im Laufe der Woche durch systematisches Arbeiten, konstruktive Diskussion und Kreativität auf – und ihr „Children Safety Belt System“ wurde von der Jury prompt zur besten Produktidee gekürt. Dabei geht es um einen Autogurt, den ein Kind nicht selbst öffnen kann. Denn sobald die Steckzunge des Gurtes im Schließer einrastet, wird dies durch einen elektromagnetischen Schalter erkannt und diese Information an eine zentrale Steuerung übermittelt. Und diese Steuerung blockiert das mechanische Öffnen des Schließers über den Schalter.

Gut funktionierende Gruppen

Die Erfahrung aus den Projektwochen der vergangenen Jahre zeigt: Je besser eine Gruppe „funktioniert“, umso eher entwickelt sie gute Ideen. Genau deshalb unterstützen Team- und Fachbegleiter die Studierenden: Gerät eine Diskussion ins Stocken, haben sie Kreativitätstechniken parat. Ufert eine Diskussion aus, helfen sie, die Gedanken zu strukturieren und auf Flipcharts zu visualisieren. Verhält sich ein Teilnehmer passiv oder dominiert einer die Gruppe, machen sie darauf aufmerksam. „Die Studierenden arbeiten unter realen Bedingungen. Deshalb ist es ganz natürlich, dass es mal Abstimmungsprobleme oder Konflikte gibt“, sagt Stephanie Bockshorn, die die etit-Projektwoche organisiert hat.

Ein Vorgeschmack auf das Berufsleben also: Das ist die Projektwoche für die Studierenden – und besonders für die künftigen Elektroingenieurinnen und -ingenieure. Die nämlich erleben nicht nur die Arbeit in interdisziplinären und internationalen Teams. Sondern erhalten auch einen Einblick in das ingenieurtypische, methodische Denken und Entwickeln. Gleichzeitig wird so schon zu Studienbeginn deutlich, wie konkret etit sein kann, welche Anwendungsfelder es gibt. Das ist wichtig bei einem Studium, das in den ersten Semestern äußerst anspruchsvoll und theoriebezogen ist.

Wille zum Gestalten

Dass die Studierenden Ideen und den Willen zum Gestalten besitzen, haben sie in der Projektwoche und auf der Abschlusspräsentation am 6. Dezember jedenfalls bewiesen: Mit dem Kühlschrank, der dank eines Wabensystems nur dort kühlt, wo Lebensmittel lagern. Dem Pillenautomaten, der Patienten daran erinnert, wann sie welches Medikament zu schlucken haben.

Oder Smart Clothes, die Körperfunktionen messen und Störungen melden – bevor es beispielsweise zu einem Herzinfarkt kommt. Das sind nur drei weitere Beispiele aus der Produktpalette, auf der einem manches zwar bekannt vorkommt. Doch bekanntlich bedeutet Innovation ja nicht, etwas Neues zu erfinden, sondern auch bestehende Elemente neu und gewinnbringend zu kombinieren.

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