"forschen" Einzelansicht

Publikationen der TU Darmstadt und Publikationen, die die TU im Inhalt haben

Liebe Leserinnen und Leser,


thema forschung 2/2005
thema forschung 2/2005

dass die Zugehörigkeit zu einem sozialen Geschlecht (Gender) eine selbstverständliche Kategorie wissenschaftlicher Forschung und Lehre in allen Disziplinen sein muss, ist (noch) keinesfalls wissenschaftlich geteilte Auffassung. Dies gilt insbesondere für die natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächer. Deshalb ist es zu begrüßen, dass das Magazin „thema Forschung“ der Technischen Universität Darmstadt sich dieses Themenfeldes annimmt. Seit nunmehr drei Jahren arbeitet das Frauenforschungszentrum Darmstadt (ffz) interdisziplinär zu verschiedenen Themen unter der zentralen Frageperspektive „Technisierung und Informatisierung der Arbeits- und Lebenswelten – Neue Risiken und Chancen für Frauen?“ und bündelt so die verschiedenen Forschungsperspektiven in der Geschlechterforschung an der TUD und schafft für Forscherinnen aus verschiedenen Disziplinen ein Forum für Diskussionen und Kooperationen.

Dieses Magazin gibt Einblick in die bisher verfolgten Forschungsperspektiven des Zentrums. Dabei wird deutlich, dass wir, die Geschlechterforscherinnen in Darmstadt, nicht einen dominanten theoretischen Ansatz verfolgen, sondern mit verschiedenen theoretischen Perspektiven arbeiten, um Erklärungsansätze für die Marginalisierung und Ausgrenzung von Frauen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu entwickeln. Dabei ist uns allerdings gemeinsam, dass die universalistische Kategorie Frau selbst der Kritik unterzogen werden muss, weil sie sich mit anderen Diskriminierungs- und Differenzerfahrungen kreuzt: Ethnie, Alter, Klasse oder Schicht. Nicht das einheitliche Subjekt Frau steht also im Mittelpunkt der Forschung, sondern die Differenzen innerhalb der Genusgruppen und zwischen ihnen. Dabei begreifen wir den Geschlechterbegriff als eine relationale Kategorie, die immer nur unter Bezug auf andere Kategorien begriffen werden kann. Der Frage nach feministischer Kritik an der Entwicklung moderner Wissenschaften wurde ebenso nachgegangen wie der Frage nach der Konzeption und Konstruktion von Wissen unter Gender-Aspekten. Diese Introspektion von Wissenschaft unter Gender-Aspekten findet am Schnittpunkt von Privatheit, Öffentlichkeit, von Produktion und Reproduktion, von Körper und Darstellung, von Subjektivität und Gesellschaft, von Natur und Geschichte statt.

Das Heft gibt die Breite der an der TUD entwickelten Forschungsarbeiten in der Genderforschung wider. Die Philosophie, die Soziologie, die Allgemeine Pädagogik, die Berufspädagogik, die Literaturwissenschaft, die Raumplanung und die Architektur sind vertreten, aber obwohl die Natur- und Ingenieurwissenschaften im Fokus der bearbeiteten Thematiken stehen, sind sie als Disziplinen noch nicht präsent, wenngleich die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Einzelfällen bereits begonnen hat.

In diesem Heft publizieren erfahrene Forscherinnen ebenso wie junge Wissenschaftlerinnen, weil es das erklärte Ziel des ffz ist, auch dem Nachwuchs einen Platz im Zentrum und in den Veröffentlichungen zu geben. Wir hoffen, mit diesem Einblick in unsere Arbeit den Blick auf die Bedeutung der Genderfrage geweitet zu haben und freuen uns über Rückmeldungen und Kritik, um die Bereitschaft, in Forschung und Lehre eine Querdimension aller Wissenschaftsdisziplinen einzubeziehen, an der TU Darmstadt zu erhöhen.

Eine Besonderheit dieses Heftes soll betont werden. Für die Illustrationen der Beiträge haben uns namhafte Künstlerinnen aus Darmstadt und Frankfurt freundlicherweise das Recht eingeräumt, ihre Kunstwerke zu publizieren. Dies ist keineswegs selbstverständlich, deshalb gilt ihnen unser besonderer Dank. Unser Dank gilt ebenso allen, die zum Zustandekommen dieses Heftes mit Rat und Tat beigetragen haben.

Angela Paul-Kohlhoff, Heidemarie Stegmann-Meißner, Uta Zybell

zur Liste