Studium auf Probe

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25.08.2017

Studium auf Probe

TU Darmstadt ist Gastgeber der TU9-ING-Woche

20 Schüler und Schülerinnen aus 17 Ländern sind derzeit an der TU Darmstadt zu Gast. Im Rahmen einer Probestudienwoche lernen sie Firmen und Forschungseinrichtungen der Stadt kennen, vor allem aber die Vorzüge des Studienstandorts Darmstadt.

Alle Bilder: Jan-Christoph Hartung

Sie sind angereist aus allen Teilen der Welt, Sprachprobleme gibt es trotzdem nicht, denn die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der TU9-ING-Woche besuchen schon seit dem Kindergarten eine der weltweit angesiedelten deutschen Auslandsschulen. Der Austausch richtet sich an Schüler, die sich für ein Studium der Technik und Ingenieurwissenschaften interessieren und wird jedes Jahr von einer der TU9-Universitäten ausgerichtet.

„Eine sehr sympathische und offene Gruppe von Schülerinnen und Schülern haben wir zu Gast“, sagt Babette Chabilan vom Referat Internationale Beziehungen & Mobilität der TU Darmstadt. Sie ist überzeugt: Vom Austausch profitieren beide Seiten. Die Jugendlichen lernen den Studienstandort Deutschland kennen und werden nach ihrer Rückkehr in ihren Schulen und Heimatländern Botschafter für Darmstadt und Deutschland sein.

Viele aus der Schülergruppe wollen ihr Studium in Deutschland absolvieren. Auch Catalina denkt darüber nach. Darmstadt ist für sie in der engeren Wahl, aber auch Karlsruhe und Berlin kommen in Betracht. Catalina stammt aus Cali in Kolumbien. Sie setzt eine Familientradition fort, denn ihre Mutter hat ebenfalls die deutsche Schule besucht. Die 17-Jährige ist bereits zum dritten Mal in Deutschland. Nach dem Abitur möchte sie Maschinenbau studieren.

Auch Edgar weiß schon lange, dass er in Deutschland studieren will. Er kommt aus San Salvador und interessiert sich vor allem für Chemie. „Die Leute aus der Gruppe sind sehr nett, das Internationale gefällt mir, die Sprache, die Universität, die Bibliothek. Ich finde Deutschland einfach toll.“ Der 18-Jährige genießt vor allem, dass er sich hier frei bewegen kann. Bus fahren oder einfach durch die Stadt laufen gehe in seiner Heimat nicht – zu gefährlich.

„dem Rechner Sehen beibringen“

Wie man kommerzielle Computerspiele für die Forschung nutzen kann, zeigt der Schülergruppe Professor Stefan Roth vom Fachbereich Informatik. Er forscht daran, dass Computer visuelle Szenen verstehen können, „dem Rechner Sehen beibringen“ bringt er es auf den Punkt. Dabei helfen unter anderem Daten, die aus dem Spiel „Grand Theft Auto V“ gewonnen wurden. Daraus lassen sich Algorithmen entwickeln, die zum Beispiel beim Autonomen Fahren von Autos benötigt werden. Der anschauliche Vortrag kommt bei den Schülerinnen und Schülern gut an, Professor Roth muss viele Fragen beantworten.

Für Molecular Engineering, Biochemie und Physik interessiert sich Tobias aus Buenos Aires in Argentinien. Er möchte an einer der TU9-Universitäten studieren, hat sich aber noch nicht für eine Stadt entschieden. Darmstadt mag er, weil die Stadt so kompakt ist und alles nah beieinander liegt. Am besten hat ihm bisher die Universität gefallen. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie so groß ist“, fasst Tobias seine Eindrücke zusammen.

Manuel aus Bogota (Mitte) plant, in Deutschland Informatik zu studieren. Bild: Jan-Christoph Hartung
Manuel aus Bogota (Mitte) plant, in Deutschland Informatik zu studieren. Bild: Jan-Christoph Hartung

Manuel aus Bogota in Kolumbien plant ebenfalls, sich an allen TU9-Universitäten zu bewerben. Er möchte Informatik studieren, besonders die Spiele-Entwicklung hat es ihm angetan. Auch Manuel ist nicht zum ersten Mal in Deutschland, er hat schon einen sechsmonatigen Schüleraustausch in Dortmund absolviert.

Tim Neubacher, Fachstudienberater und Auslandsbeauftragter des Fachbereichs Informatik stellt Fragen, die sich nicht nur die Gastschüler stellen sollten: Will ich studieren? Will ich an einer Universität studieren? Will ich Informatik studieren? Will ich Informatik an der TU Darmstadt studieren? Die Antworten hat er natürlich auch parat. Verständlich und lebendig bekommen die Schüler und Schülerinnen erklärt, wie ein Bachelor- und Masterstudium aufgebaut ist, welche Voraussetzungen nötig sind und welche Inhalte vermittelt werden. Die vielen Fragen aus der Gruppe beweisen einmal mehr das starke Interesse der Jugendlichen an den Mint-Fächern.

Habiba aus Kairo in Ägypten freut sich, dass es diese Art der Studieneinführung gibt. „Das macht ein Studium viel leichter vorstellbar.“ Habibas Mutter ist Arabischlehrerin an der Deutschen Schule und hat ihrer Tochter schon früh die deutsche Kultur nahe gebracht – mit Kinderfernsehen und Büchern, und das, obwohl die Mutter selbst gar kein Deutsch spricht. Habiba findet Darmstadt als Studienort „ganz gemütlich“ und schätzt besonders die gute Infrastruktur. Sie denkt über ein Mechatronik-Studium nach.

Jacobo aus San Jose in Costa Rica weiß dagegen noch nicht so genau, was er studieren will. Naturwissenschaften interessieren ihn, auch Darmstadt gefällt ihm. Aber München würde ihn ebenfalls reizen, denn in Bayern war er schon zum Schüleraustausch. Jacobo hat besonders die Rosetta-Ausstellung im Hessischen Landesmuseum gefallen.

Besuch bei der Hochschulgruppe Akaflieg

Habiba aus Kairo (Mitte) erfährt bei Akaflieg mehr über den Segelflugzeugbau. Bild: Jan-Christoph Hartung
Habiba aus Kairo (Mitte) erfährt bei Akaflieg mehr über den Segelflugzeugbau. Bild: Jan-Christoph Hartung

Ein „Praktikum“ erwartet die Schülerinnen und Schüler beim studentischen Verein Akaflieg. Die Studierenden Daria, Kevin, Marius und Sebastian zeigen in der Werkstatt Segelflugzeuge, an denen aktuell gebaut wird und einen kurzen Film, der die Gruppe Akaflieg vorstellt. In kleinen Gruppen stellen die Jugendlichen einen Faserverbundwerkstoff her, wie man ihn für den Bau von Segelflugzeugen benötigt. Dazu werden mehrere Schichten aus Glasfasergewebe in eine Form eingebracht und mit Epoxidharz getränkt.

Nach einem turbulenten und ereignisreichen Tag genießen alle diese ruhige Tätigkeit. Für Fragen wird die Zeit aber dennoch genutzt, denn durch den geringen Altersunterschied sind die Studierenden als Ansprechpartner denkbar gut geeignet. Und vielleicht werden schon bald Jugendliche aus der Gruppe selbst Studierende sein und Fragen von interessierten Schülern beantworten.

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