News (Details) in breiter Spalte (DE+EN)

26.07.2017

IT-Sicherheit aus dem Werkzeugkasten

Forschung gegen Bedrohungen und Risiken der intelligenten Fabrik

Schon bald können Maschinen per Download mit neuen Datensätzen aus dem Technologiedatenmarktplatz versorgt werden – einer Art App-Store für die Industrie 4.0. Um diese neuen Entwicklungen vor Cyberangriffen oder Spionage zu schützen, forschen Wissenschaftler der TU Darmstadt im Nationalen Referenzprojekt IUNO gemeinsam mit 20 Partnern aus Industrie und Forschung.

Immer drängenderes Thema: Datensicherheit in den vernetzten Fabriken der Zukunft. Bild: Jan-Christoph Hartung
Immer drängenderes Thema: Datensicherheit in den vernetzten Fabriken der Zukunft. Bild: Jan-Christoph Hartung

Der „App-Store der Industrie 4.0“ eröffnet ein ganz neues Geschäftsmodell: Früher mussten Datensätze für Maschinen analog bezogen werden. In der Industrie 4.0 gibt es dafür den Technologiedatenmarktplatz, in dem Zusatzfunktionen für die vernetzten und intelligenten Maschinen digital heruntergeladen werden können. Daher werden Industrieunternehmen von morgen neben den klassischen Produkten auch verstärkt Service-Dienstleistungen anbieten, die der Kunde je nach Bedarf zu seinen Maschinen dazukaufen kann.

Wie in allen Bereichen, in denen Vernetzung und Digitalisierung eine große Rolle spielen, stellt sich die Frage nach der IT-Sicherheit. Die Antworten für die vernetzten Fabriken der Zukunft will IUNO finden, das Nationale Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in Industrie 4.0. IUNO wird dafür vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und umfasst ein Projektvolumen von 33 Millionen Euro.

Welche tragende Rolle IT-Sicherheit in der virtuellen Fabrik spielt, fasst Professor Reiner Anderl, Leiter des Fachgebiets Datenverarbeitung in der Konstruktion am Fachbereich Maschinenbau der TU Darmstadt und einer der Initiatoren von IUNO, zusammen: „Durch die Digitalisierung in der Produktentwicklung entstehen hochsensible Daten über neue, innovative Produkte in vernetzten Industrieanlagen – es wäre eine Katastrophe, wenn diese Daten durch Cyberangriffe oder Spionage entwendet würden.“

Deswegen beschäftigen sich die Forscherinnen und Forscher bei IUNO damit, wie man Daten, die in der Industrie 4.0 anfallen, sicher aufbewahren kann. Wenn mehrere Personen mit den Daten arbeiten, müssen beispielsweise die Zugriffsrechte sicher definiert sein. Auch die Datenströme – innerhalb und außerhalb der Unternehmen – müssen abgesichert und verschlüsselt werden.

Schon früh war Professor Anderl klar, dass IT-Sicherheit im Maschinenbau eine große Rolle spielen wird: „Cybersicherheit mitzudenken lag in der Natur der Sache, als man die Zeichenbretter abgeschafft und die rechnergestützte Konstruktion eingeführt hat.“ Über ein Viertel seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter arbeiten daher am drängenden Thema IT-Sicherheit in der Industrie 4.0.

Neue Sicherheitskultur

Aufgabe des IUNO-Projekts sei es nun, die IT-Sicherheit und auch eine neue Sicherheitskultur in der Industrie 4.0 zu etablieren, erklärt Professor Anderl. Die Themenfelder sind dabei sichere Prozesse, sichere Daten und sichere Dienste und gleichzeitig eine sichere Vernetzung aller dieser Komponenten.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen an wichtigen Grundlagen der IT-Sicherheit, die speziell in der Industrie 4.0 benötigt werden, zum Beispiel dem Identitätsmanagement oder der Anomalieerkennung. In anderen Fällen sorgen sie aber auch dafür, dass bereits bestehende Sicherheitstechnologien den Weg in die Industrie finden.

Anhand von sogenannten Anwendungsszenarios werden die Forschungsergebnisse dann auf reale Situationen in der Praxis angewendet. 2018, am Ende des Projekts, steht den Unternehmen der Industrie 4.0 so ein „Werkzeugkasten“ zur Verfügung mit allgemein anwendbaren Lösungen für Herausforderungen der IT-Sicherheit in intelligenten Fabriken.

Industrie 4.0

Der Begriff Industrie 4.0 bezeichnet die vierte industrielle Revolution, welche die Produktion mit modernster Kommunikationstechnik verzahnt. Anhand intelligenter, digital vernetzter Systeme wird eine verbesserte Wertschöpfung in der Produktion möglich. Die Unternehmen profitieren von effizienten und hochflexiblen Produktionsprozessen, die individuelle Kundenanforderungen zu Kosten der Massenfertigung erfüllen können.

Lesen Sie diesen und weitere Artikel in der aktuellen hoch³ 4/2017

zur Liste