Humboldt-Professur für die TU Darmstadt

07.06.2018

Humboldt-Professur für die TU Darmstadt

Dr. Alexandre Obertelli erhält höchstdotierten Forschungspreis Deutschlands

Die TU Darmstadt erhält erstmals eine Alexander von Humboldt-Professur; es ist dies zugleich auch die erste im Land Hessen. Der von der TU Darmstadt nominierte Kernphysiker Dr. Alexandre Obertelli zählt zu den insgesamt fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland, die soeben für den höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands ausgewählt worden sind.

Alexandre Obertelli. Bild: Sandra Junker
Alexandre Obertelli. Bild: Sandra Junker

Mit der Alexander von Humboldt-Professur, die mit jeweils bis zu fünf Millionen Euro dotiert ist, werden weltweit führende und bislang im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen ausgezeichnet. Sie sollen langfristig zukunftsweisende Forschung an deutschen Hochschulen durchführen. Die Auszeichnung wird von der Alexander von Humboldt-Stiftung vergeben und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

„Dies ist die erste Alexander von Humboldt-Professur an der TU Darmstadt und sogar im Land Hessen“, hob TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel hervor. „Das ist eine hochrangige Auszeichnung für die TU Darmstadt und den Fachbereich Physik“, so Präsident Prömel. „Dr. Alexandre Obertelli wird dazu beitragen, die Universität als Spitzenforschungsstandort für Physik auszubauen. Und er wird eine gewichtige Rolle bei der Entwicklung der FAIR‐Teilchenbeschleunigeranlage des GSI‐Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt spielen“, so Prömel.

Der in Frankreich geborene Wissenschaftler Obertelli war zuletzt als Senior Researcher am Institut de recherche sur les lois fondamentales de l’Univers (IRFU) des Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA) in Paris‐Saclay, Frankreich, tätig. Zwischenzeitlich forschte er am National Superconducting Cyclotron Laboratory (NSCL) der Michigan State University, USA, und am Forschungsinstitut RIKEN in Japan. Für seine Arbeiten wurde er unter anderem mit einem ERC Starting Grant sowie einem ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet. Er ist Mitglied in Programmbeiräten von verschiedenen Forschungseinrichtungen wie zum Beispiel dem CERN in der Schweiz.

Die Humboldt-Professur eröffnet deutschen Hochschulen die Chance, Spitzenkräften international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen zu bieten und ihr eigenes Profil im weltweiten Wettbewerb zu schärfen. Der Preis beinhaltet zugleich die Verpflichtung, den neuen Humboldt-Professoren eine langfristige Perspektive für ihre Forschungen in Deutschland zu bieten. Bislang wurden insgesamt 68 Wissenschaftler, darunter zwölf Frauen, auf eine Humboldt-Professur berufen, um mit dem Preis aus dem Ausland nach Deutschland zu wechseln.

Experimentelle Kernphysik – das Forschungsfeld von Alexandre Obertelli

Wie sind die chemischen Elemente, die Bausteine unserer Welt, einst entstanden? Welche Prozesse stecken dahinter? Im Zusammenhang mit diesen grundlegenden Fragen der Kern‐ und Atomphysik untersucht Alexandre Obertelli sogenannte exotische Kerne, Atomkerne mit im Verhältnis übergroßer Protonen‐ oder Neutronenanzahl. Sie sind in der Kernphysik bislang weitgehend unerforscht. Ein tieferes Verständnis ihrer Eigenschaften könnte unter anderem Aufschluss über die Elemententwicklung im Universum geben, da neutronenreiche Atomkerne eine zentrale Rolle bei der Entstehung von schweren Elementen haben. Obertelli leitete in diesem Zusammenhang experimentelle Untersuchungen zu Reaktionen und Strukturen von exotischen Kernen, die heute als Benchmark in der Kernphysik gelten. Daneben hat er etwa neue spektroskopische Messverfahren zur Charakterisierung extrem neutronenreicher Isotope entwickelt und implementiert. Als Humboldt‐Professor an der Technischen Universität Darmstadt soll er den Bereich der Physik der Seltenen Isotope zu einem weltweit herausragenden Forschungsstandort ausbauen. Zudem soll Obertelli maßgeblich die Entwicklung der FAIR‐Teilchenbeschleunigeranlage des GSI‐Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung mitprägen, die derzeit in Bau ist und 2025 in den Vollbetrieb gehen soll.

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