8. März – Internationaler Frauentag: Geschlechtergerechtigkeit im digitalen Zeitalter

Ein Beitrag des Gleichstellungsbüros der TU Darmstadt

03.03.2026 von

„Der Internationale Frauentag steht für den Anspruch, strukturelle Ungleichheiten konsequent zu hinterfragen, auch dort, wo sie sich in Algorithmen und Daten einschreiben. Künstliche Intelligenz muss bewusst so gestaltet werden, dass sie Gerechtigkeit fördert und Geschlechterstereotype nicht fortschreibt“, so das Statement der Gleichstellungsbeauftragten Dr.‘in Uta Zybell zum Thema Gender und KI anlässlich des internationalen Frauentags.

Der Internationale Frauentag steht seit jeher für Chancengerechtigkeit, Teilhabe und strukturelle Gerechtigkeit. Im digitalen Zeitalter umfasst dieser Anspruch auch technologische Entwicklungen, insbesondere Künstliche Intelligenz (KI), die Forschung, Verwaltung, Lehre und Arbeitswelt zunehmend prägt. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie KI-Systeme entstehen, welche Verzerrungen in ihnen wirken und wie bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten dadurch reproduziert werden können.

KI-Anwendungen basieren auf großen Datenmengen und komplexen algorithmischen Modellen. Sie erkennen Muster, erstellen Prognosen, generieren Texte oder unterstützen Entscheidungsprozesse. Häufig wird KI als objektiv oder neutral wahrgenommen. Ursprünglich sollte sie menschliche Vorurteile sogar überwinden und Objektivität verkörpern. Tatsächlich spiegeln die Daten, mit denen Künstliche Intelligenz trainiert wird, gesellschaftliche Realitäten wider, einschließlich historisch gewachsener Ungleichheiten und Stereotype.

Geschlechtsspezifische Verzerrungen zeigen sich in verschiedenen Bereichen. Automatisierte Auswahlverfahren können Frauen und TIN*-Personen benachteiligen, wenn sie auf Datensätzen beruhen, die männlich dominierte Berufsbiografien abbilden. Sprachassistenzsysteme reagieren teilweise weniger zuverlässig auf weibliche Stimmen. Bild- und Sprachmodelle verbinden Männer häufiger mit Führungs- oder Technikrollen und Frauen mit unterstützenden oder häuslichen Tätigkeiten.

Diese Phänomene sind nicht nur technischer Natur, sondern hängen eng mit strukturellen Rahmenbedingungen zusammen, etwa der weiterhin geringen Repräsentation von Frauen und TIN*-Personen in KI-Entwicklungsteams, Datengrundlagen, die Männer stark überrepräsentieren sowie fehlender Diversität in Design- und Testprozessen. KI-Systeme sind daher immer Teil des gesellschaftlichen Kontexts, in dem sie entstehen und spiegeln soziale Strukturen und Machtverhältnisse wider.

Der Internationale Frauentag bietet Anlass, diese Zusammenhänge zu reflektieren und Perspektiven für eine gerechtere digitale Zukunft zu entwickeln. Eine geschlechterreflektierte Auseinandersetzung mit KI bedeutet, Inklusivität einzufordern, digitale Kompetenzen zu stärken und Gestaltungsspielräume bewusst zu nutzen.

Vor diesem Hintergrund lädt die Gleichstellungsbeauftragte alle TU-Kolleginnen herzlich zur Frauenvollversammlung am 12. März 2026 ein. Unter dem Titel „Von Bias zu Empowerment – (Feministische) KI verstehen und mitgestalten“ sollen gemeinsam Grundlagen geklärt werden, Herausforderungen diskutiert und konkrete Handlungsansätze für eine diskriminierungssensible und inklusive KI-Entwicklung erarbeitet werden.

Die Frauenvollversammlung findet statt am

Donnerstag, den 12. März 2026, von 10:00 bis 12:00 Uhr im Wilhelm-Köhler-Saal (S1|03, 283).

Alle Mitarbeiterinnen erhalten die Möglichkeit, während ihres Dienstes an der Veranstaltung teilzunehmen.