Ameisen, Fische und Vögel: Roboter nach dem Vorbild der Natur

TU Darmstadt ist Gastgeberin der Konferenz ANTS 2026 zur Schwarmintelligenz

05.06.2026

Dem Einsatz von Roboterschwärmen widmet sich die international bedeutsame Tagung ANTS 2026, die vom 8. bis 10. Juni 2026 in Darmstadt stattfindet. Der Vorsitzende der Konferenz, Roderich Groß, Informatikprofessor an der TU Darmstadt, gibt im Interview einen Ausblick auf die Veranstaltung.

TU Darmstadt: Lieber Herr Groß, welche Themen stehen bei der ANTS in diesem Jahr besonders im Fokus?

Prof. Roderich Groß: Die Schwarmintelligenz ist ein Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz, das aus der Untersuchung biologischer Schwärme wie Ameisen, Bienen, Fische und Vögel entstand. Diese Systeme zeichnen sich durch bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit, Robustheit und kollektive Leistungsfähigkeit aus, während sie vergleichsweise wenig Energie benötigen.

Forscher versuchen seit langem, diese wünschenswerten Eigenschaften in künstlichen Systemen nachzubilden. Auf der ANTS 2026 werden zahlreiche Studien vorgestellt, die den Einsatz von Roboterschwärmen in einer Vielzahl von Umgebungen untersuchen – zu Lande, zu Wasser, in der Luft und sogar im Weltraum. Solche Systeme können ressourceneffiziente Lösungen für Aufgaben bieten, die die Zusammenarbeit vieler Roboter erfordern.

Zur Konferenz werden Teilnehmende aus fast 30 Ländern weltweit erwartet. Auf welche Beiträge freuen Sie sich besonders, was sind aus Ihrer Sicht Highlights?

Ich freue mich besonders auf die Gastvorträge international renommierter Forscher. Sie decken ein breites Spektrum faszinierender Themen ab, von modularen Robotern, die ihre Form verändern können, über Flugdrohnen mit von Insekten inspiriertem Flügelschlag bis hin zu den Mechanismen, durch die sich Informationen – und Fehlinformationen – in sozialen Netzwerken verbreiten. Ein roter Faden, der sich durch diese Vorträge zieht, ist die Untersuchung, wie Interaktionen zwischen vielen einzelnen Akteuren zu komplexem kollektivem Verhalten führen – ein zentrales Thema der Schwarmintelligenz.

Das Konferenzmotto “Reaching beyond—swarm intelligence across systems, disciplines, and communities” betont die Interdisziplinarität der Tagung. Welche neuen Perspektiven und Ideen für künftige wegweisende Forschungsvorhaben erhoffen Sie sich, auch für Ihre Arbeitsgruppe Resilient Cyber-Physical Systems am Fachbereich Informatik der TU Darmstadt?

Ein besonderes Merkmal der Konferenz sind die Lightning Talks, die Perspektiven aus Disziplinen jenseits der Informatik und des Ingenieurwesens einbringen. Ein solch breit gefächerter Input war schon immer eine treibende Kraft in der Entwicklung der Schwarmintelligenz und inspiriert weiterhin neue Forschungsrichtungen. Wir hoffen, neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie skalierbare Robotersysteme eng mit Menschen zusammenarbeiten und reale Herausforderungen bewältigen können.

In Zukunft könnten solche Systeme beispielsweise die Lebensmittelverteilung in Krisensituationen unterstützen oder durch Übernahme von Routinearbeiten die Gesundheitsdienste entlasten. Diese Themen sind auch für unsere Forschung, die sich mit der Koordination einer großen Anzahl ressourcenbeschränkter Roboter und deren Zusammenarbeit mit Menschen befasst, von großer Relevanz. Gleichzeitig wirft der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz nicht nur technische, sondern auch ethische und gesellschaftliche Fragen auf, wodurch der interdisziplinäre Dialog wichtiger denn je wird.

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Welche Rolle spielt die ANTS 2026 für die Rolle Deutschlands als führendem Standort der Schwarmintelligenz-Forschung?

Wir freuen uns sehr, dass die ANTS 2026, die seit 1998 im zweijährlichen Turnus stattfindet, bereits zum zweiten Mal in Deutschland ausgerichtet wird. Unsere enge Zusammenarbeit mit dem Robotics Institute Germany (RIG) als technischem Ko-Sponsor unterstreicht die Stärke des deutschen Forschungsnetzwerks für Robotik und KI, das auf der Konferenz mit Dutzenden von Forschungsgruppen vertreten ist.

Deutschland verfügt über eine vielfältige Forschungslandschaft mit international sichtbarer Expertise im Bereich der Schwarmintelligenz, die von theoretischen Grundlagen bis hin zu Anwendungen reicht. Veranstaltungen wie die ANTS 2026 bieten eine wichtige Plattform, um internationale Kooperationen zu stärken, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und Talente aus aller Welt für den Forschungsstandort Deutschland zu gewinnen.

Die Fragen stellte Michaela Hütig.