Speaker_2018

Speaker und Key Player 2019

2019 freuen wir uns auf die Top-Speaker Frank Thelen von Freigeist (auch bekannt als Juror aus Die Höhe der Löwen) und André Schwämmlein, CEO von Flixbus.

 

Frank Thelen

Frank Thelen ist ein europäischer Seriengründer, Technologie-Investor und TV Persönlichkeit. Seit 1994 gründet und leitet er technologie- und design-getriebene Unternehmen. In seiner Rolle als Gründer und CEO von Freigeist Capital konzentriert er sich auf Investitionen in der Frühphase. Seine Produkte haben über 200 Millionen Kunden in über 60 Ländern erreicht. Frank war der erste Investor in Startups wie Lilium Aviation, Wunderlist, myTaxi, kaufDA und Ankerkraut. 2018 veröffentlichte er mit 42 Jahren seine Autobiografie „Startup-DNA“.

„Mein Herz schlägt für Startups und mutige Gründer, die in der Lage sind, die Dinge komplett neu zu denken. „Das haben wir schon immer so gemacht“ wird man in einem Startup nicht hören und das ist gut so, denn so entsteht keine Innovation. Genau die braucht es aber gerade jetzt in sämtlichen Bereichen für eine nachhaltigere und sichere Zukunft. Deshalb investieren wir bei Freigeist in Deep-Tech-Startups, die mit ihren Erfindungen die Welt ein Stück besser machen wollen.“

 

André Schwämmlein

CEO und Mitgründer, FlixMobility GmbH

André Schwämmlein ist einer von drei Gründern und Geschäftsführern von FlixBus. Er hat Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg studiert und gründete schon während des Studiums ein IT-Startup mit Daniel Krauss, ebenfalls Mit-Gründer und Geschäftsführer bei FlixBus. Vor der Gründung von FlixBus war André Schwämmlein als Strategieberater bei „The Boston Consulting Group“ in München tätig. Bei FlixBus ist er mit der fachlichen und operativen Führung des Unternehmens betraut sowie mit der Koordination der Buspartnerstruktur und der Weiterentwicklung des Fernliniennetzes.

 

Unsere Speaker im Interview

Herr Thelen, viele kennen Sie inzwischen als Persönlichkeit aus den Medien. Mich würde interessieren wie der Mensch Frank Thelen seinen Tag normalerweise startet? – oder gibt es „normalerweise“ bei Ihnen nicht? Lesen Sie Zeitung, um sich über die neusten Entwicklungen zu informieren? Sport? Kaffee oder Tee?

Nach dem gemeinsamen Frühstück mit meiner Frau plane ich zunächst meinen Tag, checke dann die Mails von meinem Team. Oftmals überfliege ich die Online-Angebote von Handelsblatt, Zeit und Co. Ein Zeitungsabo habe ich nicht. Ich trinke Kaffee und komme nur selten dazu, Sport zu machen, bevor ich ins Büro fahre.

Sie haben in der Öffentlichkeit kein Geheimnis daraus gemacht, dass Sie sich zu Schulzeiten schwer getan haben und Ihre Zeit eher auf dem Skateboard verbracht haben. Würden sie besorgte Eltern, deren Kinder in der Schule nicht die gewünschten Leistungen erbringen, damit beruhigen? Sehen Sie Leidenschaft als den zentralen Antrieb an, um Dinge erfolgreich (im Sinne von für sich selbst erfolgreich) zu tun? Oder gibt es noch andere Antriebsfaktoren?

Ich glaube das Passion der wichtigste Antrieb ist und man es mit genügend Passion immer schaffen kann, auch wenn man in der Schule nicht gut war. Natürlich ist auch Disziplin und Willenskraft nötig, wenn man sich ohne gute, schulische Grundbildung hochkämpfen und sich Wissen selber aneignen will. Am wichtigsten ist aber, dass man für sich selbst herausfindet, was überhaupt die eigene Passion ist. Wofür brennst du? Was treibt dich an? Wenn du das herausgefunden hast und bereit bist, hart dafür zu arbeiten, steht einem persönlichen Erfolg in meinen Augen nichts im Wege. Aber es ist auch wichtig zu reflektieren: nicht jeder ist dazu gemacht 60 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten.

Ich habe Sie kürzlich in einem Spot auf einem E-Surfer über wunderbar blaues Wasser surfen sehen – das sah nach ziemlich viel Spaß aus. Ist der Spaßfaktor auch ein Kriterium nach dem Sie Innovationen oder Ideen bewerten und evtl. investieren? Oder entscheiden Sie nach harten Fakten und nach welchen? Was gewinnt im Zweifel – Kopf oder Bauch?

Auch wenn ich ein großer Freund von Gadgets bin und immer sofort das neueste E-Surfboard oder E-Foil ausprobieren muss, ist das für mich keinesfalls ein Investmentkriterium. Mit Freigeist investieren wir vorrangig in Deep-Tech-Unternehmen, die mit technologischen Innovationen im Idealfall einen positiven Impact auf unser Leben und unsere Welt haben. Kraftblock zum Beispiel hat einen Energiespeicher entwickelt, der in unseren Augen ein zentraler Baustein für die Energiewende werden könnte. Mit Hyperloop und Lilium haben wir gleich zwei Unternehmen im Portfolio, die ihren Teil zu emissionsneutraler Mobilität beisteuern wollen. Was die Frage nach Kopf oder Bauch angeht – natürlich schauen wir uns die Fakten an und prüfen intensiv, ob die vorgestellte Technologie tatsächlich funktionieren kann und ob es auch einen Markt dafür gibt. Aber bei Fällen wie Lilium, dem elektrisch betriebenen Jet, der damals, als wir investierten noch als Science Fiction galt, war es trotzdem eine Bauchentscheidung. Wir investieren oft in einer so frühen Phase in so disruptive Technologien, dass man sich unmöglich sicher sein kann, ob es am Ende auch wirklich klappen wird. Deshalb heißt es Risikokapital – das gilt für den Tech-Bereich ganz besonders. Wenn wir an die Gründer und ihre Vision glauben und ihre Technologie solide ist, entscheidet oft letztendlich der Bauch.

Carolin Bock, Professorin an der TU Darmstadt für Entrepreneurship sagte kürzlich in einem Interview, es gäbe von Investoren auch manchmal zu hören, dass es Wagniskapitalgeber mit genug Geld gibt, die aber keine geeigneten Startups finden – wobei doch meist die Startups über fehlende Geldgeber klagen. Sehen Sie hier fehlende Risikobereitschaft als Grund? Wie könnte Ihrer Meinung nach der Weg aussehen, diese in Europa vorherrschende Vorsicht zu wandeln, um mehr Kapital in neue Technologien zu investieren?

Das Problem bei disruptiven Technologie-Startups ist, das hier oft sehr viel Geld für Forschung und Entwicklung benötigt wird, bevor das Unternehmen erste Profite macht. Dieses Geld ist aktuell in Europa noch schwer zu bekommen, weil uns hier das nötige Mindset fehlt. Wir haben keine Helden wie Elon Musk oder Jeff Bezos und denken nicht groß genug. Würden wir uns auf das Wesentliche, nämlich die physikalischen Gesetze konzentrieren, würden viele Investoren feststellen, dass die ihnen vorgestellten Technologien tatsächlich funktionieren können – auch wenn es sie bislang nicht gibt – und würden sich dann vielleicht auch trauen, zu investieren. Wir müssen insgesamt risikofreudiger werden, denn wenn man sich anschaut, wie viel Wagniskapital in den USA und China fließt, hängen wir da weit hinterher. Wir haben die nötigen Talente, also sollten wir sie auch fördern. In meinen Augen muss da auch mal ein Zeichen von der Politik gesetzt werden, indem z.B. 2-3% der wirklich großen staatlichen Geldtöpfe – Renten- und Krankenversicherungen – in technologische Innovationen gesteckt werden. Das könnte sich positiv auf die gesamte, deutsche Wirtschaft auswirken.

Wir freuen uns schon, Sie am 12.12.2019 auf unserem Startup & Innovation Day in Darmstadt als Speaker live zu sehen. Können Sie mir schon etwas zu Ihrem Vortrag verraten?

Ich will mit meiner Keynote einen Ausblick auf die technologischen Entwicklungen geben, die uns in den nächsten 10 – 20 Jahren erwarten und wie sie unser Leben tiefgreifend verändern werden. Außerdem will ich junge Forscher und Gründer dazu motivieren, sich die Disruptionskraft dieser Technologien zu Nutze zu machen, um die Zukunft aktiv mitzugestalten.

HIGHEST / mm

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Herr Schwämmlein, ich fahre selbst gerne mit dem FlixTrain, häufig die Strecke Darmstadt-Stuttgart. Als ich das erste Mal für 4,99 Euro fuhr, fragte ich mich: Wie machen die das?

Wir stehen bei FlixTrain für erschwingliche und nachhaltige Mobilität für alle. Günstige Preise sind in erster Linie durch eine besonders hohe Auslastung möglich – die liegt bei FlixTrain aktuell bei rund 70%, was ein hervorragender Wert gerade auch im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern ist.

Sie sind damals als die politische Debatte „Bahn versus Fernbus“ entflammte, sozusagen in das Geschehen eingestiegen. Wie kam es dazu? Wussten Sie sicher, dass es der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt war?

Die Liberalisierung des Fernbusmarktes in Deutschland war eine großartige Chance, für Unternehmen aber auch für die Gesellschaft. Daher hat uns das Thema von Anfang an begeistert. Das Fehlen der Fernbusse hat den Wettbewerb im Fernverkehr völlig zum Einschlafen gebracht und das hat am Ende nicht nur der Gesellschaft, sondern auch dem Schienenverkehr sehr geschadet. Unser Ziel muss es sein, noch mehr Menschen vom Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu überzeugen. Ein fairer und guter Wettbewerb für den Kunden und dazu noch die Vernetzung von Bus und Schiene ist Teil eines nachhaltigen Konzepts für die Mobilität der Zukunft.

Mit Ihrem Startup haben Sie den Markt aufgerüttelt – allerdings weniger im Sinne einer technologischen Innovation. Dennoch spielt das Thema Daten eine entscheidende Rolle in Ihrem Tagesgeschäft – oder? Sehen Sie Ihre Expertise und die Ihres Teams in diesem Bereich als erfolgsentscheidend für das Unternehmen?

Da muss ich widersprechen: Datengetriebene Innovation ist für uns ganz entscheidend. Wir waren das erste Unternehmen, dass die Kundenorientierung über Daten und Technologie als Kern in diesem Markt hatte. Bei uns arbeitet ein rund 250-Mann starkes Entwicklerteam an Produktinnovationen. Wir haben also ein digitales Herz. FlixBus ist kein Reiseunternehmen, sondern eine digitale Plattform. Unser Ziel war und ist es, Dinge zu vereinfachen und Komplexität für den Kunden zu reduzieren – das geht aus unserer Sicht nur digital. In Deutschland liegt der Fokus oft nur auf reinen technologischen Erfindungen, der Erfolg steckt in der Regel in der unternehmerischen Anwendung von Technologie. Deutschland muss noch besser darin werden, nicht nur Grundlagenforschung zu betreiben, sondern auch Unternehmen daraus zu entwickeln.

Ich habe kürzlich mit einem Unternehmer gesprochen, der mir erzählte, er habe sich seine Zahlen, erreichten Ziele und steigende Umsätze angeschaut und sich dann gefragt „Und jetzt?“ Haben Sie sich diese oder eine ähnliche Frage auch schon einmal gestellt? Was passiert, wenn Ihre Ziele erreicht sind? Haben Sie für sich eine zufriedenstellende Antwort darauf?

Das ist für uns kein Thema. Selbstverständlich ist es als Unternehmer wichtig sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen. Allerdings geht unsere Vision weit darüber hinaus. Wir möchten allen Menschen mehr grüne und smarte Mobilität zur Verfügung stellen. Ein Vorhaben, das immer weiterentwickelt werden kann und sicherlich nicht an einem Tag X erreicht ist. Flix steht noch am Anfang seiner Geschichte und ist unsere einzigartige Chance die Welt der Mobilität und damit die Gesellschaft voranzubringen, sozial und ökologisch.

Wir freuen uns schon, Sie am 12.12.2019 auf unserem Startup & Innovation Day in Darmstadt als Speaker live zu sehen. Können Sie mir schon etwas zu Ihrem Vortrag verraten? Und vielleicht auch etwas zu Ihrem Bezug zur TU Darmstadt?

Vor allem möchte ich junge Gründer motivieren und unseren Weg zeigen, vom Start-Up hin zu einem globalen Unternehmen, das es binnen weniger Jahre geschafft hat in einen einst regulierten Markt einzutreten. Wir hatten unglaublich starke Wettbewerber und haben uns durchgesetzt. Bei FlixBus formen wir mittlerweile die Mobilität der Zukunft maßgeblich mit. Ich möchte zeigen, welche Chancen aber auch Herausforderungen in diesem Bereich stecken.

Die TU Darmstadt hat mich auf meinem Werdegang begleitet: Von 2010-2012, also noch vor der Gründung von FlixBus, war ich hier Ph.D. Kandidat im Bereich „innovative Verkehrssysteme“ am Institut für Mechatronische Systeme von Prof. Rinderknecht. Leider habe ich es nicht geschafft die Promotion abzuschließen, weil die Liberalisierung des Fernbusmarktes dazwischenkam. Heute bin ich gemeinsam mit Herrn Prof. Rinderknecht als Investor bei Compredict beteiligt, einem Startup zweier Alumni des Instituts, die nicht nur die Promotion sehr erfolgreich abgeschlossen haben, sondern jetzt ein Unternehmen gemeinsam aufbauen. Genau diesen Mut, aus Technologie unternehmerischen Erfolg zu haben, brauchen wir noch mehr in Deutschland.

HIGHEST / mm

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Speaker 2018

Jan Schaffner
Jan Schaffner
Amin Shokrollahi
Amin Shokrollahi

Unsere Speaker im Interview

Was halten Sie von der Kritik, dass viele der Startups, die aktuell entstehen zu häufig nur Eintagsfliegen sind? – ist die Idee der Innovations- und Startup-Förderung in Unternehmen oder an Universitäten dennoch nachhaltig?

AS: Für mich ist ein Startup ein Experiment: Funktioniert die Idee technisch wie auch geschäftlich? Ist der Markt offen für das Produkt? Kann man ein Team zusammensetzen, das die Idee auch in Produkte umsetzt? Werde ich dafür genug Geld haben? usw. Das liegt am Wesen eines Startups und man kann nicht viel daran ändern. Gleichzeitig kann ein Startup an mindestens einem dieser Gründe scheitern. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist relativ hoch. Daher braucht man auch sehr viele Experimente (sprich, Startups), um wirklich gute Firmen zu bekommen. Es gibt genügend viele Beispiele von erfolgreichen Unternehmen, deren Gründer zu irgendeinem Zeitpunkt für Startups gearbeitet haben, die kläglich gescheitert sind. Daher halte ich von der Kritik, dass Startups nur Eintagsfliegen sind, nicht sehr viel. Man braucht sie, um ein gesundes Ökosystem zu kreieren und aufrecht zu erhalten.

JS: In der Tat ist es ja weniger eine Kritik, sondern vielmehr eine Tatsache, dass es weniger Startups gibt, die dauerhaft erfolgreich sind als solche, die sich nicht am Markt etablieren. Ich denke, das liegt in der Natur von Innovation. Eine innovative Technologie oder ein innovatives Produkt kann ganze Industrien oder Märkte verändern. Aber: Dieser potenziell große Erfolg ist auch an ein hohes Risiko und eine relativ kleine Erfolgsrate gekoppelt. Im SAP Innovation Center Network rechnen wir damit, dass nur zehn Prozent aller angestoßenen Projekte schlussendlich erfolgreich werden. Wenn wir das schaffen, sind wir gut unterwegs. Wir müssen uns eher von der Erwartungshaltung verabschieden, dass alles, was wir probieren, auch zwangsläufig zu einem Erfolg wird.

Was die Förderung anbelangt sind wir sowohl in Unternehmen als auch im universitären Umfeld immer besser aufgestellt. Innovationsmanagement hat sich als eigene Disziplin etabliert und bietet hervorragende Rahmen und Tools für verschiedene Arten von Innovation – sei sie nun inkrementell oder transformativ. Um diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, setzen wir bei SAP auf verschiedene Vehikel wie etwa externe Acceleratoren, interne Intrapreneurship-Programme oder aber eben dedizierte Entwicklungseinheiten wie das SAP Innovation Center Network.

Wie lange hat es gedauert, Herr Shokrollahi, bis Sie wussten, dass sie mit Ihrer Idee an den Markt gehen wollen? Hatten Sie Zweifel? Gab es einen entscheidenden Moment?

AS: Als ich die ursprüngliche technische Idee für Kandou hatte, war meine erste Reaktion, diese als Patent zu vermarkten. Ich wusste, zu was die Technologie fähig wäre und wie sie den Markt beeinflussen könnte, daher hatte ich keine Zweifel an der Vermarktung der Technologie. Ich hatte aber gerade meine Arbeit in einem anderen Startup (Digital Fountain) abgeschlossen, da sie von Qualcomm aufgekauft worden war, und ich hatte nicht wirklich Kraft für eine weitere solche Reise. Ich habe nach der Einreichung des ersten Patentantrags meinen Freund Steve Papa aufgesucht, den ich für einen der besten Produktmanager der Welt halte. Er hat die Problematik sofort verstanden und mir geraten, eine Firma zu gründen, weil ich sonst nicht den vollen Wert der Erfindung ausschöpfen könnte. Kurze Zeit danach hat er seine Firma, die er 11 Jahr zuvor gegründet hatte, für 1.1 Milliarden Dollar an Oracle verkauft und dann auch gleich 10 Millionen Dollar in Kandou investiert. Der Rest ist Geschichte.

Herr Schaffner, was sind Ihrer Meinung nach entscheidende Faktoren für ein kreatives und innovatives Umfeld? – was macht das SAP ICN anders als andere Großkonzerne?

JS: Ein kreatives und innovatives Umfeld zeichnet sich weniger durch solche Dinge wie flexible Trennwände in Großraumbüros oder Kicker-Tische aus, sondern vielmehr durch das Mindset, das in einer Organisation gelebt wird. Das ist aus meiner Sicht gekennzeichnet durch Freiheit und Mut. Wir räumen unseren Teams im ICN die Freiheit ein, selbständig Ideen für neue Projekte beizutragen und diese auch über Team-, Standort- oder Ländergrenzen hinweg voranzutreiben. Wir geben Ihnen dazu natürlich einen inhaltlichen Rahmen vor und haben auch Deliverables nach bestimmten Zeitabschnitten definiert. Feste Fokus-Bereiche dienen als strategische Leitplanken und geben den Teams Orientierung. Welchem konkreten Projekt sie sich aber widmen wollen und wie sie es bearbeiten, bleibt den Teams überlassen. Das erfordert natürlich auch den Mut, sich unkonventioneller Themen anzunehmen und diese zu verfolgen, aber auch die Courage sich selbst einzugestehen, dass ein Projekt nicht den gewünschten Verlauf genommen hat und das Thema zu stoppen.

Dabei hilft es uns natürlich, dass wir mit circa 300 Kollegen an acht Standorten weltweit nicht nur vergleichsweise starke Entwicklungskapazitäten haben, sondern auch Spezialisten, die sich mit Business Development, Design oder Marketing befassen. Ich bin der festen Ansicht, dass es nicht genügt, nur „Facilitator“ zu sein und methodisch zu unterstützen, um als Innovation Center nachhaltig Erfolg zu haben. Unser großes Plus ist, dass wir neue Projekte im Idealfall von der Idee bis zur Produktisierung eigenständig vorantreiben können.

Herr Shokrollahi, worauf haben Sie als Gründer bei Entscheidungen mehr gehört? – auf Ihr Bauchgefühl oder auf die Ratschläge erfahrener Berater?

AM: Interessante Frage. Da ich mich im Bereich Elektronik überhaupt nicht auskannte, als ich die Firma gründete, habe ich mich immer von anderen Leuten technisch beraten lassen. Da ich den Markt auch nicht kannte, verließ ich mich bei geschäftlichen Fragen auch auf den Rat von Experten, denen ich vertraue. Die letzte Entscheidung habe ich dann basierend auf diesen Meinungen getroffen. Dabei habe ich mich in einigen Fällen, wo die Meinungen in der Firma auseinander gingen, auf mein eigenes Gefühl und meine Analyse verlassen. Diese Art der Führung habe ich über die Jahre beibehalten. Entscheidungen dauern ein wenig länger, sind aber dann auch viel robuster. Gleichzeitig finde ich es aber auch sehr wichtig, ab und zu ein Machtwort zu sprechen, damit keine Endlosdiskussionen entstehen. Die Idee, dass man keine Fehler machen darf, sollte man sofort unterdrücken. Entscheidungsfehler sind gang und gäbe und nur so lernt man, voranzukommen.

Herr Schaffner, sie waren selbst mal Gründer von „Schaffner Internet Services“? Was würden Sie sagen, was ihre drei wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit für Sie persönlich sind?

JS: Da haben Sie hervorragend recherchiert. Diese Firmengründung war allerdings mehr der rechtlich notwendige Rahmen, um als Freelancer unter anderem Unternehmen bei der Implementierung von CMS-Systemen zu unterstützen. Ich war damals 17 Jahre alt und noch Schüler. Ich kann mich noch gut erinnern, was es für einen Aufwand bedeutete, diese Firma anzumelden und auf welche verwunderten Reaktionen ich dabei gestoßen bin. Heutzutage sind 17-Jährige, die ein Unternehmen gründen keine Rarität mehr. Auch bezugnehmend auf ihre erste Frage kann man hier also wunderbar sehen, dass die Nachhaltigkeit der Innovations- und Startup-Förderung auch darin besteht, dass Innovation und Unternehmertum mittlerweile einen anderen Stellenwert haben. Daher sollten sich Wirtschaft, Forschung und Politik auch weiterhin gemeinsam um immer bessere Rahmenbedingungen für Innovatoren bemühen.

HIGHEST / mm

 

Jan Schaffner

Jan lebt in Berlin, ist begeisterter Radfahrer und hat eine Leidenschaft für guten Kaffee.

Und außerdem…

Jan Schaffner leitet das SAP Innovation Center Network (ICN).

Das SAP Innovation Center wurde 2011 in Potsdam gegründet und hat sich von dort aus zu einem globalen Netzwerk mit Standorten unter anderem im Silicon Valley, Israel oder Singapur entwickelt. Das Team hat die Aufgabe, einflussreiche neue Technologien zu erforschen und zu entwickeln, die in der Zukunft transformatives Wachstum für SAP generieren können.

Dazu arbeiten interdisziplinäre Teams aus Entwicklern, Designern und Produktexperten eng mit führenden Forschungseinrichtungen, Kunden und Partnern zusammen.

Jan Schaffner begann seine Karriere 2006 bei SAP. Seitdem war er in mehrere Positionen im Bereich Produkte & Innovation in leitender Funktion tätig. Er hat am Lehrstuhl von Prof. Plattner am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam promoviert und ist eines der Gründungsmitglieder des Forschungsprojektes, aus dem die Datenbank-Technologie SAP HANA hervorgegangen ist.

 

Amin Shokrollahi

Amin ist Mathematiker mit umfangreichem Hintergrund in der IT-Theorie und Coding-basierter Signalisierungstechnik. Er führt seit 2003 den Lehrstuhl für Algorithmics im Fachbereich Informatik am École polytechnique fédérale de Lausanne.

Und außerdem…

Amin Shokrollahi hat sein 2011 gegründetes Unternehmen Kandou Bus bis heute durch Seedfinanzierungen in Höhe von insgesamt 45 Millionen Dollar geführt.

Unter seiner Leitung hat das Unternehmen wettbewerbsfähige und innovative Lösungen für die dringendsten Bedürfnisse der Halbleiterindustrie entwickelt. Das Unternehmen gilt als Pionier in der Entwicklung der weltweit leistungsstärksten und energieärmsten SerDes-Technologien. Diese Chipverbindungstechnologien ermöglichen schnellere und energieeffizientere Verbindungen mit geringerem Platzbedarf als andere Technologien. Führende Halbleiterunternehmen, nutzen Kandou, um höhere Rechenleistung in einem kleineren Formfaktor bei geringeren Kosten und weniger Energieverbrauch zu liefern.