Speaker_2018

Speaker 2018

Jan Schaffner
Jan Schaffner
Amin Shokrollahi
Amin Shokrollahi

Unsere Speaker im Interview

Was halten Sie von der Kritik, dass viele der Startups, die aktuell entstehen zu häufig nur Eintagsfliegen sind? – ist die Idee der Innovations- und Startup-Förderung in Unternehmen oder an Universitäten dennoch nachhaltig?

AS: Für mich ist ein Startup ein Experiment: Funktioniert die Idee technisch wie auch geschäftlich? Ist der Markt offen für das Produkt? Kann man ein Team zusammensetzen, das die Idee auch in Produkte umsetzt? Werde ich dafür genug Geld haben? usw. Das liegt am Wesen eines Startups und man kann nicht viel daran ändern. Gleichzeitig kann ein Startup an mindestens einem dieser Gründe scheitern. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist relativ hoch. Daher braucht man auch sehr viele Experimente (sprich, Startups), um wirklich gute Firmen zu bekommen. Es gibt genügend viele Beispiele von erfolgreichen Unternehmen, deren Gründer zu irgendeinem Zeitpunkt für Startups gearbeitet haben, die kläglich gescheitert sind. Daher halte ich von der Kritik, dass Startups nur Eintagsfliegen sind, nicht sehr viel. Man braucht sie, um ein gesundes Ökosystem zu kreieren und aufrecht zu erhalten.

JS: In der Tat ist es ja weniger eine Kritik, sondern vielmehr eine Tatsache, dass es weniger Startups gibt, die dauerhaft erfolgreich sind als solche, die sich nicht am Markt etablieren. Ich denke, das liegt in der Natur von Innovation. Eine innovative Technologie oder ein innovatives Produkt kann ganze Industrien oder Märkte verändern. Aber: Dieser potenziell große Erfolg ist auch an ein hohes Risiko und eine relativ kleine Erfolgsrate gekoppelt. Im SAP Innovation Center Network rechnen wir damit, dass nur zehn Prozent aller angestoßenen Projekte schlussendlich erfolgreich werden. Wenn wir das schaffen, sind wir gut unterwegs. Wir müssen uns eher von der Erwartungshaltung verabschieden, dass alles, was wir probieren, auch zwangsläufig zu einem Erfolg wird.

Was die Förderung anbelangt sind wir sowohl in Unternehmen als auch im universitären Umfeld immer besser aufgestellt. Innovationsmanagement hat sich als eigene Disziplin etabliert und bietet hervorragende Rahmen und Tools für verschiedene Arten von Innovation – sei sie nun inkrementell oder transformativ. Um diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, setzen wir bei SAP auf verschiedene Vehikel wie etwa externe Acceleratoren, interne Intrapreneurship-Programme oder aber eben dedizierte Entwicklungseinheiten wie das SAP Innovation Center Network.

Wie lange hat es gedauert, Herr Shokrollahi, bis Sie wussten, dass sie mit Ihrer Idee an den Markt gehen wollen? Hatten Sie Zweifel? Gab es einen entscheidenden Moment?

AS: Als ich die ursprüngliche technische Idee für Kandou hatte, war meine erste Reaktion, diese als Patent zu vermarkten. Ich wusste, zu was die Technologie fähig wäre und wie sie den Markt beeinflussen könnte, daher hatte ich keine Zweifel an der Vermarktung der Technologie. Ich hatte aber gerade meine Arbeit in einem anderen Startup (Digital Fountain) abgeschlossen, da sie von Qualcomm aufgekauft worden war, und ich hatte nicht wirklich Kraft für eine weitere solche Reise. Ich habe nach der Einreichung des ersten Patentantrags meinen Freund Steve Papa aufgesucht, den ich für einen der besten Produktmanager der Welt halte. Er hat die Problematik sofort verstanden und mir geraten, eine Firma zu gründen, weil ich sonst nicht den vollen Wert der Erfindung ausschöpfen könnte. Kurze Zeit danach hat er seine Firma, die er 11 Jahr zuvor gegründet hatte, für 1.1 Milliarden Dollar an Oracle verkauft und dann auch gleich 10 Millionen Dollar in Kandou investiert. Der Rest ist Geschichte.

Herr Schaffner, was sind Ihrer Meinung nach entscheidende Faktoren für ein kreatives und innovatives Umfeld? – was macht das SAP ICN anders als andere Großkonzerne?

JS: Ein kreatives und innovatives Umfeld zeichnet sich weniger durch solche Dinge wie flexible Trennwände in Großraumbüros oder Kicker-Tische aus, sondern vielmehr durch das Mindset, das in einer Organisation gelebt wird. Das ist aus meiner Sicht gekennzeichnet durch Freiheit und Mut. Wir räumen unseren Teams im ICN die Freiheit ein, selbständig Ideen für neue Projekte beizutragen und diese auch über Team-, Standort- oder Ländergrenzen hinweg voranzutreiben. Wir geben Ihnen dazu natürlich einen inhaltlichen Rahmen vor und haben auch Deliverables nach bestimmten Zeitabschnitten definiert. Feste Fokus-Bereiche dienen als strategische Leitplanken und geben den Teams Orientierung. Welchem konkreten Projekt sie sich aber widmen wollen und wie sie es bearbeiten, bleibt den Teams überlassen. Das erfordert natürlich auch den Mut, sich unkonventioneller Themen anzunehmen und diese zu verfolgen, aber auch die Courage sich selbst einzugestehen, dass ein Projekt nicht den gewünschten Verlauf genommen hat und das Thema zu stoppen.

Dabei hilft es uns natürlich, dass wir mit circa 300 Kollegen an acht Standorten weltweit nicht nur vergleichsweise starke Entwicklungskapazitäten haben, sondern auch Spezialisten, die sich mit Business Development, Design oder Marketing befassen. Ich bin der festen Ansicht, dass es nicht genügt, nur „Facilitator“ zu sein und methodisch zu unterstützen, um als Innovation Center nachhaltig Erfolg zu haben. Unser großes Plus ist, dass wir neue Projekte im Idealfall von der Idee bis zur Produktisierung eigenständig vorantreiben können.

Herr Shokrollahi, worauf haben Sie als Gründer bei Entscheidungen mehr gehört? – auf Ihr Bauchgefühl oder auf die Ratschläge erfahrener Berater?

AM: Interessante Frage. Da ich mich im Bereich Elektronik überhaupt nicht auskannte, als ich die Firma gründete, habe ich mich immer von anderen Leuten technisch beraten lassen. Da ich den Markt auch nicht kannte, verließ ich mich bei geschäftlichen Fragen auch auf den Rat von Experten, denen ich vertraue. Die letzte Entscheidung habe ich dann basierend auf diesen Meinungen getroffen. Dabei habe ich mich in einigen Fällen, wo die Meinungen in der Firma auseinander gingen, auf mein eigenes Gefühl und meine Analyse verlassen. Diese Art der Führung habe ich über die Jahre beibehalten. Entscheidungen dauern ein wenig länger, sind aber dann auch viel robuster. Gleichzeitig finde ich es aber auch sehr wichtig, ab und zu ein Machtwort zu sprechen, damit keine Endlosdiskussionen entstehen. Die Idee, dass man keine Fehler machen darf, sollte man sofort unterdrücken. Entscheidungsfehler sind gang und gäbe und nur so lernt man, voranzukommen.

Herr Schaffner, sie waren selbst mal Gründer von „Schaffner Internet Services“? Was würden Sie sagen, was ihre drei wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit für Sie persönlich sind?

JS: Da haben Sie hervorragend recherchiert. Diese Firmengründung war allerdings mehr der rechtlich notwendige Rahmen, um als Freelancer unter anderem Unternehmen bei der Implementierung von CMS-Systemen zu unterstützen. Ich war damals 17 Jahre alt und noch Schüler. Ich kann mich noch gut erinnern, was es für einen Aufwand bedeutete, diese Firma anzumelden und auf welche verwunderten Reaktionen ich dabei gestoßen bin. Heutzutage sind 17-Jährige, die ein Unternehmen gründen keine Rarität mehr. Auch bezugnehmend auf ihre erste Frage kann man hier also wunderbar sehen, dass die Nachhaltigkeit der Innovations- und Startup-Förderung auch darin besteht, dass Innovation und Unternehmertum mittlerweile einen anderen Stellenwert haben. Daher sollten sich Wirtschaft, Forschung und Politik auch weiterhin gemeinsam um immer bessere Rahmenbedingungen für Innovatoren bemühen.

HIGHEST / mm

 

Jan Schaffner

Jan lebt in Berlin, ist begeisterter Radfahrer und hat eine Leidenschaft für guten Kaffee.

Und außerdem…

Jan Schaffner leitet das SAP Innovation Center Network (ICN).

Das SAP Innovation Center wurde 2011 in Potsdam gegründet und hat sich von dort aus zu einem globalen Netzwerk mit Standorten unter anderem im Silicon Valley, Israel oder Singapur entwickelt. Das Team hat die Aufgabe, einflussreiche neue Technologien zu erforschen und zu entwickeln, die in der Zukunft transformatives Wachstum für SAP generieren können.

Dazu arbeiten interdisziplinäre Teams aus Entwicklern, Designern und Produktexperten eng mit führenden Forschungseinrichtungen, Kunden und Partnern zusammen.

Jan Schaffner begann seine Karriere 2006 bei SAP. Seitdem war er in mehrere Positionen im Bereich Produkte & Innovation in leitender Funktion tätig. Er hat am Lehrstuhl von Prof. Plattner am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam promoviert und ist eines der Gründungsmitglieder des Forschungsprojektes, aus dem die Datenbank-Technologie SAP HANA hervorgegangen ist.

 

Amin Shokrollahi

Amin ist Mathematiker mit umfangreichem Hintergrund in der IT-Theorie und Coding-basierter Signalisierungstechnik. Er führt seit 2003 den Lehrstuhl für Algorithmics im Fachbereich Informatik am École polytechnique fédérale de Lausanne.

Und außerdem…

Amin Shokrollahi hat sein 2011 gegründetes Unternehmen Kandou Bus bis heute durch Seedfinanzierungen in Höhe von insgesamt 45 Millionen Dollar geführt.

Unter seiner Leitung hat das Unternehmen wettbewerbsfähige und innovative Lösungen für die dringendsten Bedürfnisse der Halbleiterindustrie entwickelt. Das Unternehmen gilt als Pionier in der Entwicklung der weltweit leistungsstärksten und energieärmsten SerDes-Technologien. Diese Chipverbindungstechnologien ermöglichen schnellere und energieeffizientere Verbindungen mit geringerem Platzbedarf als andere Technologien. Führende Halbleiterunternehmen, nutzen Kandou, um höhere Rechenleistung in einem kleineren Formfaktor bei geringeren Kosten und weniger Energieverbrauch zu liefern.