Angstfrei

Angstfrei.

Rasmus Søndergaard Johannsen und Lydia Balke sind die Preisträger der Preise der Darmstädter Sezession für junge Künstler*innen 2017

Der mit 5.000 € dotierte Hauptpreis der Darmstädter Sezession für junge Künstler*innen 2017 geht an Rasmus Søndergaard Johannsen. Er überzeugte die Jury mit seiner dreiteiligen Arbeit „Lineated luminary“ (2017). Der 1982 in Brovst, Dänemark geborene Johannsen lebt und arbeitet in Berlin. Er war 2013-2014 Meisterschüler von Peter Fischli an der Städelschule Frankfurt und hat ebenda von 2008-2013 bei Simon Starling studiert.

Die Jury hat ihre Entscheidung folgendermaßen begründet: Das im Wettbewerb gezeigte Werk überzeugt durch die Stringenz einer streng konzeptionellen Vorgehensweise, die aber in seiner Ausformulierung zu einer reichen Sinnlichkeit findet. Es ist schlüssig bezogen auf Phänomene der Natur, deren Materialien und Prozesse. Zudem beeindruckte die Komplexität, Beharrlichkeit und entschleunigende Gründlichkeit des Herstellungsprozesses, die sich einer schnellen Vereinnahmung des kommerziellen Kunstbetriebs widersetzen und mit dieser künstlerischen Haltung auch schon das Thema der Ausstellung „Angstfrei.“ treffend und überzeugend repräsentieren.

Der mit 2.500 € dotierte Förderpreis geht an Lydia Balke. Ihre eingereichte Arbeit „Im Fuchsbau kotzt sich die Taubheit noch selber an“ (2016) überzeugte die Jury aus folgenden Gründen: „Ihre Welt ist brutal, monströs und gemein. Vergeblich sucht der Betrachter Tröstliches. Wir werden vielmehr unausweichlich auf das gestoßen, was der Mangel an Solidarität und Empathie in einem von Neoliberalismus bestimmten Klima auf der Strecke lässt. Die Arbeit „Im Fuchsbau kotzt sich die Taubheit noch selber an“ ist voller Einsamkeit, Tristesse und Verwundung. Die beinahe sakrale Anmutung unterstreicht gleichsam aber auch das Nichtvorhandensein von Angst in dieser eigentlich elenden Situation. Schonungslos und mit nach außen gekehrter Verletzlichkeit schleudert die Künstlerin uns ihre Wahrheit entgegen, und trifft, weil wir sie kennen. Nur geben wir ihr ungern Raum und reagieren zunächst mit Abwehr. Es liegt dennoch kein Betroffenheitskitsch oder Weinerlichkeit in Lydia Balkes Malerei.

„Die radikalen Künstler Darmstadts haben sich zu einer Sezession zusammengeschlossen, haben die längst erforderliche Reinigung von bourgoiser Verschmutzung vollzogen“ mit diesen Worten wurde 1919 die Darmstädter Sezession von Carl Gunschmann und Kasimir Edschmid gegründet und angedenk dieser Haltung vergeben wir den diesjährigen Förderpreis an Lydia Balke.“ (Auszug aus der Laudatio von Inez Gengelbach, Geschäftsführerin Darmstädter Sezession)

Lydia Balke ist 1987 in Dresden geboren. Sie lebt in Hamburg, wo sie bis 2015 an der Hochschule für Bildende Künste studiert hat.