TRUTHS

3. Juni bis 11. Juli 2027   Vernissage: 2. Juni 2027, 18:00 Uhr   Im Rahmen von RAY – Triennale der Fotografie Frankfurt RheinMain 2027 Eine Kooperation mit dem Mixer Kollektiv Frankfurt

Mit: Markus Kaesler, Siniša Lordan im Kunstforum der TU Darmstadt & Greta Fey und Christiane Rath im Mixer Kollektiv Frankfurt.

Die Ausstellung wird kuratiert von Michaela Schrabeck.

Die Duo-Ausstellung zur RAY – Triennale der Fotografie 2027 widmet sich der grundlegenden Frage: Was ist wahr?

Was ist Wahrheit in einer Zeit, in der Bilder unendlich reproduzierbar, manipulierbar und kontextabhängig geworden sind? Die Installation »Wahrheit« des kroatischen Künstlers Siniša Lordan (*1959 in Šibenik, Kroatien) nimmt diese zentrale Frage der Gegenwartskultur auf und macht sie räumlich, körperlich und visuell erfahrbar, unter anderem mit einer »atmenden« Leinwand, auf der von Zeit zu Zeit der Begriff »Wahrheit« geisterhaft erscheint. Siniša Lordan formuliert mit verschiedenen Medien so einen prägnanten, poetischen Beitrag zur Frage, wie Fotografie heute Realität abbildet, konstruiert und speichert. Die Arbeit macht sichtbar, dass jede Behauptung von Wahrheit im Bild an Bedingungen geknüpft ist – an Technik, Medium, Blickwinkel und soziale Praxis. Indem die Installation die Besucher:innen zu Mitautor:innen eines wachsenden Bildarchivs macht, zeigt sie Wahrheit zugleich als etwas, das zwischen uns entsteht: im geteilten Raum, im Blick auf das Bild, im Akt des Datierens und Aufhängens, im Bewusstsein, dass jede Spur zugleich Dokument und Setzung ist.

Für die Installation »mare nostrum« ließ Markus Kaesler (*1977 in Essen) selbstgebaute Lochkameras drei bis fünf Minuten auf dem Mittelmeer treiben – ungefähr jene Zeitspanne, die vergehen kann, bis ein Mensch ertrinkt. Die Installation besteht aus 2.749 Fotografien. Die Zahl entspricht der durchschnittlichen Anzahl an Menschen, die in den Jahren 2019 bis 2023 jährlich bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben sind. Wasser, Licht, Wellen und Bewegung prägen jedes Bild auf eine andere Weise. Wieder entsteht ein Werk, dessen Erscheinung nicht allein vom Künstler bestimmt wird, sondern ebenso vom Material, vom Ort und von den äußeren Bedingungen.

Mit dem als Cyanotypie (Blaudruck) bezeichneten Verfahren erzeugt Markus Kaesler Abzüge in intensiven Blautönen, die er mit Mittelmeerwasser entwickelt. Auf den einzelnen Blättern entstehen durch die Lichtreflexe abstrakt wirkende Muster. Das Meer ist in »mare nostrum« damit nicht nur das Motiv der Arbeit, sondern es wird zeitgleich zum Material, zum Aufnahmeort und zum politischen Raum. Die Fotografien entstehen unmittelbar in jenem Gewässer, auf das sich das Werk inhaltlich bezieht. (zitiert aus »Hinter den Kulissen – ein Gespräch mit Markus Kaesler« der Stuttgarter Staatsgalerie, wo der Künstler noch bis zum 13. September 2026 in der Ausstellung »Unordnung« zu sehen ist).

Siniša Lordan und Markus Kaesler treten mit ihren unterschiedlichen Positionen an gegen die formbaren Oberflächen heutiger Fotos: mit jenen Momenten, in denen Wirklichkeit als physische, zeitgebundene Erfahrung in Erscheinung tritt; und wo Fotografie zum Abdruck einer realen Zeitspanne wird.

In »THIS IS WHERE …« versammeln sich zwei fotografische Positionen, die auf je eigene Weise von persönlicher Wahrheit und Realität, Erinnerung und Lebensspuren erzählen. Greta Fay, derzeit Studentin in Mainz, zeigt farbige, unmittelbare Eindrücke von Orten, an denen für sie persönlich bedeutsame Momente stattfanden: offen, humorvoll und manchmal provokant (z. B.: »This Is Where I Lost My Virginity«). Ihre Fotografien strahlen Lebensfreude, Intimität und Selbstfindung aus und stellen persönliche Wahrheiten als lebendige, erzählerische Orte dar; wobei ihre Inszenierungen (z. B. Sand in der Ausstellung) verstärkend wirken.

Dem gegenüber stehen die ruhigen Schwarzweiß-Aufnahmen von Christiane Rath: die Wohnung eines verstorbenen Nachbarn, der 35 Jahre im selben Haus lebte. Raths Bilder sind stille, berührende Dokumente der letzten Lebensstation eines Menschen, einer Welt, die »zu groß« geworden ist. Die Serie arbeitet mit Abwesenheit, Spuren und der Melancholie des Alltags und öffnet Räume für Nachdenken über Vergänglichkeit und Erinnerung.

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