Klima- und Biodiversitätskrise abwenden – global und/oder lokal?

Eine spannende Podiumsdiskussion im Rahmen der Public Climate School

18.12.2025

Wie stark darf der Mensch die Natur belasten – und welche Verantwortung tragen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für eine lebenswerte Zukunft? Diese Fragen standen im Zentrum der Podiumsdiskussion, die die vielfältigen und teils dramatischen Folgen menschlicher Eingriffe in Klima und Ökosysteme beleuchtete. Deutlich wurde, dass die Klima- und Biodiversitätskrise längst keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr sind, sondern bereits heute Millionen von Menschenleben kosten und globale Ungleichheiten verschärfen. Die Diskussion machte zugleich klar: Technische Lösungen allein reichen nicht aus. Notwendig sind tiefgreifende politische Weichenstellungen, ein verändertes Konsumverhalten und ein stärkeres Zusammenspiel von Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik – auf kommunaler wie globaler Ebene.

Der hohe Preis unseres Konsums im globalen Süden

Bei der Podiumsdiskussion stand die Frage im Mittelpunkt, wie stark menschliche Aktivitäten Natur und Klima belasten – und welche politischen wie gesellschaftlichen Veränderungen nötig sind. Die Teilnehmenden betonten, dass der Mensch häufig zu sehr auf seine eigenen Interessen und zu wenig auf die der Natur blickt. Die Folgen sind gravierend: Jährlich sterben rund 2,5 Millionen Menschen an Lungenkrankheiten, deren Ursache fossile Verbrennung ist. Und etwa 500.000 Menschen sterben darüberhinaus an Hitzefolgen. Erschreckend genug, diese Zahlen liegen deutlich über der durch Kriege verursachten Todesopfer.

Besonders bedroht sind zentrale Ökosysteme wie tropische Regenwälder, in denen ein Großteil der weltweiten Artenvielfalt beheimatet ist. Während die Klimakrise sichtbar wird, schreitet die Biodiversitätskrise leiser, aber nicht minder gefährlich voran.

Grünräume als Lebensretter: Städte im Klimastresstest

Grünräume wurden als unverzichtbare „Schwämme“ hervorgehoben: Sie kühlen Städte, speichern Wasser und schaffen lebenswerte Umgebungen. Gleichzeitig wurde klar benannt, dass der weiterhin steigende Ressourcenverbrauch des globalen Nordens massive Schäden in Herkunftsländern wie Brasilien verursacht – von Abholzung und Verlust von Ernährungssouveränität über unbewohnbare, sogenannte „Opferzonen“ bis hin zu steigender Kindersterblichkeit.

Politisch brauche es einen Mix aus Verboten und Regulierung, ökonomischen Anreizen und starkem Druck aus der Gesellschaft. Manche politischen Maßnahmen funktionieren bereits, wenn man etwa den Ausbau erneuerbaren Energien betrachtet. Für die Biodiversitätskrise gebe es allerdings keine technische Lösung – Fläche bleibt der entscheidende Faktor. Der globale Norden importiert de facto riesige Flächen für seinen Konsum und trägt damit wesentlich zur Zerstörung von Ökosystemen im Süden bei.

Zivilgesellschaft als Motor politischer Veränderung

Zivile Initiativen spielen eine wichtige Rolle, um politischen Druck aufzubauen, jedoch brauche es Druck aus allen Richtungen. Beispiele aus Darmstadt – etwa der Radentscheid oder der ausgerufene Klimanotstand – haben positive Impulse in der Verwaltung gesetzt. Gleichzeitig geraten freiwillige Aufgaben in Kommunen schnell unter Druck, wenn Haushaltsmittel fehlen. Denn die Themen Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität sind weiterhin keine Pflichtaufgaben für Kommunen. Deshalb ist für das Vorankommen nach wie vor entscheidend, welche Priorität de Themen vor Ort zugeschrieben wird. Die Verwaltung und zivilgesellschaftliche Initiativen müssten daher eng zusammenarbeiten.

Ein spannender Aspekt war der Vergleich zu indigenen Perspektiven, in denen die Natur als Teil der eigenen Familie gilt. Der im globalen Norden definierte Begriff von „Entwicklung“ sei für viele Regionen des globalen Südens sogar zerstörerisch („Des-Arroyo“). Der Konflikt zwischen indigener Nachhaltigkeit und globalisierter Wirtschaft existiert nicht nur zwischen Nord und Süd, sondern auch innerhalb einzelner Staaten.

Vom Fußabdruck zum Handabdruck: Wege in eine gerechte Transformation

Für eine gelingende Transformation müsse Konsumverhalten hinterfragt, der ökologische Fußabdruck massiv reduziert und der sogenannte „Handabdruck“ – also sichtbar positives Engagement – gestärkt werden. Kommunen benötigen dafür verlässliche Rahmenbedingungen: weniger Individualisierung der Verantwortung, ein erneuertes wirtschaftliches Modell, das die Preisgestaltung anhand ökologischen Auswirkungen stärker in Preisen abbilden.

Nach einer erfolgreichen PCS im November 2025 stehen bereits die Termine für die nächsten Aktionswochen im Jahr 2026 fest. Zur Zeit sind wir in Abstimmung – denn eines ist klar, wir würden das gerne fortsetzen!

Wer steckt hinter der Public Climate School (PCS)

Erfahren Siemehr zur Aktionswoche „Public Climate School“ (wird in neuem Tab geöffnet).

Die Aktionswoche „Public Climate School“ (wird in neuem Tab geöffnet) wurde 2019 von den Students for Future ins Leben gerufen. Seit 2022 übernimmt der gemeinnützige Verein Klimabildung e.V. (wird in neuem Tab geöffnet) die Hauptorganisation. Sie findet jährlich in Kooperation mit Universitäten, Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen statt. Für die erfolgreiche Umsetzung wurde das Team bereits u.a. mit der Nationalen Auszeichnung Bildung für nachhaltige Entwicklung gewürdigt.

Unterstützung für die Public Climate School 2025 an der TU Darmstadt erhält das Team rund um das Büro für Nachhaltigkeit neben dem Klimabildung e.V. von der Hochschulgruppe Nachhaltigkeit (wird in neuem Tab geöffnet) der TUDa.