Eine Orgel für unser Schloss

Eine neue Schlossorgel für Darmstadt

Dr. Manfred Efinger, Bild: Felipe Fernandes
Dr. Manfred Efinger, Bild: Felipe Fernandes

Liebe Freunde der TU Darmstadt,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die TU Darmstadt saniert das Schloss im Herzen unserer Stadt. Mit dem Besitz eines solchen architektonischen Wahrzeichens geht eine große Verantwortung einher, auch gegenüber Ihnen, den Darmstädter Bürgerinnen und Bürgern. Auch Sie sollen teilhaben an diesem historischen Schatz.

Es ist mir daher ein persönliches Anliegen, dass – wie bereits unser Schlossgarten – auch das Residenzschloss nach dessen Sanierung wieder für Sie offen steht. Ab 2020 werden Sie Gelegenheit haben, Veranstaltungen im Schloss zu besuchen – insbesondere im „Kirchenbau“, der ehemaligen Schlosskirche, die für Familienfeiern, Konzerte oder Lesungen zur Verfügung stehen wird. In der Darmstädter Brandnacht 1944 wurde dieser wunderbare Raum samt seiner Orgel zerstört.

Im Rahmen der Sanierung soll der Raum daher auch wieder eine Orgel erhalten, idealerweise ein Original-Instrument aus dem 19. Jahrhundert. Dazu sind wir jedoch auf Spenden angewiesen, denn für den Transport und die fachgerechte Restaurierung der musikhistorischen Rarität benötigen wir ca. 220.000 Euro. Dabei bitte ich Sie um Ihre Unterstützung.

Ich freue mich auf Ihr Engagement!

Ihr Dr. Manfred Efinger
Kanzler der TU Darmstadt

 

Historie – Das Residenzschloss und seine Orgeln

Die Schlosskirche nach dem Umbau durch Georg Moller 1841-43, vor ihrem erneuten Umbau 1891, Quelle: Stadtarchiv Darmstadt
Die Schlosskirche nach dem Umbau durch Georg Moller 1841-43, vor ihrem erneuten Umbau 1891, Quelle: Stadtarchiv Darmstadt

Das bauliche Ensemble des ehemaligen Darmstädter Residenzschlosses besteht aus vielfältigen Gebäuden. Im Laufe seiner bewegten über 600-jährigen Baugeschichte hat es sich von einer bescheidenen Wasserburg der Grafen zu Katzenelnbogen zu einer stadtbildprägenden Anlage entwickelt. Bereits 1377 wurde die Burgkapelle der mittelalterlichen Wasserburg geweiht, jedoch knapp 200 Jahre später im Schmalkaldischen Krieg zerstört.

Im Zuge des umfassenden Wiederaufbaus und Ausbaus des Schlosses im 16. Jahrhundert entstand 1597 die Schlosskirche des Darmstädter Residenzschlosses, die zu den frühesten protestantischen Kirchenbauten in Hessen zählt. Aufgrund von Bauschäden wurde sie zwischen 1841 und 1843 unter Hofbaumeister Georg Moller noch einmal einschneidend verändert.

Die Existenz einer Orgel ist erstmals 1587 belegt. Seitdem gehörte eine Orgel in die Darmstädter Schlosskirche. 1623 wurde eine neue Orgel von Adam Knauth aufgestellt, welche sich heute in der Kirche von Worfelden bei Büttelborn befindet. Anlässlich der Berufung des Komponisten Christoph Graupner nach Darmstadt wurde 1711 eigens eine Orgel von Meister Christian Vater aus Hannover gefertigt. Zuletzt zierte eine Orgel von E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg von 1878 den Raum.

In der Darmstädter Brandnacht 1944 wurde der Kirchenbau samt seiner Orgel zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Teil des Schlosses in vereinfachter Form wiederhergestellt und ab Mitte der 1960er Jahre als Kirche der evangelischen Hochschulgemeinde genutzt. Die bereits bestellte Orgel wurde allerdings nie in die ehemalige Schlosskirche verbracht. Ab 1970 diente der Kirchenbau ausschließlich als Büchermagazin. Seitdem fehlt eine Orgel.

Im Zuge der Grundsanierung des Kirchenbaus reifte die Idee, diesen Raum für festliche und kulturelle Veranstaltungen zu öffnen, entsprechend herzurichten und auch endlich wieder mit einer Orgel zu vervollständigen. Knapp 200 Personen können dort auf 192 Quadratmeter Fläche zusammenkommen. Für Konzerte bietet der Raum bis zu 150 Sitzplätze.

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Eine historische Orgel ohne Domizil

Foto der historischen Orgel in der ehemaligen Lonsinger Dorfkirche St. Johann, Urheber nicht ermittelbar
Foto der historischen Orgel in der ehemaligen Lonsinger Dorfkirche St. Johann, Urheber nicht ermittelbar

Ein passendes Instrument für den neuen Veranstaltungssaal ist mit der Orgel der ehemaligen Dorfkirche Lonsingens (heute ein Ortsteil von St. Johann im Kirchenbezirk Urach) bereits gefunden. 1883 von Orgelbau C. L. Goll in Kirchheim unter Teck im neogotischen Stil erbaut, ist sie nur fünf Jahre jünger als Darmstadts letzte Schlossorgel.

Ihr derzeitiger Besitzer, Joachim Wilhelmy, hatte die Goll-Orgel vor 45 Jahren quasi „von der Straße geholt“, als die alte Dorfkirche einer Ortsdurchfahrt weichen musste. In Einzelteile zerlegt transportierte Wilhelmy das historische Instrument auf dem Dachträger seines Autos und brachte es in einem Schuppen unter, wo es bei Studentenpartys seinen Zweck erfüllte. Nach Jahren der Renovierung und Wartung installierte der Orgelfreund die Lonsinger Orgel zuletzt im heimischen Wohnzimmer, wobei er sie an die veränderten Aufstellbedingungen anpasste. Zudem ergänzte er sie um eine zweite Orgel, ein eigenständiges Rückpositiv der Orgelbaufirma Braun, welches die musikalischen Möglichkeiten über das Spielen romantischer Kompositionen hinaus beträchtlich erweiterte.

Altersbedingt möchte Wilhelmy seine beiden Orgeln nun wieder einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dafür sollen diese mit Ihrer Hilfe nun fachgerecht restauriert werden. Insbesondere die Originalsubstanz der Hauptorgel soll erhalten und gestärkt werden, als interessantes klangliches und mechanisches Zeugnis süddeutschen Orgelbaus aus der Zeit der Romantik.

Dr. Manfred Efinger resümiert: „Mit den zu restaurierenden Orgeln von Herrn Wilhelmy entsteht etwas Einzigartiges an der TU: Mit den beiden Orgeln kann eine große Bandbreite an musikalischen Werken in einem äußerst beeindruckenden Raum gespielt werden. Dies ist auch musikwissenschaftlich höchst interessant und passt sehr gut zum wissenschaftlichen Anspruch unserer Universität“

Unser neues Spendenprojekt – Daten und Fakten

  • Baujahr: 1883 / Sanierung und Erweiterung : 1980er
  • Hersteller: C. L. Goll in Kirchheim unter Teck / Orgelbau Braun
  • Aufbau: Die ursprünglich einmanualige Kegelladen-Orgel besteht heute aus einer historischen Hauptorgel und einem neu gebauten Rückpositiv aus Nadelholz: Der Prospekt ist von Zinnen bekrönt, gliedert sich in fünf Flachfelder mit je fünf Pfeifen, die beiden äußeren bilden rechteckige Türme.
  • Besonderheit: In ihrem historischen Kern ein Werk aus der Reifezeit von Christoph Ludwig Goll, bildet die Orgel ein interessantes klangliches und mechanisches Zeugnis süddeutschen Orgelbaus aus der Zeit der Romantik. Sowohl Hauptorgel als auch ihre Erweiterung werden nun derart restauriert, dass sowohl romantische als auch barocke Stücke gespielt werden können.

Kosten für Transport und Restaurierung: ca. 220.000,- Euro