Bringen Sie das Schloss zum Klingen

Bringen Sie das Schloss zum Klingen

Bilder Schloss: Thomas Ott / TU Darmstadt, Bild Schlossgraben verwildert: Irmela Löw / Die Baurunde, Collage Mareile Vogler

Dr. Manfred Efinger, Bild: Felipe Fernandes
Dr. Manfred Efinger, Bild: Felipe Fernandes

Liebe Freunde der TU Darmstadt, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die TU Darmstadt saniert das Schloss im Herzen unserer Stadt. Mit dem Besitz eines solchen architektonischen Wahrzeichens geht eine große Verantwortung einher, auch gegenüber Ihnen, den Darmstädter Bürgerinnen und Bürgern. Auch Sie sollen teilhaben an diesem historischen Schatz.

Es ist mir daher ein persönliches Anliegen, dass – wie bereits unser Schlossgarten – auch das Residenzschloss wieder für Sie offen steht. Als Höhepunkt der Sanierung möchten wir daher die ehemalige Schlosskirche in einen besonderen Raum für alle Darmstädter umwandeln, z.B. für Familienfeiern, Konzerte oder Lesungen. In Anlehnung an seine Vergangenheit soll der Raum auch wieder eine Orgel erhalten. Dafür bitte ich Sie um Ihre Unterstützung.

Bild: Theo Bender / TU Darmstadt
Bild: Theo Bender / TU Darmstadt

Bitte schenken Sie uns:

  • Ihre Gedanken – Sagen Sie uns, wozu Sie die ehemalige Schlosskirche nutzen würden!
  • Ihre Zeit – Nehmen Sie an Führungen teil zum Thema „Musik im Darmstädter Schloss“!
    Angedacht sind Führungen ab März 2019 zu:
    Der Glockenturm und seine Glocken
    Musik im Schloss – ein historischer Überblick
    Die Musik Graupners am Darmstädter Hof
    Zur Anmeldung
  • Ihre Spende – für die Restaurierung einer musikhistorischen Rarität. Benötigt werden insgesamt: 220.000,- EURO

Ich freue mich auf Ihr Engagement!

Ihr Dr. Manfred Efinger
Kanzler der TU Darmstadt

 

Historie – Der Kirchenbau und seine Orgeln

Die Schlosskirche nach dem Umbau durch Georg Moller 1841-43, vor ihrem erneuten Umbau 1891, Quelle: Stadtarchiv Darmstadt
Die Schlosskirche nach dem Umbau durch Georg Moller 1841-43, vor ihrem erneuten Umbau 1891, Quelle: Stadtarchiv Darmstadt

Das bauliche Ensemble des ehemaligen Darmstädter Residenzschlosses besteht aus vielfältigen Gebäuden. Im Laufe seiner bewegten über 600-jährigen Baugeschichte hat es sich von einer bescheidenen Wasserburg der Grafen zu Katzenelnbogen zu einer stadtbildprägenden Anlage entwickelt. Bereits 1377 wurde die Burgkapelle der mittelalterlichen Wasserburg geweiht, jedoch knapp 200 Jahre später im Schmalkaldischen Krieg zerstört.

Im Zuge des umfassenden Wiederaufbaus und Ausbaus des Schlosses im 16. Jahrhundert entstand 1597 die Schlosskirche des Darmstädter Residenzschlosses, die zu den frühesten protestantischen Kirchenbauten in Hessen zählt. Noch vor ihrer Fertigstellung wurde dort eine erhielt sie ihre Orgel, die oberhalb von Altar und Kanzel und so im direkten Blickfeld der Gemeinde positioniert war.

Seitdem gehörte eine Orgel in die Darmstädter Schlosskirche. 1623 wurde eine neue Orgel von Adam Knauth aufgestellt, welche sich heute in der Kirche von Worfelden bei Büttelborn befindet. Anlässlich der Berufung des Komponisten Christoph Graupner nach Darmstadt wurde 1711 eigens eine Orgel von Meister Christian Vater aus Hannover gefertigt. Zuletzt zierte eine Orgel von E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg von 1878 den Raum.

Die Schlosskirche wurde aufgrund von Bauschäden zwischen 1841 und 1843 unter Hofbaumeister Georg Moller noch einmal einschneidend verändert. In der Darmstädter Brandnacht 1944 wurde der Kirchenbau samt seiner Orgel zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Teil des Schlosses in vereinfachter Form wiederhergestellt und ab Mitte der 1960er Jahre als Kirche der evangelischen Hochschulgemeinde genutzt. Die bereits bestellte Orgel wurde allerdings nie in die ehemalige Schlosskirche verbracht. Ab 1970 diente der Kirchenbau ausschließlich als Büchermagazin. Seitdem fehlt eine Orgel.

Im Zuge der Grundsanierung des Kirchenbaus reifte die Idee, diesen Raum für festliche und kulturelle Veranstaltungen zu öffnen, entsprechend herzurichten und auch endlich wieder mit einer Orgel zu vervollständigen. Knapp 200 Personen können dort auf 192 Quadratmeter Fläche zusammenkommen. Für Konzerte bietet der Raum bis zu 150 Sitzplätze.

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Eine historische Orgel ohne Domizil

Foto der historischen Orgel in der ehemaligen Lonsinger Dorfkirche St. Johann, Urheber nicht ermittelbar
Foto der historischen Orgel in der ehemaligen Lonsinger Dorfkirche St. Johann, Urheber nicht ermittelbar

Ein passendes Instrument für den neuen Veranstaltungssaal ist mit der Orgel der ehemaligen Dorfkirche Lonsingens (heute ein Ortsteil von St. Johann im Kirchenbezirk Urach) bereits gefunden. 1883 von Orgelbau C. L. Goll in Kirchheim unter Teck im neogotischen Stil erbaut, ist sie nur fünf Jahre jünger als Darmstadts letzte Schlossorgel.

Ihr derzeitiger Besitzer, Joachim Wilhelmy, hatte die Goll-Orgel vor 45 Jahren quasi „von der Straße geholt“, als die alte Dorfkirche einer Ortsdurchfahrt weichen musste. In Einzelteile zerlegt transportierte Wilhelmy das historische Instrument auf dem Dachträger seines Autos und brachte es in einem Schuppen unter, wo es bei Studentenpartys seinen Zweck erfüllte. Nach Jahren der Renovierung und Wartung installierte der Orgelfreund die Lonsinger Orgel zuletzt im heimischen Wohnzimmer, wobei er sie an die veränderten Aufstellbedingungen anpasste. Zudem ergänzte er sie um eine zweite Orgel, ein eigenständiges Rückpositiv der Orgelbaufirma Braun, welches die musikalischen Möglichkeiten über das Spielen romantischer Kompositionen hinaus beträchtlich erweiterte.

Altersbedingt möchte Wilhelmy seine beiden Orgeln nun wieder einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dafür sollen diese mit Ihrer Hilfe nun fachgerecht restauriert werden. Insbesondere die Originalsubstanz der Hauptorgel soll erhalten und gestärkt werden, als interessantes klangliches und mechanisches Zeugnis süddeutschen Orgelbaus aus der Zeit der Romantik.

Dr. Manfred Efinger resümiert: „Mit den zu restaurierenden Orgeln von Herrn Wilhelmy entsteht etwas Einzigartiges an der TU: Mit den beiden Orgeln kann eine große Bandbreite an musikalischen Werken in einem äußerst beeindruckenden Raum gespielt werden. Dies ist auch musikwissenschaftlich höchst interessant und passt sehr gut zum wissenschaftlichen Anspruch unserer Universität“

Unser neues Spendenprojekt – Daten und Fakten

  • Baujahr: 1883 / Sanierung und Erweiterung : 1980er
  • Hersteller: C. L. Goll in Kirchheim unter Teck / Orgelbau Braun
  • Aufbau: Die ursprünglich einmanualige Kegelladen-Orgel besteht heute aus einer historischen Hauptorgel und einem neu gebauten Rückpositiv aus Nadelholz: Der Prospekt ist von Zinnen bekrönt, gliedert sich in fünf Flachfelder mit je fünf Pfeifen, die beiden äußeren bilden rechteckige Türme.
  • Besonderheit:
    • Romantische Goll-Orgel: Einmanualige Hauptorgel aus der Reifezeit von Christoph Ludwig Goll. Hierbei handelt es sich um ein interessantes klangliches und mechanisches Zeugnis süddeutschen Orgelbaus aus der Zeit der Romantik.
    • „Barocke Wilhelmy-Orgel": Erweiterung um ein eigenständiges Rückpositiv.

    Sowohl die Hauptorgel als auch ihre Erweiterung werden nun derart restauriert, dass sowohl romantische als auch barocke Stücke gespielt werden können.

Kosten für Transport und Restaurierung: ca. 220.000,- Euro