Vom Nobelpreis inspiriert

05.07.2018

Vom Nobelpreis inspiriert

Vor Ort bei der 68. Lindauer Nobelpreisträgertagung

Bei der Lindauer Tagung trafen dieses Jahr 39 Nobelpreisträgerinnen und -träger auf gut 600 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Eine Studentin und ein Doktorand waren für die TU bei dieser besonderen Veranstaltung dabei und berichten über ihre ganz persönlichen Eindrücke und Erlebnisse.

Selfie mit einer Teilnehmerin und einem Teilnehmer der Lindauer Nobelpreisträgertagung. Bild: privat
Bild: privat

Educate. Inspire. Connect – dies ist der Titel des alljährlich stattfindenden Nobelpreisträgertreffens im beschaulichen Lindau am Bodensee. Zugleich stellt dieser Titel aber auch eine präzise Zusammenfassung dessen dar, was wir auf diesem Treffen erfahren durften. Wir, Ann Schirin Mirsanaye und Oliver Rauh, durften uns glücklich schätzen, die TU Darmstadt in Lindau vertreten und Teil dieser weltweit einmaligen und in vielerlei Hinsicht verrückten Veranstaltung sein zu dürfen. Hier trafen 600 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus 84 Nationen auf nicht weniger als 39 Nobelpreisträgerinnen und -träger aus den Disziplinen Medizin, Chemie und Physik.

Dass wir beide für das diesjährige Treffen ausgewählt wurden, erfuhren wir im März. Möglich wurde dieses Erlebnis mit der finanziellen Unterstützung unterschiedlicher privater und bundesweiter Stiftungen, in unserem Fall die Dieter-Schwarz-Stiftung. Die Tagung fand an verschiedenen Veranstaltungsorten auf der kleinen, nahe dem östlichen Bodenseeufer gelegenen und von mittelalterlichen Fachwerkhäusern geprägten Insel Lindau statt – eine einzigartige Veranstaltung in einer würdigen Atmosphäre.

Agora Talks und Open Discussions

Die Tagung beinhaltete unterschiedliche Formate. Der Morgen begann in der Regel mit Vorträgen der mit dem Nobelpreis Geehrten, die nicht nur den neuesten Stand ihrer Forschung, sondern auch viele persönliche Erlebnisse und Eindrücke mit uns teilten, die ihre wissenschaftliche Laufbahn geprägt haben.

Neben diesen klassischen Vorträgen hatten die Organisatoren mit den sogenannten Agora Talks ein neues Format in das Programm aufgenommen. Im Rahmen dieser, in entspannter Atmosphäre stattfindenden Veranstaltungen, sprachen die Nobelpreisträgerinnen und -träger über ein Thema ihrer Wahl und standen den angehenden Forscherinnen und Forschern anschließend für Fragen jeder Art zur Verfügung. Besonders eindrücklich war der Agora Talk mit dem Chemienobelpreisträger Prof. Peter Agre, der trotz seiner fortgeschrittenen Parkinsonerkrankung auf humorvolle und ungemein inspirierende Weise von seinem Engagement in Afrika und seinem Beitrag zur Bekämpfung der Malaria berichtete.

Die Open Discussions boten die Möglichkeit, mit den Nobelpreisträgerinnen und -trägern ungezwungen über wissenschaftliche, politische oder ganz persönliche Themen zu diskutieren. Der fachspezifische wissenschaftliche Austausch wurde in Master Classes und Poster Sessions ermöglicht. Abgerundet wurde das Programm durch Science Walks, Laureate Lunches, Social Events und Academic Dinners. Hier stand der persönliche Kontakt im Vordergrund und es wurde im wahrsten Sinne über Gott und die Welt geredet.

Unser ganz besonderes Highlight war das Academic Dinner der Dieter-Schwarz-Stiftung, das in einem gemütlichen Restaurant unweit des Lindauer Hafens stattfand. Mit Blick auf den neuen Leuchtturm und den majestätisch die Hafeneinfahrt bewachenden bayerischen Löwen hatten wir angeregte und zugleich anregende Gespräche sowie einen sehr herzlichen Austausch mit Prof. Tomas Lindahl (Nobelpreis für Chemie 2015) und seiner Frau.

Leidenschaftliche Suche nach Antworten

Auch wenn jeder Nobelpreisträger seine ganz eigene Geschichte zu berichten hatte, kristallisierte sich in all den Vorträgen, Diskussionen und persönlichen Gesprächen eine Gemeinsamkeit deutlich heraus: Der Nobelpreis war nie das erklärte Ziel ihrer wissenschaftlichen Bemühungen, sondern stets eine unerwartete Würdigung für ein leidenschaftliches, engagiertes und unbeirrtes Suchen nach Antworten auf wissenschaftliche Fragen unserer Zeit.

Auf die immer wieder gestellte Frage, weshalb gerade ihnen diese Würdigung zuteilwurde, antworteten die meisten Trägerinnen und Träger: weil sie Glück hatten. Gemeint war nicht der glückliche Zufall, sondern eher das Glück des Tüchtigen. Aber auch das ist viel zu bescheiden.

Denn wie alle Nobelpreisträgerinnen und -träger immer wieder betonten, erfordert wissenschaftlicher Erfolg im Allgemeinen Attribute wie Zielstrebigkeit, Geduld, Frustrationstoleranz, Kooperationsfähigkeit, Spaß am Forschen und einen wachen, offenen Geist. Es gehört aber auch dazu, sich den gesellschaftlichen, ökologischen und humanitären Problemen unserer Zeit nicht zu verschließen, sondern entschlossen Verantwortung zu übernehmen, sei es im Großen oder im Kleinen. Ein in diesem Kontext besonders inspirierendes Erlebnis war die Diskussionsrunde mit Prof. Ada Yonath (Nobelpreisträgerin für Chemie 2009). Ihre ungebrochene Begeisterung für ihr Forschungsgebiet, ihre klare Positionierung gegenüber Diskriminierung jeglicher Art sowie die Unterstützung, die sie jungen Forschenden mit Kindern in ihrer eigenen Arbeitsgruppe am Weizmann-Institut zukommen lässt, hat bei uns einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Zusammenfassend können wir ganz ohne jede Beschönigung sagen, dass uns diese in vielerlei Hinsicht einzigartige Woche in Lindau tatsächlich inspiriert hat und uns noch lange in positiver Weise in Erinnerung bleiben wird. Wir können daher nur jeden ermutigen, der Spaß an der Forschung hat, sich diesen Termin zu merken und sich für die Teilnahme zu bewerben.

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