Konzepte für humanitäre Hilfseinsätze

01.10.2018

Konzepte für humanitäre Hilfseinsätze

Projektwoche mit 130 Wirtschaftsingenieurstudierenden

Beim interdisziplinären Projekt in der Studieneingangsphase der Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen und Soziologie standen die Studierenden vor der Aufgabe, Konzepte für humanitäre Einsätze zu entwickeln. 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konzipierten in Kleingruppen technische Hilfsgeräte, Anleitungen für Do-it-yourself-Produkte und Appentwicklungen.

Präsentation der Konzepte zum Abschluss der Projektwoche. Bild: Jonas Rau
Präsentation der Konzepte zum Abschluss der Projektwoche. Bild: Jonas Rau

Traditionell beherbergt das Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre von Professor Andreas Pfnür am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften das interdisziplinäre Projekt in der Studieneingangsphase. Das Thema des gemeinsam mit Professor Marek Fuchs vom Institut für Soziologie, Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, durchgeführten und von KI²VA unterstützten Projekts lautete „Rettungsmission – Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Studierenden der Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen und Soziologie erarbeiteten in der einwöchigen Veranstaltung Konzepte für humanitäre Hilfe.

Methodisch unterstützt wurden die Studierenden durch den Ansatz Design Thinking, der von Dr. Benjamin Franz, Costum Interactions, vorgestellt wurde. Cadus, eine Hilfsorganisation, die unter anderem im Irak und Syrien humanitäre Hilfseinsätze durchführt, stand mit Rat und Tat zur Seite. Die Hilfsorganisation hat sich auf die Entwicklung von open-source-Projekten zur Selbsthilfe spezialisiert. Besonders motivierend für die Studierenden: Die besten Projekte könnten in die Praxis umgesetzt werden. Prämiert wurden unter anderem ein Tripod mit Flaschenzugmechanismus mit dessen Hilfe Trümmerteile angehoben werden können sowie ein innovatives Zeltkonzept, welches als mobiler OP-Saal in Krisenregionen schnell einsetzbar ist.


Projektbericht von Wirtschaftsingenieurwesen-Student Valentin

Projektarbeit in der Kleingruppe. Bild: Valentin Christ
Projektarbeit in der Kleingruppe. Bild: Valentin Christ

Das interdisziplinäre Studienprojekt der Fachrichtungen Wirtschaftsingenieurwesen und Soziologie beschäftigte sich mit Ideenfindungsprozessen, Teambuilding und interdisziplinären Arbeiten. So soll eine Brücke zum späteren Berufsalltag geschaffen werden. Mit der Entwicklung eines Konzepts zur Katastrophenbewältigung in weniger entwickelten Ländern soll in weitestgehender Eigenregie am Ende ein innovatives Produkt in der Abschlusspräsentation der Jury vorgestellt werden.

Unter dem Thema „Rettungsmission: Hilfe zur Selbsthilfe“ wurde die Hilfsorganisation Cadus vorgestellt, welche mit ihrem Fachwissen dem Projekt beistand. Mit der Aussicht, dass die besten Konzepte später in die Praxis umgesetzt werden könnten und nach der Einleitung in die Methode des Design Thinking durch den Experten Dr. Benjamin Franz von Custominteractions, ging die Projektarbeit in Kleingruppen auch schon los.

Nachdem das erste Kennenlernen und der Austausch über strukturiertes und effektives Zusammenarbeiten abgeschlossen waren, wurde sich mit der gestellten Aufgabe befasst. Angeleitet durch die Teamtutorin wurde die Projektarbeit regelmäßig reflektiert und mit neuen Methoden erweitert.

Der Tag war grob in vier Blöcke gegliedert. Am Morgen fanden ein Rückblick und die Planung des Tages, eine anschließende Arbeitsphase und das Zusammentragen vom Vormittag statt. Nach der Mittagspause wurden die Ideen weiter verdichtet und die Planung des weiteren Vorgehens besprochen. Abschließend wurden der aktuelle Stand, die Ideen und Probleme vor dem Fachtutor und der Partnergruppe präsentiert und kritisch reflextiert.

Zur Mitte der Projektwoche fand die Motivation und das Engagement einen temporären Tiefpunkt, der durch die sich häufenden Probleme und auseinandergehenden Meinungen in der Gruppe verursacht wurde. Nachdem am Mittwoch die Ideen vor ausgewählten Experten aus verschiedenen Bereichen dargestellt wurden, änderte sich die Stimmung schlagartig. In den Experteninterviews war es den Gruppen möglich, ihre Konzepte den jeweiligen Experten aus den Bereichen Soziologie, Technik, Unternehmenspraxis und aus der Sicht eines Helfers, der vor Ort war, bewerten und kritisieren zu lassen.

Gestärkt ging das Projekt in die letzte Phase über, es wurden Teile des Konzepts verworfen, abgeändert und hinzugefügt, die noch aus dem Input der Experteninterviews entstanden sind.

In großen Schritten ging es auf die Präsentation zu, es wurde mit vielen verschiedenen Methoden gearbeitet. Die Arbeit teilte man sich in Kleingruppen auf, es wurde regelmäßig über das weitere Vorgehen abgestimmt, um das Konzept zu formen. Des Weiteren musste es regelmäßig der Kritik des Fachtutors und der Partnergruppe standhalten.

Verhältnismäßig viel Zeit wurde für das Wie der Präsentation verwendet, es wurde an der Visualisierung des Prototypen, den Detailfragen und den Präsentationsmethoden gearbeitet. Es wurden Probepräsentationen gehalten und die entstandenen Probleme gelöst.

Nun war die Gruppe bereit ihr Produkt vor einer kritischen Jury zu präsentieren und auf eine Woche intensiven Arbeitens zurückzublicken.

Projektbericht von Wirtschaftsingenieurwesen-Student Moritz

In diesem Semester fand unter dem Motto „Rettungsmission: Hilfe zur Selbsthilfe“ die interdisziplinäre Wi/KI²VA-Studienprojektwoche statt.

Organisiert vom Fachgebiet Immobilienwirtschaft und BauBWL, dem Institut für Soziologie und der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle (HDA), entwickelten insgesamt 125 Studierende aus den Fachbereichen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften Konzepte für die Katastrophenbewältigung in einem weniger entwickelten Land.

In den letzten Jahrzehnten haben Naturkatastrophen aufgrund des Klimawandels stark zugenommen. So haben sich die Schäden durch Naturereignisse zwischen 1980 und 2016 verdreifacht. Während hoch entwickelte Länder meist eine gut ausgebildete Infrastruktur und Gelder besitzen, fehlt es weniger entwickelten Ländern häufig an Helferstrukturen und dem Nötigsten. Diese Länder sind auf humanitäre Hilfe durch Hilfsorganisationen angewiesen, um das menschliche Leid in den Katastrophenregionen durch die Bereitstellung von materiellen und logistischen Hilfsmitteln zu mildern.

Die Aufgabe der Studierenden war nun, technische Hilfsmittel für die Hilfsorganisationen bzw. betroffenen Personen zu entwickeln, um Rettungseinsätze zu optimieren. Dabei sollten vor allem die Gegebenheiten in den weniger entwickelten Ländern, wie vorhandene Ressourcen und politische Rahmenbedingungen, berücksichtigt werden.

Dankenswerterweise hat sich die Hilfsorganisation CADUS e.V. bereiterklärt, das Wi/KI²VA-Projekt zu unterstützen. CADUS hilft Menschen in Krisenregionen wie dem Irak oder Syrien zusammen mit lokalen Helfern vor allem durch medizinische Versorgung vor Ort und sucht stets nach innovativen Ideen und Möglichkeiten, um die Hilfe vor Ort zu verbessern. Mit ihrer Expertise und Erfahrungswissen konnte sie den Studierenden in Expertengesprächen nützliche Tipps geben.

Zur kreativen Ideenfindung und Lösung der Aufgabenstellung orientierten sich die Studierenden an dem Design-Thinking-Ansatz, welcher ihnen durch den Geschäftsführer von Custom Interactions Dr. Benjamin Franz näher gebracht wurde.

Dabei sollten in den ersten zwei Schritten ein gemeinsames Verständnis für die Aufgabenstellung aufgebaut und durch intensive Recherche spezifische Problemfelder identifiziert werden. Während des dritten Schrittes, der Synthese, wurden die gewonnen Erkenntnisse zusammengetragen und hieraus eine Persona entwickelt, aus der sich der typische Bedarf von Hilfsorganisationen bzw. Betroffenen in Krisenregionen ableiten lässt.

Ausgehend von der Bedarfsanalyse wurden durch den Einsatz von Kreativtechniken so viele Ideen wie möglich gesammelt und anschließend selektiert. Dabei wurden für die vielversprechendsten Ideen Prototypen angefertigt, getestet und in einem iterativen Verbesserungsverfahren stetig weiterentwickelt.

Auf der Abschlussveranstaltung der Projektwoche stellten die insgesamt zwölf Gruppen ihre Konzepte vor, welche von einer vierköpfigen Jury schwerpunktmäßig nach Innovativität, Kreativität und Umsetzbarkeit bewertet wurden.

Durch die offene Aufgabenstellung gab es eine große Bandbreite von Ideen. Neben technischen Produkten und DIY-Projekte wurden Smartphone-Applikationen zur logistischen Unterstützung vorgestellt.

Beeindruckend ist, dass innerhalb von vier Tagen Studierende in Teams aus verschiedenen Fachgebieten innovative und umsetzbare Ideen entwickelt haben – eine bereichernde Erfahrung für alle Teilnehmer.

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