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2019/01/17

Offen, neugierig und kontaktfreudig

Das Exchange Network Darmstadt engagiert sich für internationale Studierende

Städtetrips, Pubquiz, Stammtisch – solche Events sind bereits fester Bestandteil im Programm der jungen Hochschulgruppe Exchange Network Darmstadt. Für das neue Jahr sprudelt es nur so an Ideen, was man noch alles mit internationalen Studierenden zusammen erleben möchte: International Dinner, Trip nach Straßburg oder eine Winterwanderung.

Gruppenbild mit Mitgliedern der Hochschulgruppe Exchange Network Darmstadt in Straßburg. – © END
Städtetrips, etwa nach Straßburg, sind fester Bestandteil des Programms. Bild: END

Die Notwendigkeit für eine Hochschulgruppe, die Austauschstudierende über das ganze Semester hinweg unterstützt, sah Ann-Kathrin Henkel, die Gruppensprecherin des Exchange Network Darmstadt (END), nachdem sie selbst als Erasmus-Studentin zehn Monate in Finnland verbracht hatte. Dort trat sie einer Erasmus Student Network-Sektion an ihrer Gastuniversität bei und plante Veranstaltungen für internationale Studierende mit. Ann-Kathrins Beweggrund: Sie wollte nicht nur mit Austauschstudierenden zusammen sein, sondern auch Einheimische kennenlernen.

Das Erasmus Student Network (ESN) ist eine internationale studentische Organisation, die internationale Studierende repräsentiert. ESN ist Mitglied im European Youth Forum und hat im Bereich der Bildungs- und Hochschulpolitik einen Teilnahmestatus im Europarat. Auf lokaler Ebene ist die Organisation durch einzelne Sektionen an den Universitäten und Hochschulen vertreten. Dort übernehmen ESN-Sektionen die Betreuung von internationalen Studierenden, fördern den Austausch zwischen Einheimischen und Austauschstudierenden und informieren interessierte Studierende über das Studium im Ausland. In Darmstadt gibt es derzeit noch keine ESN-Sektion, dies soll sich im Laufe des Jahres aber ändern.

„Diese Lücke wollten wir füllen“

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland hat sich Ann-Kathrin als Tutorin bei den International Student Services engagiert und bei der Orientierungshilfe für Austauschstudierende an der TU Darmstadt mitgearbeitet. Allerdings fielen die meisten Veranstaltungen für internationale Studierende auf den Semesteranfang – im restlichen Semester fanden nur wenige Angebote statt. Ann-Kathrin berichtet von den Gesprächen mit den Austauschstudierenden, welche dadurch hochkamen, wie etwa: „Eigentlich ist es ganz cool hier, aber es gibt nicht so viel!“ „Diese Lücke wollten wir füllen, indem wir Veranstaltungen übers ganze Semester anbieten“, sagt Vinzent Bock, der sich ebenfalls als Tutor engagiert hat und nun beim Erasmus Network Darmstadt mitmacht.

Zuerst war nur ein Pubquiz geplant, das sehr gut ankam. „Es war super voll: Kein Stuhl war mehr frei“, sagt Ann-Kathrin Henkel. Sie freut sich sehr über den Erfolg: „Seitdem wird es immer mehr. Wir werden immer größer!“ Vor rund drei Monaten wurde dann das Exchange Network Darmstadt (END) gegründet. Der offizielle Name „Erasmus Student Network“ darf erst übernommen werden, wenn die Darmstädter Gruppensprecher zweimal an einem deutschlandweiten ESN-Treffen teilgenommen haben.

Die Studierenden hoffen, dass sie ab Juni 2019 ESN heißen dürfen. Den wesentlichen Vorteil von der Mitgliedschaft im ESN-Verein sehen sie darin, dass man von ausländischen Studierenden wiedererkannt wird und dass man dadurch automatisch Kooperationspartner erhält.

Große Resonanz

Mitglieder des Exchange Network Darmstadt beim Pub-Quiz. – © END
Mit einem Pubquiz ging es los. Bild: END

Bis jetzt seien alle Veranstaltungen des END erfolgreich gewesen, erklärt Vinzent Bock. Je nach Attraktivität des Angebots nehmen etwa 20 bis 100 Studierende teil. Viele Veranstaltungen finden ohne Voranmeldung statt und können dadurch frei besucht werden. Deswegen bleibe es, so Vinzent, immer überraschend, wie eine Veranstaltung ankomme.

„Zurzeit ist fast jedes Event das erste seiner Art. Ab jetzt können wir Erfahrungen sammeln“, fügt Patrick Peeck, einer der END-Organisatoren und Gruppensprecher hinzu. Einige Angebote wie Pubquiz, Stammtisch und Städtetrips wurden bereits wiederholt und sind jetzt festes Programm, welches auf der END-Facebook-Seite zu finden ist. Durch die sich regelmäßig wiederholenden Veranstaltungen wollen die Organisatoren eine gewisse Tradition aufbauen, die von Austauschstudierenden an andere Austauschstudierende weitergegeben wird.

Für das Frühjahr ist auch eine Veranstaltung geplant, bei der sich Outgoing-Studierende mit Incoming-Studierenden treffen und miteinander austauschen können. Studierende, die an einem Austauschprogramm teilnehmen möchten, erhalten von den internationalen Studierenden dann nützliche Informationen vom Land, in dem sie ihren Aufenthalt planen.

Den Kontakt zu deutschen Studierenden erleichtern

Patrick Peeck betont ein weiteres Ziel, das der END-Gruppe sehr wichtig ist: Austauschstudierende selbst in die END-Hochschulgruppe zu integrieren, damit sie Veranstaltungen mitorganisieren und somit ihre Auslandserfahrungen erweitern. Er erinnert sich an seine Zeit als Austauschstudierender in Finnland und die Schwierigkeit mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. „Ich habe fast keine Einheimischen kennengelernt“, sagt Patrick. Eine ähnliche Situation sieht er in Deutschland: „Wenn man mit den Austauschstudierenden spricht, erfährt man, dass sie fast nur miteinander unterwegs sind.“ Durch die Integration in die END-Gruppe erhalten internationale Studierende die Möglichkeit, andere Deutsche kennenzulernen. Für die Gruppe ist es meistens auch von Vorteil, da diese Leute neue Event-Ideen von ihren heimischen ESN-Sektionen mitbringen und von ihren Strukturen erzählen.

Patrick nennt als Beispiel Andrea Zangrallo, einen Elektrotechnik-Studenten aus Italien, der seit zwei Monaten in Deutschland ist und bei der END aktiv mitwirkt. Andrea gefällt es in Deutschland. Er findet es nur schade, dass es zu wenige Möglichkeiten gab, Leute aus anderen Studiengängen kennenzulernen. An der END-Gruppe sieht er gleichzeitig zwei Vorteile: „Erstens kannst Du andere Austauschstudierende kennenlernen. Zweitens kannst Du deutsche Leute kennenlernen, ihr Leben, wie sie sind“, erklärt er in einem ziemlich fließenden Deutsch und entschuldigt sich dabei für die Fehler.

„Wir wollen alle Austauschstudierenden in Darmstadt zusammenbringen“

Die Offenheit für alle Auslandsstudierenden in Darmstadt, egal ob sie von der TU oder einer der beiden Hochschulen kommen, ist das A und O für die END-Gruppe. „Wir versuchen vom Anfang an klar zu machen: Wir sind eine Plattform, zu der alle eingeladen sind und wo sich die Studierenden von den anderen Unis treffen und einander kennenlernen können“, erklärt Vinzent Bock. Diese Möglichkeit wird auch gern genutzt. Konstantinos Tsourakis kommt aus Griechenland und ist seit Oktober in Deutschland. Nach seiner Ankunft in Deutschland fühlte er sich einsam. Durch das END fand er neue Freunde.

Auch Tyler Ronken, Maschinenbaustudent aus den USA, freut sich bei den Veranstaltun-gen Leute aus unterschiedlichen Ländern kennenzulernen und ist dem Netzwerk für diese Möglichkeit dankbar. Johann Thoreux, Informatikstudent aus Frankreich, hat ebenso durch END viele Kontakte geknüpft. „Man kommt zu einer Veranstaltung und man trifft Menschen. Man sollte nur dabei nicht schüchtern sein. Aber meistens trifft man freundliche und zuvorkommende Menschen“, erklärt Johann auf Englisch. Diese Offenheit für alle Studierenden wird auch von den Darmstädter Studierenden geschätzt. Paulina Müller gefällt es, dass alle zum END kommen dürfen und aufgenommen werden. „Das kann man mitnehmen, auch wenn man hier neu wohnt“, sagt sie, „weil man am Anfang keinen kennt.“

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