„Wie in der Werbung!“

Die Hochschulgruppe UniFotoClub übt sich in Splash Photography

29.05.2019

Die Zeit einfrieren, um die Poesie eines Augenblicks auf einer Aufnahme festzuhalten – dazu braucht man eine Idee, eine Kamera mit Stativ, Objekte zum Fotografieren und nicht zuletzt einen Putzlappen. Die Hochschulgruppe UniFotoClub organisiert jeden Monat einen Workshop rund um das Thema Fotografieren. Ein Einblick in den Workshop zum Thema Splash Photography.

In einem Raum im alten Hauptgebäude der TU Darmstadt haben sich einige Mitglieder des UniFotoClubs zu einem Workshop versammelt. Diesmal geht es um Splash Photography. Das heißt, es wird versucht, die Spritzer und Tropfen von unterschiedlichen Flüssigkeiten einzufangen und auf einem Bild festzuhalten. Auf den Tischen stehen und liegen bereits diverse Gefäße, Obst, Kekse, Milch, eine Flasche Wein und ein Trichter. Die Teilnehmenden packen noch ihre Kameras, Stative, Reflektoren und Blitzgeräte dazu.

Robin Scheich, Computational-Engineering-Student und Gruppensprecher, erzählt, dass sich die Gruppe von Foto-Interessierten bereits seit sechs Jahren zum gemeinsamen Fotografieren und Bilderanschauen trifft. Die anfangs spontanen, meist über Facebook organisierten Verabredungen wurden allmählich zu regelmäßigen monatlichen Treffen. „Wir haben einige experimentelle Sachen ausprobiert: Porträts, Landschaft, Architektur, Stadtfotografie“, erzählt Robin.

Während Robin noch den Ablaufplan für den Workshop an die Tafel schreibt, erzählt Alexander Sauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Stromrichtertechnik und Antriebsregelung, wie alles angefangen hat: „Wir haben Kameras und Blitze genommen, sind ins Parkhaus beim Staatstheater gegangen und haben mit Porträts und Licht experimentiert.“

Es gab auch spektakuläre Projekte, bei denen BMX-Fahrer im Skatepark hinter dem Jugendstilbad sowie Mountainbiker in der Nähe der Burg Frankenstein fotografiert wurden. Viviane Seidel, Studentin des Computational Engineering, erinnert sich noch an das Powder Shooting: „Man sieht jetzt häufig in der Werbung, wie Menschen mit dem bunten Puder beworfen werden. Wir haben mit Mehl und bunten Blitzen gearbeitet.“ Außerdem erzählt Viviane über das Projekt im Stil der Levitation Photography, bei dem die Gegenstände zu schweben scheinen.

Milch, Wasser, Wein

Höchste Konzententration gefragt: Die Mitglieder UniFotoClubs beim Fotografieren. Bild: Olga Fachinger

Zurück zum Workshop: Pünktlich um 10.30 Uhr fängt Robin mit dem theoretischen Teil an. Er fragt nach Ideenvorschlägen zum heutigen Thema. Die Teilnehmer würden gern mit ins Wasser fallendem Obst, mit in Milch fallenden Keksen und Schokolade sowie mit einfachen Wassertropfen und Farbfiltern experimentieren. Robin möchte ausprobieren, wie der Wein aus einem Glas mit einem großen Schwung heraus schwappt.

Robin erklärt die Kameraeinstellungen und das Problem der Bildsynchronzeit, was die kürzeste wählbare Belichtungszeit bedeutet, bei der der Verschluss einer Fotokamera kurzzeitig vollständig geöffnet ist und das Licht eines Fotoblitzes den Bildsensor vollständig beleuchten kann. Bei einem Schlitzverschluss führt eine zu kurz gewählte Verschlusszeit dann dazu, dass der Bildsensor vom Verschluss abgeschattet wird. Außerdem ist es wichtig, das Umgebungslicht zu reduzieren, denn es kann Bewegungsunschärfen und Geisterbilder verursachen.

Oliver Zang studierte bis Anfang der 2000er-Jahre Architektur an der TU Darmstadt und ist seit zwei Jahren beim UniFotoClub mit dabei. „Ich denke, ich kann jungen Leuten beibringen, was ich an Erfahrungen gesammelt habe“, sagt er und freut sich, dass so viele Studierende an der Fotografie interessiert sind.

Die Teilnehmer teilen sich in drei Gruppen, die jeweils an einem Setup arbeiten: Milch, Wasser, Wein. Jedoch vermischen sich die Gruppen mit der Zeit, denn der Eifer, alles selbst auszuprobieren oder zumindest dabei zu sein, ist groß: Es wird den anderen über die Schulter geschaut, mitgefiebert, Ratschläge gegeben, was man selbst bereits ausprobiert und was besser funktioniert hat. Zum Beispiel: Wie hält man drei Früchtescheiben in einer Hand, damit sie alle beim Hineinfallen ins Wasser auf dem Bild zu sehen sind? Oder: Von welcher Höhe sollte man eine Kiwihälfte fallen lassen? Wenn eine Aufnahme besonders gut gelungen ist, hört man häufig: „Wie in der Werbung!“ Es scheint, dass man sich hier mit Profis messen kann.

Eine Gruppe versucht am Anfang Schokoladenstückchen oder Cookies in dem Augenblick festzuhalten, wenn sie die Milchoberfläche in einer schlichten weißen Tasse vor dem schwarzen Hintergrund des Reflektors erreichen und die ersten Milchtropfen in die Luft steigen. Für ein besseres Ergebnis müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst den Keks fallen lassen und den Auslöser drücken. Das richtige Timing erweist sich hier als das Schwierigste.

Später steigt die Gruppe auch auf Wasser und Früchte um. Durch die Transparenz des Wassers entstehen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern andere Inspirationen und neue effektvolle Bilder. Die andere Gruppe möchte Wein in ein Weinglas eingießen, um die Welle und den Schweif an Tropfen auf einem Bild einzufrieren. Geübt wird zuerst mit dem Wasser: Es wird aus einem Trichter gegossen, damit der Strahl gleichmäßig ist – ganz schön aufwändig, weil man das Loch vom Trichter mit dem eigenen Daumen zudrücken muss, bevor man es im richtigen Moment öffnet. Nach ein paar Versuchen wird das Glas mithilfe eines Schraubstocks in einem passenden Winkel befestigt. Die Blitzgeräte werden in die durchsichtige Folie eingepackt, um sie vor der Flüssigkeit zu schützen. Nach jedem Versuch müssen Pfützen aufgewischt werden.

Besonders aufwändig wird es beim Eingießen von Wein, weil man dabei noch Weinflecken auf der eigenen Kleidung vermeiden möchte. Mit den entstandenen Bildern sind die jungen Fotografinnen und Fotografen aber zufrieden.

Hochgeschwindigkeitsfotografie mit Wein. Bild: UniFotoClub Darmstadt

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