TraceCORONA-App analysiert Kontakte völlig anonym

CYSEC und Partner arbeiten an einer Pandemie-Rückverfolgung

14.04.2020

Das Team des Sicherheits-Labs des Profilbereichs Cybersicherheit (CYSEC) an der TU Darmstadt arbeitet gemeinsam mit dem Industriepartner KOBIL und Teilförderer INTEL sowie der kalifornischen Universität UC San Diego an einem Pandemie-Rückverfolgungs- und Informationssystem. Mit der völlig anonymen Kontaktverfolgung sollen Infektionsketten durchbrochen werden. Das System hat derzeit Europa und die USA im Blick.

Verursacht durch Coronavirus SARS-CoV-2 verbreitet sich die COVID-19 Krankheit insbesondere durch direkten Kontakt zwischen Personen. Die Gesundheitsbehörden stehen dabei vor der Herausforderung, Infektionsketten zu identifizieren und zu isolieren, um eine weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Das Problem: Kontaktinformationen, die von infizierten Personen freiwillig bereitgestellt werden, sind in der Regel unvollständig beziehungsweise ungenau, eine Rückverfolgung muss von Behörden unter enormem Arbeitsaufwand für jeden Einzelfall rekonstruiert werden. Aus oftmals berechtigter Sorge vor Datenschutzrichtlinien während und nach der Pandemie hält dieser Vorgang der rasanten Ausbreitung des Virus in vielen Ländern nicht Schritt.

Die Verwendung fortschrittlicher digitaler Tracing-Apps auf Mobilgeräten kann dazu beitragen, den manuellen Aufwand zu reduzieren und die Tracing-Genauigkeit erheblich zu erhöhen. Dies wurde bereits in Asien (z. B. Singapur, China, Korea) erfolgreich gezeigt. Allerdings sammeln diese Rückverfolgungstechnologien hochsensible Daten von Einzelpersonen. Datenschutz und Privatsphäre, insbesondere in Bezug auf medizinische Daten, sind in Ländern außerhalb Asiens jedoch anders, meist strenger geregelt.

Die integrierte Contact-Tracing-App, eine Open-Source-Software, wird derzeit von einem Team am TU-Profilbereich CYSEC entwickelt und verzichtet dabei vollständig auf die Verwendung persönlicher Daten. Sie arbeitet kontextbasiert, benutzergesteuert und datengeschützt.

Das Wormser Unternehmen KOBIL bietet mit seinem sicheren, software-basierten mPower-System eine Security-Kommunikations-Plattform, die mit der App verknüpft ist. TraceCORONA kann von verschiedenen Interessengruppen wie Patienten, Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Gesundheitsorganisationen, Versicherungen sowie Behörden und Privatnutzenden verwendet werden, teilt das Unternehmen in einer Pressemeldung mit.

Die TraceCORONA-App.

„Die TU Darmstadt arbeitet seit vielen Jahren mit verschiedenen Forschungsgruppen an diversen Sicherheitsprojekten erfolgreich mit KOBIL zusammen“, unterstreicht Professor Ahmad-Reza Sadeghi, Sprecher des CYSEC-Teams an der TU Darmstadt, die langjährige Partnerschaft.

Das System bietet eine Reihe wichtiger Funktionen: Es benachrichtigt Benutzer über Begegnungen mit infizierten Personen und nutzt modernste Sicherheitstechniken, um höchstes Datenschutzniveau zu schaffen, ohne die Wirksamkeit und Genauigkeit des Gesamtsystems zu beeinträchtigen.

Das Besondere an der Contact-Tracing-App: Es müssen keine persönlichen Daten angegeben werden, um die App nutzen zu können. Einzige personenbezogene Information, die von den Nutzerinnen und Nutzern aber freiwillig gegeben werden kann, ist die Angabe der Postleitzahl. Der eingesetzte anonyme Tracing-Ansatz der Forscher der TU Darmstadt stellt zudem sicher, dass die Anonymität und Unverfolgbarkeit von Systemnutzern gewahrt bleiben, falls das Smartphone eines teilnehmenden Benutzers gehackt wird oder ein Benutzer böswillig versucht, falsche Daten zu vermitteln. Die App soll voraussichtlich im Mai für Benutzer aller gängigen Android-Smartphones und iPhones kostenfrei verfügbar sein.

KOBIL/mho

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