Breitband ist für alle da

03.04.2019

Breitband ist für alle da

Professor Ralf Steinmetz zum 5G-Ausbau

Ein schneller Breitbandanschluss ist das Bedürfnis aller: Bürgerinnen und Bürger, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Das Thema soll nicht nur in urbanen, sondern auch in ländlichen Gebieten Priorität haben. Wer den Ausbau nordamerikanischen und asiatischen Unternehmen überlässt, verspielt die eigene Innovationskraft und schafft eine desaströse Situation für den Datenschutz. Die Handlungsmaxime soll nicht Profit, sondern Fairness heißen. Ein Meinungsbeitrag von Ralf Steinmetz, Professor für Multimedia-Kommunikation an der TU Darmstadt.

Professor Ralf Steinmetz. Bild: Katrin Binner
Professor Ralf Steinmetz. Bild: Katrin Binner

Heute ist die Breitbandanbindung ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität eines Standorts geworden. Vor allem die Generation der Digital Natives ist mit einer Mentalität des Nutzens statt des Besitzens aufgewachsen: Streaming über Spotify oder Netflix statt der Besitz von Schallplatten oder einer DVD-Sammlung gehören zum Alltag.

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist der bisher schnellste Mobilfunkstandard. Dabei beträgt die Übertragungsverzögerung von Gerät zu Gerät oft nur wenige Millisekunden. Auch können mit 5G wesentlich mehr Geräte auf engerem Raum in das Netz eingebunden werden, was vor allem für das Thema Internet of Things (IoT) von immenser Bedeutung ist. Es ist ein Fakt, dass in den nächsten Jahren immer mehr Alltagsgegenstände mit dem Internet kommunizieren werden. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Entgegen der Aussage der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek, dass 5G „nicht an jeder Milchkanne“ verfügbar sein müsse: Genau das muss es. Nur wenn wir uns dieses Ziel setzen, profitieren auch die ländlichen Regionen von der neuen Technologie, die zukünftig für Bürgerinnen und Bürger sowie kleinere und mittlere Unternehmen immer (noch) wichtiger werden wird.

Besonders für Unternehmen ist ein schneller Internetanschluss essentiell, das liegt auf der Hand. Auch Bildungseinrichtungen sind auf Breitbandanschlüsse angewiesen, denn zunehmend werden Lernmaterialien online bereitgestellt oder Kommunikationsinfrastrukturen zum Lernen geschaffen. Für die Wissenschaft ist das Thema ebenso zentral: sowohl für die Entwicklung neuer Technologien und technischer Komponenten als auch deren Implementierung in einer realen Umgebung.

Ausbau in europäischer Hand

Das Bewusstsein für Handlungsbedarf ist da und das ist begrüßenswert. Aber jetzt muss dringend Geld fließen, damit die Infrastruktur allgegenwärtig verfügbar ist. Die Nutzung der nötigen Frequenzbänder für die Bereitstellung werden unter den Providern für hohe Summen versteigert. Die Einnahmen der Versteigerung sollen in den Digitalfonds der Bundesregierung fließen. Diese müssen für den weiteren flächendeckenden Ausbau der Netzinfrastruktur eingesetzt werden. Der Ausbau darf nicht nur punktuell und nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern muss flächendeckend und fair geschehen.

Es ist immens wichtig, dass die Infrastruktur in deutscher oder zumindest europäischer Hand liegen muss. Denn bei Anbietern aus Nordamerika oder Asien entstehen nicht nur riesige Probleme im Bereich Datenschutz, sondern die Basis für Innovationen der unweigerlich verstärkt kommenden Digitalisierung würde uns fehlen.

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