Das Denken verstehen

Neuer, interdisziplinärer Studiengang Cognitive Science startet im Wintersemester

28.06.2019

Die Kognitionswissenschaft folgt der Grundannahme, dass der menschliche Geist im Wesentlichen ein Informationsverarbeitungssystem ist. Dabei werden Algorithmen genutzt, um menschliche Intelligenz zu verstehen und zu erklären. Ab dem Wintersemester 2019/20 kann Cognitive Science als Bachelor- und Masterstudiengang an der TU Darmstadt studiert werden. Der Direktor des Centre for Cognitive Science, Professor Constantin Rothkopf, erklärt, was die Studierenden erwartet.

Cognitive Science – ab dem Wintersemester 2019/20 ein Bachelor- und Masterstudiengang an der TU.

TU Darmstadt: Lässt sich die Informationsverarbeitung von Menschen und technischen Systemen wirklich vergleichen?

Professor Constantin Rothkopf: Ja, das ist die Grundannahme der Kognitionswissenschaft und der Künstlichen Intelligenz. Während die Künstliche Intelligenz versucht, Computerprogramme zu entwickeln, die Informationen intelligent verarbeiten können, benutzt die Kognitionswissenschaft ähnliche Methoden, um natürliche Intelligenz zu modellieren.

Beide versuchen die Prinzipien zu verstehen, die intelligentem Verhalten zugrunde liegen. Zum Verständnis von Intelligenz spielt Informationsverarbeitung eine ähnliche Rolle wie Strömungslehre zum Verständnis vom Fliegen. Computer und Gehirne verarbeiten beide Informationen, so wie Flugzeugflügel und Vogelflügel beide Auftrieb erzeugen.

Das hebt uns auch von anderen Studienangeboten im Umfeld der Cognitive Science in Deutschland ab.

Wie werden die sehr unterschiedlichen Fachgebiete im interdisziplinären Studiengang verbunden?

Die Kognitionswissenschaft ist von jeher interdisziplinär aufgestellt und versteht sich als Brücke zwischen unterschiedlichen Disziplinen. Sie integriert Einsichten der Psychologie, der Neurowissenschaft, der Linguistik, der Philosophie und der Künstlichen Intelligenz, um menschliches Verhalten besser zu verstehen.

Durch die gemeinsame Fragestellung nach den Grundlagen des Wahrnehmens, Denkens, Handelns und Lernens wirken die in der Cognitive Science beteiligten unterschiedlichen technisch-naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen also natürlich zusammen. Durch unseren speziellen Schwerpunkt an der TU Darmstadt, der auf der Computational Cognitive Science liegt, können diese Disziplinen sogar vergleichsweise leicht zusammenarbeiten.

Was ist das Besondere am Darmstädter Studiengang Cognitive Science?

Wir haben einen Fokus auf Computermodellen adaptiven Verhaltens. Passend für eine Technische Universität geht es dabei nicht nur darum, menschliches Verhalten zu erklären und algorithmisch zu modellieren, sondern auch darum, technische Systeme intelligenter zu machen.

Das hebt uns auch von anderen Studienangeboten im Umfeld der Cognitive Science in Deutschland ab.

Professor Constantin Rothkopf

Was erwartet die Studierenden?

Ein sehr zukunftsträchtiger Studiengang, der allerdings durch seine Interdisziplinarität und computationale Ausrichtung durchaus gewisse Anforderungen an die Studierenden stellt. In den ersten Semestern müssen Studierende zum einen die mathematischen und informatischen Grundlagen lernen, und zum anderen einen Überblick über die verschiedenen Teildisziplinen bekommen.

Warum wird der neue Masterstudiengang auf Englisch angeboten?

Das Forschungsfeld der Cognitive Science ist hochgradig international. Der Großteil aller Arbeiten in diesem Bereich wird in Englisch verfasst. Dies umso mehr in unserem spezifischen Schwerpunkt, der computational und technikorientiert ist.

Gerade der Master in Cognitive Science, der ja forschungsorientiert ist, eignet sich daher besonders gut, entsprechend international aufzutreten und sowohl deutsche Studierende an diese internationale Community heranzuführen, als auch internationale Studierende nach Darmstadt zu ziehen.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten der Absolventinnen und Absolventen ein?

Der zunehmende Einsatz von KI, also Künstlicher Intelligenz, wird aus unserer Sicht nur dann weiter florieren und den Menschen dienen, wenn wir lernen, was denn das spezifisch Menschliche eigentlich ausmacht und wie wir dies in technischen Systemen berücksichtigen können. Wir sehen schon heute, dass es einen hohen Bedarf an KI-Expertise gerade bei den großen Tech-Firmen gibt.

Mit der fortschreitenden Entwicklung von KI wird zunehmend klarer werden, dass sich KI-Expertise nicht auf Informatik beschränken kann, sondern auch das Verständnis der menschlichen Informationsverarbeitung braucht, also in Summe: Cognitive Science. Kurzum: wir sehen großes und vor allem wachsendes Potenzial für unsere Absolventen sowohl in der Forschung als auch in den High-Tech-Branchen.

Die Fragen stellten Claudia Staub

Cognitive Science

Das neue Studienangebot startet zum Wintersemester 2019/2020 – sowohl als Bachelor- als auch als Masterstudiengang. Bewerbungen sind bis zum 15. Juli 2019 (Bachelor) beziehungsweise 31. August 2019 (Master) möglich.