Eine intelligente Sohle unterstützt Parkinson-Patienten

Das Start-up Novapace

03.12.2019

Novapace ist eine mit Elektronik ausgestattete sensorische Einlegesohle für modernes Gangtraining bei Parkinson. Gleichzeitig steht Novapace für ein Start-up, gegründet von drei Wissenschaftlern der TU Darmstadt. Die Jungunternehmer Patrick Scholl, Simon Staffa sowie Lukas Braisz haben es sich zur Aufgabe gemacht, Parkinsonpatienten Lebensqualität und Selbstständigkeit zurückzugeben.

Die Idee, ein technisches Gerät zu entwickeln, das Parkinsonpatienten beim Laufen unterstützt, hat einen persönlichen Ursprung. Patrick Scholl hat in seiner Familie einen Parkinsonfall: Sein Großvater ist an Morbus Parkinson erkrankt. Eine Auswirkung der Krankheit sind unter anderem Geh- und Haltungsstörungen.

Bei den Betroffenen kann sich das in kleinen Trippelschritten oder Schlurfen äußern, zudem haben viele Schwierigkeiten die Füße richtig anzuheben. „Das klingt erst mal nicht so schlimm, führt aber recht häufig dazu, dass die Patienten an kleinen Schwellen hängen bleiben und schnell stürzen“, erklärt Simon Staffa, einer der Novapace-Gründer.

Die Sohle misst den Gang der Patienten

Bei seinem Opa hat Patrick Scholl auch gesehen, welche Probleme insbesondere das Schlurfen und die Trippelschritte im Alltag bereiten. Physiotherapeuten zeigen Parkinsonpatienten zwar, wie sie richtig und gesund gehen. Das dann in den Alltag zu übertragen, ist für die Betroffenen aber häufig problematisch. Hier zeigt die smarte Einlegesohle Novapace ihre Stärke.

In der Sohle gibt es verschiedene Sensoren: Die einen messen das Abrollverhalten und die Druckverteilung im Fuß, die anderen die Bewegung des Fußes. „Die Sohle weiß also, wie die Person gerade geht“, sagt Staffa. In der Sohle ist zudem eine Vibrationseinheit verbaut. „Diese gibt den Nutzern genau im Moment eines Fehlverhaltens – also wenn der Fuß nicht richtig angehoben wird, die Schritte zu klein sind oder ein Sturz droht – eine Vibrationsrückmeldung. Und zwar in Echtzeit.“

Ein alltagstaugliches Hilfsmittel

Ein weiterer Vorteil von Novapace, neben der Echtzeit-Auswertung und -Rückmeldung, ist ihre Alltagstauglichkeit. Das Gehäuse für den Sensor, das an den Schuh geklemmt wird, ist klein und somit von außen kaum zu sehen. Insbesondere die jüngeren Parkinsonpatienten – rund 40 Prozent sind unter 50 Jahren – sind oft nicht bereit ein Hilfsmittel wie einen Rollator oder ähnliches zu benutzen, wenn sie es nur in ganz bestimmten, wenigen Situationen benötigen.

Ausgezeichnetes Gründerteam

Seit 2016 beschäftigt sich Patrick Scholl bereits mit dieser Problematik. Beim Ideenwettbewerb der TU Darmstadt 2016 belegte er mit seiner „Adaptiven Schuhorthese“ Platz drei. Der Erfolg ermutigte ihn, ernsthaft an seiner Idee weiterzuarbeiten – seit 2017 im Team mit Simon Staffa und Lukas Braisz. Weitere vordere Plätze bei verschiedenen Wettbewerben folgen, zuletzt waren die drei Jungunternehmer beim Hessischen Gründerpreis 2019 in der Kategorie „Gründung aus der Hochschule“ erfolgreich.

Die Teilnahme an Wettbewerben und branchenspezifischen Veranstaltungen hat mehrere Vorteile. „Zuerst einmal ganz banal: es gibt Preisgelder, die uns bei der Weiterentwicklung helfen. Aber auch die Vernetzung mit anderen Start-ups aus dem Medizintechnikbereich hilft enorm, denn die stehen natürlich vor ähnlichen Problemen wie wir.“ erklärt Staffa. Auf jeder dieser Veranstaltungen lassen sich zudem potenzielle Investoren treffen.

Das Ziel: Zertifizierung als Medizinprodukt

In den kommenden Wochen heißt es für die Wissenschaftler nun, mit dem neuesten Prototyp Messdaten zu erfassen und auszuwerten. Wichtig für die Weiterentwicklung ist es, den Gang der Parkinsonpatienten besser zu verstehen. Dabei helfen ihnen Studien, wie die von der Hochschule Bremen im Studiengang „Angewandte Therapiewissenschaften“. Eine weitere Studie ist für Anfang 2020 in Planung. Wie jedes medizinische Produkt muss die Sohle bis zur Markteinführung zudem weitere aufwendige und teure Tests durchlaufen.

Ohne Hilfe ist eine Gründung aus der Hochschule heraus nur schwer möglich. Auch die drei Jungunternehmer haben Unterstützung bekommen und zwar von HIGHEST, dem Innovations- und Gründungszentrum der Technischen Universität Darmstadt. Beispielsweise beim Beantragen des EXIST-Gründerstipendiums des Bundesministeriums für Energie und Wirtschaft. Aber auch durch Coachings, Kontakten zu Stellen innerhalb der Universität oder Investoren und Unterstützung bei Veranstaltungen und Wettbewerben.

Weitere Informationen

HIGHEST, das Innovations- und Gründungszentrum der TU, hilft jungen Gründerinnen und Gründern bei der Entwicklung der Geschäftsmodelle sowie bei der Suche nach Kapitalgebern und passenden Förderprogrammen. Zudem ist HIGHEST eine Vernetzungsplattform mit verschiedenen Event-Formaten für Studierende, Wissenschaftler, Start-ups, Mentoren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Unternehmen. Ein Fablab und ein Open Digital Lab bietet Studierenden, Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, aber auch Unternehmen, digitale Technologien für Felder wie Cybersecurity, Künstliche Intelligenz und 3D-Druck.

HIGHEST unterstützt Novapace im Rahmen des EXIST-Programms des Bundes beim Projektmanagement der Meilensteine, durch regelmäßiges Telefoncoaching, durch Begleitung bei Wettbewerben und Veranstaltungen (zum Beispiel am Stand der Hessischen Hochschulen auf der Hannover Messe, Pitch vor den Business Angels Frankfurt am Main).