Wie sich Finanzsanktionen auf Banken auswirken

Best Paper in Corporate Finance Award für Prof. Volker Nitsch

2020/01/31

Professor Volker Nitsch

In der internationalen Diplomatie sind Wirtschaftssanktionen ein häufig verwendetes Mittel. Sie sind ein spezielles Instrument, denn sie gehen über das hinaus, was typischerweise an Interaktion zwischen Politik und Ländern stattfindet. Gleichzeitig geht die Politik aber nicht so weit und interveniert militärisch. „Sanktionen kennzeichnen sich dadurch, dass man in den Ländern, die man sanktioniert, einen Politikwechsel erreichen möchte. Dafür ist man auch bereit, negative Effekte auf sich zu nehmen. Zum Beispiel, dass Geschäftsmöglichkeiten wegfallen“, erklärt Professor Nitsch.

Damit Sanktionen, die häufig gezielt gegen bestimmte Personen, Unternehmen oder Wirtschaftszweige eines Landes eingesetzt werden, wirksam sind, müssen diese in der Praxis auch umgesetzt und durchgesetzt werden.

Datensatz erlaubt sehr detaillierte Aussagen

Grundlage des Forschungsbeitrags sind Mikrodaten, erhoben von der Deutschen Bundesbank: Alle deutschen Banken mit Auslandsaktivitäten sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Vermögenswerte und Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Geschäftspartnern monatlich bei der Zentralbank zu melden. Dabei werden Geschäftstätigkeiten von Töchtern und Filialen im Ausland nicht den deutschen Muttergesellschaften zugerechnet, sondern getrennt ausgewiesen.

„Sämtliche Akteure müssen Transaktionen, die über einen gewissen Schwellenwert hinausgehen, an die Bundesbank melden, und wir haben – das ist das Spannende – Zugriff auf dieses Universum aller Transaktionen in anonymisierter Form“, erläutert der Ökonom. „Dadurch können wir auch unterschiedliche Reaktionen beobachten, je nachdem in welchem Land der Akteur sitzt. Und wir können feststellen, dass es einen Unterschied macht, ob die Filiale in Brüssel sitzt oder auf den Cayman Islands, wo die Überwachung schwächer ausfällt.“

Die Mikrodaten, über 2.000.000 Einzeldaten, erlauben zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Niederlassungen in Mitgliedsländern der Financial Action Task Force (FATF) und Nicht-FATF-Mitgliedsländern. Die FATF ist das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Sanktionen beeinflussen die Außenpositionen von Banken negativ

Für den Zeitraum 2002 bis 2015 zeigt der Forschungsbeitrag, dass nach Verhängung von Finanzsanktionen die Aktivitäten deutscher Banken in sanktionierten Ländern um 24 Prozent zurückgehen. Dabei reduzieren die in Deutschland ansässigen Banken ihre Auslandspositionen in sanktionierten Ländern um 38 Prozent, während Zweigstellen und Tochtergesellschaften im Ausland im Durchschnitt nicht erkennbar auf neu verhängte Sanktionen reagieren.

Werden Sanktionen von der EU allein und nicht von der gesamten UN verhängt, werden zudem mehr Kredite von deutschen Niederlassungen in Ländern mit niedrigen Finanzstandards zur Verfügung gestellt als zuvor.

Publikation

„Freeze! Financial sanctions and bank responses“ ist ein Beitrag aus einer Reihe von drei Papieren, die sich mit Finanzsanktionen beschäftigen. Im Beitrag „You’re banned! The effect of sanctions on German cross-border financial flows“ untersuchten Nitsch, Goldbach und Tibor Besedeš vom Georgia Institute of Technology die Auswirkungen von Finanzsanktionen auf grenzüberschreitende Kapitalströme. In „Cheap talk? Financial sanctions and non-financial activity“ beleuchten die Experten, wie sich Finanzsanktionen auf das Senderland auswirken.