Zweites Zuhause

Khaled Moaaz arbeitet als Hausmeister am Fachbereich Architektur

04.02.2020

Am Fachbereich Architektur hat Khaled Moaaz alle Hände voll zu tun: Von 7 bis 11.30 Uhr sorgt er als Hausmeister des Architekturgebäudes gemeinsam mit seinem Kollegen Ralph Hilgers dafür, dass alles läuft, danach übernimmt er bis 15.30 Uhr in der Hauptpoststelle Lichtwiese die Postsortierung und Paketverteilung. Dass er an der TU Darmstadt gelandet ist, empfindet der 42-Jährige als großes Privileg: »Hier ist mein zweites Zuhause. Besser hätte ich es nicht treffen können.«

Khaled Moaaz ist Hausmeister am Fachbereich Architektur und angekommen in Deutschland.

Der Weg, der Khaled Moaaz an die TU führte, ist ein außergewöhnlicher, denn er stammt aus der syrischen Stadt Idlib. Bevor er vor dem Assad-Regime und den Bomben auf seine Heimatstadt floh, war er Juniorchef in der Baufirma seines Vaters und Polizist. Angekommen in Deutschland lebte er zunächst mit seiner Frau und den sechs Kindern auf dem Gelände einer ehemaligen US-Army-Kaserne in Gießen, bis die Familie in eine kleine Wohnung in Pfungstadt übersiedelte.

Ohne Aufenthaltsgenehmigung war es Moaaz weder erlaubt zu arbeiten noch einen Sprachkurs zu besuchen. Das Problem des fehlenden Sprachkurses löste die Pfungstädter SPD, indem sie ihm eine Teilnahme ermöglichte. Der Weg zur Aufenthaltsgenehmigung war deutlich schwieriger, denn die Papiere und Zeugnisse der Familie lagen im zerbombten Haus in Idlib. Unter Lebensgefahr barg Moaaz‘ Bruder, der in der Türkei lebt, die Dokumente aus dem Schutt und sandte sie nach Deutschland. Mittlerweile besitzt Familie Moaaz eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und lebt in einem Haus in Pfungstadt.

„Wie ein Traum, der in Erfüllung geht.“ Khaled Moaaz

Seit Mai 2018 arbeitet Moaaz für das Dezernat Immobilienmanagement der TU. Als er die Zusage erhielt, war es für ihn »wie ein Traum, der in Erfüllung geht«. Für die Beschäftigten des Dezernats um Dezernatsleiterin Heike Threin und seine stellvertretende Referatsleiterin Daniela Knierieme sowie seinen fachlichen Gruppenleiter Ron Woyack hat Moaaz nur lobende Worte parat: »Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, wie sie mich aufgenommen haben und dass sie mir auch die Zeit gegeben haben, um zu lernen.«

Das Gespräch mit Khaled Moaaz findet im Hausmeisterbüro am Eingang des Architekturgebäudes auf der Lichtwiese statt. Mit dabei ist auch Moaaz‘ Kollege Ralph Hilgers, der hin und wieder helfende Vokabeln einwirft und die Arbeitsbereiche skizziert, ihn auch mal augenzwinkernd aufzieht. Hier wird schnell klar: Zwischen diesen beiden Männern stimmt die Chemie. Das bestätigt Hilgers: »Das hat von Anfang an gepasst mit uns. Ich kann mir keinen besseren Kollegen vorstellen.« Gemeinsam erledigen sie, was so alltäglich anfällt – von der Reparatur von defekten Fenstern, Türen und Leuchtstoffröhren bis zur Beauftragung und Instruktion von externen Dienstleistern. »Unsere Arbeit ist sehr vielfältig, und mein Bruder« – so nennt Moaaz seinen Kollegen Hilgers – »hat mir alles gezeigt, was ich wissen muss.«

Khaled Moaaz ist also angekommen – an der TU und in Deutschland. Durch den regelmäßigen Besuch von Sprachkursen spricht er fließend Deutsch, seine Kinder, die hier zur Schule gehen beziehungsweise Ausbildungen machen, sind ihm aber noch einen Schritt voraus, wie er augenzwinkernd erzählt: »Manchmal verstehe ich sie nicht ganz, wenn sie mit mir Deutsch sprechen.« Ihr hessischer Dialekt sei einfach zu stark.

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