Einer der Ältesten in Europa

Zimt-Ahorn im Botanischen Garten geht auf erste Einfuhr vor 120 Jahren zurück

07.04.2020

Mit seiner auffallenden, rotbraunen Borke und dem saisonal üppigen Blätterkleid ist der Zimt-Ahorn einer der prächtigsten Solitärbäume im Botanischen Garten der TU. Bei Recherchen fand nun ein amerikanischer Experte heraus: Das Darmstädter Exemplar von Acer griseum gehört offenbar mit seinen 120 Jahren zu den ältesten seiner Art in Europa. Ein Blick über den Zaun des zur Zeit geschlossenen Botanischen Gartens.

Der Zimt-Ahorn gehört zu den sogenannten „Missionarsbäumen“, denn er wurde zum ersten Mal von französischen Missionaren in seiner Heimat China gesammelt und 1899/1901 erneut durch Ernest Wilson, den Direktor des Arnold Arboretum in Boston. 1901 gelangte die Art nach London. 1902 bekam der Zimt-Ahorn Acer griseum seinen gegenwärtigen Namen, inspiriert durch die zimtfarbene, papierartig abblätternde Borke und die grauen („griseus“), flaumig-behaarten Unterseiten der dreigliedrig gefiederten Blätter. Die britische Gärtnerei Veitch & Sons verkaufte das von Wilson gesammelte Saatgut, der Baum gelangte in die Gartenkultur – und fand frühzeitig auch einen Platz im Botanischen Garten der heutigen TU.

Die Experten müssen sich bei der Altersbestimmung auf indirekte Beweise stützen, da die alten Akzessionsbücher aus den entscheidenden Jahren 1901 bis 1903 fehlen. Gewissheit würde nur eine Bohrung zur Zählung der Jahresringe bringen. „Aber das lassen wir im Interesse des alten und kostbaren Baumes doch lieber“, sagt PD Dr. Stefan Schneckenburger, der Leiter des Botanischen Gartens. Es gibt allerdings plausible Argumente dafür, dass der TU-Ahorn zu den ältesten Vertretern in Europa gehört: Der Botanische Garten war häufig Kunde bei Veitch & Sons, wie Akzessionsbücher belegen. Garteninspektor Joseph Anton Purpus hatte zudem gute Kontakte auch zu Wilsons Arboretum und hätte so wohl auch exotisches Saatgut der damaligen Novität erwerben können. Und nicht zuletzt spricht der Baum für sich. Anthony Aiello vom Morris Arboretum in Philadelphia recherchierte ausführlich zur Art „Zimt-Ahorn“. Aufgrund der Größe und Gestalt des Baums ist er überzeugt, dass das Exemplar im Botanischen Garten aus der Zeit der ersten Einfuhr nach Europa durch Veitch & Sons stammt. „Eine kleine Sensation“, so Schneckenburger.

Der Zimt-Ahorn wächst im Botanischen Garten vor dem alten Pumpenhaus, dem heutigen „Meisterhaus“. Beheimatet ist die Art in Zentralchina, wo sie nur in kleinen, zerstreuten Populationen in fünf Provinzen vorkommt. Die Art scheint im Rückgang begriffen zu sein und zeigt auch in China kaum Verjüngung. Damit gilt der Baum, der bis zu 20 Meter hoch werden kann, als gefährdet. Auch das Exemplar im Botanischen Garten der TU tut sich mit der Vermehrung schwer.

„Der Fruchtansatz unseres Baums ist sehr groß, die Keimrate dagegen extrem und frustrierend niedrig“, beschreibt Schneckenburger. „Wir haben aus wild aufgegangenen Samen einige Jungbäume nachgezogen. Eine dieser über 20 Jahre alten Kostbarkeiten befindet sich an der Auffahrtsrampe vor der Cafeteria zum Verfügungsgebäude Biologie auf dem Campus Botanischer Garten.“

Botanischer Garten während der Corona-Krise

Zum Schutz gegen die Ausbreitung des Coronavirus bleibt auch der Botanische Garten für die Öffentlichkeit geschlossen. Führungen und Vorträge sind ebenfalls abgesagt. Die Pflege- und Gartenarbeiten laufen jedoch im Hintergrund weiter, so dass der Garten nach Ende der Einschränkungen wieder in voller Pracht zu sehen sein wird.