Beste Kontakte

PreCIS – Buddyprogramm für internationale Studierende

2020/04/09

TU-Studierende helfen internationalen Kommilitoninnen und Kommilitonen als „Buddy“ dabei, Weichen für ein erfolgreiches Studium zu stellen. Auch die Buddys profitieren von den neuen Kontakten. Das Preparatory Course and Support Programme for International Students (PreCIS) umfasst auch einen Vorkurs und Workshops.

Buddy Kaspar Seifert (links) mit den internationalen Studierenden, die er bei PreCIS betreut.

Ein Hinweis in eigener Sache: Dieser Text und die Fotos entstanden vor Beginn der Corona-Pandemie.

Jeder Einstieg ins Studium ist schwer. Das trifft besonders für internationale Studierende in Deutschland zu, denn sie haben es nicht nur mit neuem Stoff und neuen Verpflichtungen des Erwachsenenlebens zu tun, sondern müssen sich diesen Herausforderungen auch noch in einer unbekannten Sprache stellen. Familie und Freunde in der Heimat können sie dabei nur aus der Ferne unterstützen. Aus diesen Gründen haben internationale Studierende tendenziell einen schlechteren Studienerfolg als diejenigen, die in Deutschland auf der Schule waren. „Deswegen überlegen sich die Universitäten, wie man am Anfang schon die Weichen stellt, damit das Studium erfolgreich wird“, sagt Lydia Seibel, KI²VA-Referentin für Internationalität.

Die TU Darmstadt unterstützt internationale Studierende mit dem Preparatory Course and Support Programme for International Students (PreCIS). PreCIS ist Teil des im Rahmen des Qualitätspakts Lehre geförderten TU-Projekts KI²VA (Kompetenzentwicklung durch Interdisziplinäre und Internationale Vernetzung von Anfang an). Es läuft nun im dritten Jahr und beinhaltet einen zweiwöchigen Vorbereitungskurs auf die Universität, ein Buddyprogramm und Workshops zur Unterstützung von internationalen Studierenden bei der Studienplanung und Prüfungsvorbereitung. Der Vorbereitungskurs findet noch vor den Vorkursen einzelner Fachbereiche statt und besteht unter anderem aus einem Intensivkurs Fachsprache Mathematik und Wissenschaftssprache Deutsch sowie unterschiedlichen Trainings zu Schlüsselkompetenzen.

Der Sprachkurs wurde in den vergangenen zwei Jahren immer weiterentwickelt und auf die Mathematik fokussiert. „Das ist der kleinste gemeinsame Nenner für die meisten internationalen Studierenden an der TU. Egal, ob man Mathe gut oder weniger gut beherrscht: Mathematische Beweise auf Deutsch zu führen oder über mathematische Operationen in der Fremdsprache zu sprechen ist für internationale Studierende häufig schwierig“, sagt Lydia Seibel.

Im Anschluss an die zwei Wochen Vorbereitungskurs werden die internationalen Studierenden ins PreCIS-Buddyprogramm aufgenommen: Sie bekommen für ein Semester eine Studentin oder einen Studenten aus einem möglichst verwandten Studiengang an die Seite gestellt. Ein Buddy betreut zwei bis sechs Studierende – ein klassisches Mentoringprogramm. „Wir betrachten die internationalen Studierenden holistisch, also als Ganzes“, betont Lydia Seibel. Die Buddys helfen also nicht nur bei Organisations- und Studienfragen, sondern erkundigen sich auch nach Interessen und Hobbys ihrer Mentees und überlegen sich, wo diese auch privat noch mehr Anschluss finden könnten.

Derzeit betreuen elf Buddys insgesamt 46 Studierende aus verschiedenen Fächern. Vor einem Jahr waren es noch 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Weiteres Wachstumspotenzial ist vorhanden, denn die Zahl von internationalen Erstsemestern im Bachelor an der TU Darmstadt liege bei über 300, so Lydia Seibel. Besonders viele von ihnen sind nach Deutschland gekommen, um MINT-Fächer zu studieren.

Treffen in der LesBar

Zu Besuch bei einem Treffen der Gruppe von Mentorin Julie Fang, Informatikstudentin aus Taiwan, in der „LesBar“ der Universitäts- und Landesbibliothek. Die junge Frau ist im dritten Semester und hat vor einem Jahr selbst am PreCIS-Programm teilgenommen. „Meine ersten Freunde im Studium habe ich durch PreCIS gefunden“, sagt Julie. Das Programm hat ihr so gut gefallen, dass sie danach selbst helfen wollte. Sie betreut vor allem Informatik-, aber auch Wirtschaftsinformatikstudierende.

Informatikstudentin Julia Fang (zweite von links) mit ihren Mentees in der LesBar.

Beim gemeinsamen Treffen in der LesBar werden vor allem aktuelle Probleme der Teilnehmerinnen und Teilnehmer besprochen – etwa, dass die Aufgaben zu den Übungen im Programmieren den meisten schwerfallen, und dass man sich vieles selbstständig beibringen muss. Es wird gemeinsam darüber diskutiert, wie man damit umgehen kann. Julie erkundigt sich bei jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer nach Schwierigkeiten – mal auf Deutsch, mal auf Englisch, je nachdem, welche Sprache für die Studierenden einfacher zu verstehen ist. „Wir profitieren von den Erfahrungen der anderen“, sagt Deniz Aydin, Informatikstudent aus der Türkei.

So wird auch das Thema Prüfungen lebhaft besprochen: Warum ist es besser, sich schon früh für Prüfungen anzumelden? Wie lange lernt man für die Prüfung zur einen oder anderen Veranstaltung? Wie viele Tage liegen normalerweise zwischen den Prüfungen? Yusoon Choi, Informatikstudentin aus Südkorea, freut sich über die Möglichkeit, eine Studentin aus einem höheren Fachsemester kennengelernt zu haben: „Ich kann Julie einfach fragen, wenn ich etwas nicht verstehe.“ Xiaoge Zhang, Wirtschaftsinformatikstudentin aus China, lernt lieber selbstständig, nicht in einer Lerngruppe, kommt aber zu den gemeinsamen Treffen, weil sie es gut findet, die anderen zu treffen und gemeinsam Probleme zu besprechen. „Wir können sehen, dass wir nicht allein sind“, bestätigt Berfin Demir, Informatikstudentin aus der Türkei.

Alle PreCIS-Mitglieder sind über eine Whatsapp-Gruppe verbunden und nutzen diese nicht nur zur Kommunikation fürs Studium, sondern auch, um etwas zusammen zu unternehmen oder Partys zu feiern. „Meine besten Kontakte habe ich über PreCIS geknüpft. Wir treffen uns immer noch jeden Donnerstag zum Spielabend“, berichtet Hassan Wahba aus Syrien, Informatikstudent im dritten Semester und ehemaliger PreCISTeilnehmer, der auch beim Gruppentreffen in der LesBar dabei ist.

Die Gruppe der Studienanfänger im Maschinenbau wird von Kaspar Seifert, Student des Wirtschaftsingenieurwesens mit technischer Fachrichtung Maschinenbau, betreut. Kaspar engagiert sich bereits im zweiten Jahr als Buddy im PreCIS-Programm. Seine Mentees sehen einen großen Vorteil darin, dass sie sich dank Kaspar bereits vor dem Semesterbeginn mit organisatorischen Dingen wie Beantragung der Athene-Karte, Druckkonto-Einrichtung und Anmeldungen für Veranstaltungen oder Einzel- und Gruppenräume in der Bibliothek befasst haben.

Lernen – Entdecken – Freunde finden

Begehrte Insidertipps

Aber sie legen auch Wert auf viele Insidertipps von Kaspar, weil er dasselbe Fach studiert, viele Veranstaltungen bereits besucht hat und sich mit deren Verlauf sowie der Gestaltung von Prüfungen auskennt. Ali Amini, Maschinenbaustudent aus Iran, betont zum Beispiel, dass er Kaspar fragen kann, wie er es geschafft hat, die eine oder andere Veranstaltung zu bestehen, ob man zu bestimmten Veranstaltungen Notizen oder Zusammenfassungen schreiben sollte oder wie sich bestimmte Sachen am besten lernen lassen.

„Kaspar hat uns auch erklärt, dass wir für uns selbst entscheiden müssen, was für uns wichtig ist – eine Prüfung nur zu bestehen oder auch eine gute Note zu bekommen. Das macht einen großen Unterschied, besonders bei Fächern wie Werkstoffkunde. Das war mir vorher nicht klar“, erzählt Daria Zharova, Maschinenbaustudentin aus Russland. Bevor Daria nach Deutschland kam, habe sie viel Angst gehabt, einsam zu werden, erzählt sie. Durch das PreCIS-Programm habe sie aber sehr viele Leute kennengelernt, mit denen sie jetzt in Kontakt steht: „Als ich nach dem Vorbereitungskurs nach Hause geflogen und später zum Semesterbeginn wieder zurückgekehrt bin, fühlte ich mich sicher und hatte keine Angst mehr, weil ich wusste, was mich erwartet.“

Doch nicht nur die Mentees profitieren vom Mentoringprogramm. Auch die Buddys nehmen viel mit. Kaspar Seifert: „Warum ich das mache? Ich hätte mir auch gewünscht, dass ich im ersten Semester so einen Mentor gehabt hätte, der schon weiß, wie die Uni funktioniert. Ich habe letztes Jahr bei den Mentees, denen wir geholfen haben, gesehen, wie dankbar sie waren. Und allein das ist sehr viel wert! Außerdem macht es mir sehr viel Spaß, neue Leute und neue Kulturen kennenzulernen. Ich kann dabei auch viel lernen. Im Studium lernt man eher, irgendwie Klausuren zu bestehen. Man lernt aber keine Soft-Skills und nicht wirklich Teamarbeit. Das alles lernt man hier ein bisschen, weil man Gruppentreffen organisiert und mit verschiedenen Persönlichkeiten zu tun hat. Und das bringt im Leben wahnsinnig viel.“

Das PreCIS-Buddyprogramm

Das PreCIS-Buddyprogramm ist ein studentisches Mentoring, das internationale Studienanfängerinnen und -anfänger bei ihrem Start an der TU Darmstadt begleitet. Erfahrene Bachelorstudierende aus höheren Fachsemestern bekommen jeweils zwei bis sechs internationale »Erstis« zugeordnet, mit denen sie sich regelmäßig treffen und organisatorische, soziale und fachliche Fragen besprechen.

Studierende, die Spaß am Austausch mit Menschen haben, lernen als PreCIS-Buddys Kommilitoninnen und Kommilitonen aus vielen Ländern kennen und stärken sozusagen »von zu Hause aus« die eigenen interkulturellen Kompetenzen.

PreCIS-Buddys sind von September bis Februar als studentische Hilfskräfte beschäftigt. Neben den Gesprächsterminen mit den Mentees gehören auch zwei vorbereitende Trainings und der Austausch im Buddyteam zum Job. Bewerbungen für das Wintersemester 2020/21 sind ab Mai 2020 möglich.

Lehramtsstudierende haben die Möglichkeit, im Rahmen der Praxisphase II als Sprachtutorin oder -tutor bei PreCIS mitzuarbeiten: bit.ly/381QrIz

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