Es summt an der TU

Im Interview spricht Imker Udo Drees über die TU-Bienen

2020/07/30 von

Die TU Darmstadt beheimatet insgesamt sechs Bienenvölker – im Hochschulstadion und im Schlossgraben. Imker Udo Drees kümmert sich um die Bienen und berichtet über seine tägliche Arbeit mit ihnen.

Sie haben an der TU zwei Standorte mit Bienenvölkern – im Hochschulstadion und im Schlossgraben. Wie viele Völker sind dort jeweils angesiedelt und seit wann?

An der Lichtwiese habe ich vier Völker, die stehen da seit Anfang Juni. Ein Wirtschaftsvolk mit rund 50.000 Bienen, einen Ableger von der Rosenhöhe, einen Ableger aus der Rheinstraße und ein Volk aus dem Schlossgraben. Im Schlossgraben habe ich noch mal zwei Völker, die stehen dort seit Frühsommer 2019.

Ein guter Standort für ein Bienenvolk – was macht den aus?

Ich stelle meine Bienen nur dahin, wo die Natur unbelastet ist, also frei von Pestiziden. Meine Bienen hier an der Lichtwiese fliegen über den Kletterwald und über das Hochschulstadion. Die Gärtner gärtnern hier im Stadion umweltbewusst und bienenfreundlich. Alle Pflanzen, die angepflanzt wurden, sind bienenfreundlich. Deshalb fühle ich mich hier auch sehr wohl und bin glücklich. Genauso wie am Schlossgraben, der auch ein Idyll für die Bienen ist.

Stadthonig ist übrigens sehr gesund, denn man hat hier praktisch keine konventionelle Landwirtschaft und keine Pestizide.

Wie groß ist der Honigertrag der TU-Bienen und wovon hängt ein gutes Honigjahr ab?

In einem guten Honigjahr hat man pro Volk 25 bis 30 Kilogramm Honig, auch mal 50 Kilogramm. In einem schlechten Bienenjahr auch mal nur drei bis vier Kilogramm pro Volk. Von meinem Wirtschaftsvolk hier auf der Lichtwiese sind das bei der nächsten Ernte bestimmt 20 Kilogramm Honig. Das ist super. Die ganze Straße hier steht voller Linden und Robinien, und den Nektar haben die Bienen jetzt gesammelt.

Ein gutes Honigjahr hängt vom Wetter und vom Imker ab. Das Prinzip der exponentiellen Bienenvermehrung in den Wachstumsmonaten März bis Juni basiert auf einer leistungsfähigen Königin. Die Sommerbienen leben nur sechs bis acht Wochen. Die Königin ist im Bienenstock ständig unterwegs und legt Eier. Wenn sie das aus irgendwelchen Gründen nicht kann, nimmt die Bienenmenge ab. Da ist dann der Imker gefragt.

Als Imker muss man sich dann überlegen, was mache ich mit den restlichen Bienen. Kann ich sie mit einem anderen Volk vereinigen, kann ich andere Bienen dazu bringen oder kann ich eine neue Königin einbringen. Im April geht das noch, Ende Mai kann man nur noch zwei Völker zu einem vereinigen. So ein Volk macht dann richtig Arbeit, die müssen gehätschelt werden und man muss Maßnahmen einleiten, dass sie überleben. Das Honigjahr ist für ein solches Problemvolk dann vorbei.

TU-Bienen bei der Arbeit.

Wie funktioniert die Honigernte?

Das komplette Zuhause meines Wirtschaftsvolks besteht aus drei Etagen, der Imker nennt dies „Zargen“. Oben ist der Honigraum. Um den Honig zu ernten, möchte ich, dass die Bienen nicht mehr im Honigraum sind. Deshalb kommt zwischen die oberste und die mittlere Zarge eine Bienenflucht, eine Art Einbahnstraße für Bienen. Sie ist so angelegt, dass die Bienen zwar von oben nach unten können, aber sie kommen nicht mehr zurück. Auf diese Weise ist der Honigraum nach zwei Tagen fast leer.

Jetzt kann ich bequem die Rähmchen mit den Honigwaben herausziehen und mit nach Hause nehmen, sie entdeckeln – also das Wachs wegmachen – und schleudern. Und dann habe ich schon diesen wunderbaren Honig. Manche rühren den Honig noch. Das mache ich nicht. Sondern ich lasse ihn wie er aus der Wabe kommt, nur gefiltert, in die Gläser laufen. Filtern muss man, weil immer kleine Wachsteilchen durch das Entdeckeln im Honig sind. Manchmal ist auch ein Bienenbeinchen oder ähnliches drin, das soll nicht im Honig sein.

Die Rähmchen kommen danach wieder in den Honigraum, die Bienenflucht kommt raus und die Bienen können nach oben. Sie putzen dann alles sauber, schlecken die Reste raus, reparieren das kaputte Wabenwerk und füllen es neu. Sofern es noch etwas zu füllen gibt.

Als Imker nimmt man den Bienen ja ihren Honig/Nahrung weg – ist das nicht ein Problem?

Wenn die Bienen merken, dass jemand ihnen den Honig klaut, sind sie unzufrieden. Nimmt man beispielsweise die Rähmchen aus dem Honigraum einfach raus, finden die Bienen das spätestens nach dem zweiten Rähmchen nicht mehr lustig. Dann kann es passieren, dass sie den „Dieb“ stechen. Geht man hingegen vorsichtig mit ihnen um, stechen sie eigentlich nicht.

Bei meinem Wirtschaftsvolk wird demnächst der Honigraum abgenommen. Da kommt dann kein neuer drauf. Stattdessen haben die Bienen die Möglichkeit, dass sie sich – so lange es noch Tracht gibt – ihren eigenen Honig sammeln.

Meine Bienen überwintern fast ausschließlich, zu 80 bis 90 Prozent, auf eigenem Honig. Das ist das Gesündeste für die Bienen. Zusätzlich bekommen sie eine Zuckerlösung, um die restlichen Löcher zu füllen. Ich denke, wenn man respektvoll mit der Natur umgeht, macht sie das auch mit mir. Ich könnte jetzt auch aus den Bruträumen den Honig herausnehmen, aber das mache ich nicht.

Wie sind Sie zur Imkerei gekommen und wie viele Bienenstöcke haben Sie insgesamt?

Ich habe meinem Opa früher beim Imkern geholfen und damals, als kleiner Bub, den Zugang zur Imkerei bekommen. Nach Schule und Ausbildung war ich beruflich so eingebunden, dass ich zu gar nichts kam. Erst seit vier Jahren betreibe ich das Imkern wieder, wie ich es bei meinem Opa mitbekommen habe. Aber natürlich mit völlig anderen Beutensystemen als damals. Mein Opa hatte noch Weidenkörbe.

Und ich bin sehr glücklich damit. Mittlerweile habe ich 15 Völker an verschiedenen Standorten in Darmstadt und dem Landkreis. Durch die Geo-Tags auf meinem Honig-Etikett kann jeder schauen, wo die Bienen stehen und in welchen Beuten sie gehalten werden. Die Demeter- und Bio-Richtlinien erlauben beispielsweise keine Kunststoff-Beuten. Meine Beuten sind aus Holz und nur geölt. Die Bienen haben ein gesundes Wohn- und Wohlfühlklima. Das ist mir wichtig, wenn ich ein Naturprodukt herstelle, kann ich nicht mit schlechtem Material daherkommen. Wer meinen Honig mal probieren möchte, findet mich, bei gutem Wetter, sonntags in der Mittagszeit an meinem Standort auf der Rosenhöhe.

Denken Sie an eine Erweiterung Ihrer TU-Standorte?

Dr. Manfred Efinger, Kanzler der TU Darmstadt, hat mir vor Kurzem noch weitere interessante Flächen gezeigt. In Griesheim beispielsweise den August-Euler-Flugplatz, der zum größten Teil Naturschutzgebiet ist und ein richtig toller Standort für meine Bienen wäre. Auf diesem großen Flughafen könnte ich auch mehrere Völker an den Rand stellen. Da möchte ich die Tage mal hinfahren. Und die Schrebergärten an der Lichtwiese will ich mir auch anschauen. Das wäre auch eine schöne Sache. Also vielleicht kann es noch mehr TU-Honig von anderen Standorten geben.