Die nächste Stufe der Künstlichen Intelligenz

Spitzenforschungs-Projekt der TU Darmstadt zur Unterstützung menschlichen Handelns

2021/02/01

Eine neue Ära in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) wollen Forscherinnen und Forscher unter Leitung der Technischen Universität Darmstadt einläuten: Ihre KI-Systeme sollen menschenähnliche Kommunikations- und Denkfähigkeiten erwerben, neue Situationen erkennen, einordnen und sich selbstständig an sie anpassen. Das Projekt „Third Wave of AI“ wird im Rahmen der Förderlinie „Clusterprojekte“ des Landes Hessen zur Vorbereitung auf die nächste Runde der Bund-Länder-Exzellenzstrategie bis 2025 mit 5,2 Millionen Euro gefördert und verbindet KI-Forschung der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, des Universitätsklinikums Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Forscherinnen und Forscher unter Leitung der TU Darmstadt wollen mit dem Projekt „Third Wave of AI“ eine neue Ära in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) einleiten.

„Diese Förderentscheidung ist ein großer Erfolg für die TU Darmstadt“, sagte TU-Präsidentin Professorin Tanja Brühl. Die Auswahl des KI-Projekts stärke, so Präsidentin Brühl, auch das neue hochschulübergreifende Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz (hessian.AI) mit Sitz an der TU Darmstadt.

Der Forschungsansatz von „Third Wave of AI“ geht weit über das in den letzten Jahrzehnten erreichte Leistungsniveau der KI und Methoden maschinellen Lernens hinaus: „Wir sehen KI-Systeme nicht nur als Werkzeuge, die von Menschen programmierte Regeln ausführen oder Problemlösungen aus von Menschen kuratierten Datensätzen ableiten, sondern als ,Kollegen'“, formuliert der Sprecher des Projekts, Professor Kristian Kersting. „Es geht nicht darum, menschliche Intelligenz zu ersetzen, sondern sie in einer immer komplexeren Welt zuverlässig und zum Nutzen der Gesellschaft zu erweitern.“

Die neuartigen KI-Systeme sollen nicht nur lernen können, sondern sie werden auch Fakten erfassen und sie mit Formen abstrakten Denkens verknüpfen. Sie werden logische Schlussfolgerungen ziehen und kontextbezogene Entscheidungen treffen und daraus wieder lernen. Diese Zukunftsperspektive wird in Anlehnung an die beiden vorangegangenen Entwicklungsschübe in der Künstlichen Intelligenz als „dritte Welle der KI“ bezeichnet.

KI und Mensch: Partnerschaftlich interagieren

Zunächst will sich das Forschungsteam aus Informatik, Künstlicher Intelligenz, Cognitive Science und Lebenswissenschaften in der vorbereitenden Phase auf die systemischen und algorithmischen Grundlagen für die sogenannte System-KI fokussieren. In Anlehnung an die Systembiologie soll es möglich werden, mehrere Paradigmen der KI miteinander zu kombinieren. Neben den algorithmischen Grundlagen werden insbesondere neue Methoden des Systemdesigns, neue Methoden des Software Engineerings und Datenmanagements für KI, hierfür eine Schlüsselrolle spielen. Langfristig soll das Paradigma der System-KI das Fundament für die Entwicklung der „dritten Welle der KI“ bilden ‒ Künstliche Intelligenzen, die partnerschaftlich mit Menschen kontextbezogen lernen, schlussfolgern, Wissen aufbauen und agieren. Dadurch soll KI robust werden und transparent arbeiten, um bestmöglich Menschen und Gesellschaft zu dienen.

Professor Dr. Kristian Kersting, TU Darmstadt, Sprecher des Projekts „Third Wave of AI“

Die Erkenntnisse aus Theorie, Algorithmen und Anwendungen werden ineinandergreifen. Großen Nutzen können die Entwicklungen überall dort stiften, wo Daten, Fakten und Modelle aus unterschiedlichsten Quellen zusammengeführt und in multidimensionalen Situationen vernetzt und bewertet werden müssen – etwa bei der Analyse von Naturphänomenen in der Klimaforschung oder in der Medizin, dem Anwendungsschwerpunkt des Projekts.

Hessisches Zentrum für Künstliche Intelligenz

Die Förderung des Projekts „Third Wave of AI“ ergänzt das Investment des Landes in Höhe von rund 115 Millionen Euro für das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz ‒ hessian.AI. In dem Zentrum werden auf Basis der Expertise von 22 hessischen herausragenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in den nächsten vier Jahren 20 neue KI-Professuren eingerichtet. Ziel ist es, durch exzellente Forschungsstrukturen und modernste Arbeitsausstattung einen international sichtbaren und konkurrenzfähigen KI-Leuchtturm zu etablieren, der ein ideales Umfeld für Wissenschaft, Unternehmen und Start-ups bietet.

feu