LOEWE-Spitzen-Professur für Iryna Gurevych

Land fördert Erforschung von Wissensverarbeitung mit KI mit 2,52 Millionen Euro

04.03.2021

Die Informatik-Professorin Iryna Gurevych (44) wird Hessens erste LOEWE-Spitzen-Professorin. Das hat die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn heute bekanntgegeben. Das LOEWE-Programm stellt für ihr Arbeitsgebiet „Ubiquitäre Wissensverarbeitung“ am Fachbereich Informatik der TU Darmstadt über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 2,52 Millionen Euro zur Verfügung. Die Professorin lehrt und forscht seit 2006 an der TU Darmstadt in der Automatischen Sprachverarbeitung und Künstlichen Intelligenz – mit dem Fokus auf Anwendungen in Geistes-, Human- und Sozialwissenschaften.

Prof. Dr. Iryna Gurevych

Professorin Iryna Gurevych ist eine international anerkannte Expertin für Künstliche Intelligenz und Computerlinguistik. Es freut mich ganz besonders, dass es uns mit dem neuen Förderformat der LOEWE-Spitzen-Professur gelungen ist, sie in Hessen zu halten“, erklärte Wissenschaftsministerin Angela Dorn. Die zusätzlichen Mittel verschafften „einen großen Freiraum für Forschungsideen“.

„Die erstmals vergebene Auszeichnung ist ein sehr großer Erfolg für die TU Darmstadt“, sagte die Präsidentin der TU Darmstadt, Professorin Tanja Brühl. „Iryna Gurevych ist eine international geprägte Persönlichkeit, die mit ihrer interdisziplinären Forschung die herausragende Kompetenz der Universität in der Künstlichen Intelligenz unterstreicht. Sie stärkt damit in ausgezeichneter Weise das zentrale Forschungsfeld der TU „Information and Intelligence“. Wir freuen uns, dass mit Frau Gurevych eine hochgeschätzte Kollegin dank Unterstützung des Landes Hessen an der TU Darmstadt verbleibt.“

Interdisziplinär engagiert

Die Wissenschaftlerin leitete an der TU Darmstadt ab 2007 eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Emmy Noether-Forschungsgruppe zu „Ubiquitärer Wissensverarbeitung“ (UKP Lab); 2008 wurde sie mit einer Lichtenberg-Professur der VolkswagenStiftung ausgezeichnet. Seit 2009 ist sie Professorin für „Ubiquitous Knowledge Processing“ im Fachbereich Informatik der TU Darmstadt, seit 2015 ist sie Sprecherin des DFG-Graduiertenkollegs “Adaptive Preparation of Information from Heterogeneous Sources”.

Im vorigen Jahr wurde sie als „Fellow“ in die renommierte internationale wissenschaftliche Association for Computational Linguistics (ACL) aufgenommen.

Zugleich ist sie seit 2019 auch „Fellow" im European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS), dem europäischen Netzwerk für KI-Spitzenforschung, und seit 2020 ist sie Ko-Direktorin des Europäischen ELLIS Programms für das „Natural Language Processing“, also die Analyse natürlicher Sprache.

„Dank der LOEWE-Spitzen-Professur kann Frau Gurevych ihr interdisziplinäres Engagement in Hessen fortsetzen“, so Ministerin Dorn. „So zum Beispiel als Leiterin einer interdisziplinären Forschungsinitiative der Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Mainz und des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, die die Anwendung von KI in der Analyse von Daten für bessere politische Entscheidungen untersucht.“ Außerdem hob die Ministerin die Rolle von Iryna Gurevych „als leitende Wissenschaftlerin am Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit Athene“ und „ganz besonders als Gründungsmitglied des Hessischen Zentrums für Künstliche Intelligenz“ hervor.

Grundlagenforschung von Professorin Gurevych

Wie gestaltet man neue KI-Methoden, um riesige Textmengen automatisiert auszuwerten und höchst effizient für verschiedene Zielgruppen in der Gesellschaft implizite Zusammenhänge in einem Wust von Daten aus Texten und multimodalen Quellen zu erkennen? Wie gestaltet man die automatische Analyse von Texten so, dass die eingesetzten KI-Methoden sowohl präzise als auch sicher, vertrauenswürdig und gesellschaftskonform sind? Wie erzielt man Fortschritt im maschinellen Lernen, indem die erforschten Methoden in der Lage sind, aus einer geringen Menge an Trainingsdaten zu lernen, sich gut über viele Bereiche hinweg zu generalisieren, und aus den wenigen Nutzerdaten unter strikter Berücksichtigung von Datenschutz und Privatheit zu lernen?

Mit derartigen Grundlagenforschungsfragen beschäftigt sich das Team um Professorin Iryna Gurevych. Dabei entstehen grundlegend neue Ansätze, um die Sprachverarbeitung leistungsfähiger zu machen. Sie sind relevant für Akteure der Zivilgesellschaft, aus Politik und Wissenschaft.

Neue LOEWE-Programmlinie

Die LOEWE-Spitzen-Professur, eine neue Programmlinie des hessischen Forschungsförderungsprogramms, soll helfen, international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Hessen zu berufen oder in Hessen zu halten, um die strategische Profilbildung der Hochschulen zu unterstützen. Sie können für fünf Jahre zwischen 1,5 und 3 Millionen Euro (je nach Wissenschaftsgebiet) für ihre Sach- oder Personalausstattung erhalten. Vielversprechende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem frühen Karrierestadium können mit einer Ausstattung von zwischen einer und zwei Millionen Euro für fünf Jahre unterstützt werden. Das LOEWE-Programm hat seit 2008 für 15 LOEWE-Zentren, 64 LOEWE-Schwerpunkte und 324 LOEWE-Verbundvorhaben von Hochschulen mit kleinen und mittleren Unternehmen insgesamt rund 989 Millionen Euro bereitgestellt.

HMWK/feu