Made with LOVR

Grünes Technologie-Start-up entwickelt rein pflanzlichen Lederersatz

2022/09/22 von

Das Start-up Revoltech will mit einer veganen und nachhaltigen Lederalternative namens LOVR die Mode- und Möbelindustrie aufmischen. Die Idee überzeugt: Revoltech räumt einen Gründer- und Innovationspreis nach dem anderen ab, Investoren stecken Millionenbeträge in das Unternehmen, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck berief einen der drei Gründer kürzlich in den Mittelstandsbeirat der Bundesregierung. Die Expertise von Revoltech im Start-up-Ökosystem von Deutschland ist gefragt. Mit ihrer Vision von einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft treffen die Darmstädter Jungunternehmer den Nerv der Zeit.

Gründer-Team LOVR: Montgomery Wagner, Lucas Fuhrmann und Julian Mushövel (von links).

Das Material sieht aus wie Leder, fühlt sich an wie Leder, seine pflanzliche Herkunft kann man noch nicht einmal erahnen. Der Stoff LOVR wird mit einer einzigartigen Technologie aus pflanzlichen Reststoffen hergestellt. „Wir verwenden nach der Ernte zurückgebliebene Reste von Industriehanf, der in Deutschland angebaut wird“, erklärt Lucas Fuhrmann, einer der drei Gesellschafter des Start-ups Revoltech.

„Dieses Material wird eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt unserer Ökosysteme spielen.“ Die revolutionäre Idee steckt sogar im Firmennamen. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist Geschäftsgrundlage der jungen Firma. Das Verfahren haben sie sich patentieren lassen.

Klimafreundlich und nachhaltig

Vegane Lederalternative LOVR.

Das Fabrikat LOVR ist 100 Prozent biologisch abbaubar, vegan, erdöl- und chemiefrei – das erste rein pflanzliche Produkt mit lederähnlicher Optik, Haptik und Robustheit. Gegenüber echtem Leder spart es 99,7 Prozent CO2 ein, so die Jungunternehmer. Kunden könnten Farbe und Oberflächenprägung bestimmen und das Produkt mit herkömmlichen Nähmaschinen verarbeiten. „Unsere bahnbrechende Technologie stellt sicher, dass wir LOVR mit einem minimalen Kohlenstoff-Fußabdruck produzieren können“, ergänzt Julian Mushövel, Co-Founder und technischer Leiter von Revoltech. Ein ehrgeiziger Anspruch. Bislang kamen Hersteller von pflanzlichen Lederalternativen an chemischen Zusätzen in vergleichbarem Material nicht vorbei.

Ziemlich beste Freunde

Die Idee für das Produkt hatte Lucas Fuhrmann schon 2015. Damals machte er während seines Studiums in London ein Praktikum bei einem Modeunternehmen, das seine Textilien mit fairer und grüner Herstellung bewirbt. Fuhrmann stellte schnell fest: hinter der Marketingstrategie steckte mehr Greenwashing als echte Nachhaltigkeit. „In der Textilbranche wird viel gelogen“, so Fuhrmanns Erkenntnis. Er wollte es besser machen, forschte nach pflanzlichen Materialien, mit denen sich Textilien tatsächlich klimaschonend herstellen ließen, experimentierte in der elterlichen Garage im heimischen Friedberg. Mit Erfolg.

Damit aus der Idee ein Geschäftsmodell werden konnte, brauchte Lucas Fuhrmann allerdings Mitstreiter. „Ich bin als studierter Philosoph auf Experten angewiesen“, konstatiert Fuhrmann nüchtern. Die fand er in seinen besten Schulfreunden Montgomery Wagner, einem Politikwissenschaftler mit ausgewiesener Finanzexpertise und Julian Mushövel, Maschinenbauingenieur an der TU Darmstadt. Letzterer bat Professor Samuel Schabel darum, dessen Labore an der Universität für die weitere Entwicklung des Materials nutzen zu dürfen. Schabel, Leiter des Fachgebiets Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik, erkannte das Potenzial und unterstützt das Trio seither. Eine Win-Win-Situation für alles Beteiligten. Das Ergebnis ist LOVR.

Markt generieren

LOVR ist ein Akronym. Es steht für „Lederähnlich-Ohne Plastik-Vegan-Reststoffbasiert”. Die eigenwillige Namensgebung zeugt von Sprachwitz und Geschäftssinn zugleich: „Man muss einen Weg finden, Aufmerksamkeit zu schaffen“, grinst Lucas Fuhrmann, der bei Revoltech für Vermarktung und Vertrieb zuständig ist. „Ein Name ist dafür die einfachste Möglichkeit, vor allem wenn man kein Budget für eine große Marketingkampagne hat.“ Ein Schelm, wer bei LOVR an eine Dating-App denkt. Dass der Firmenname ebenso kreativ und humorvoll ausfällt, ist nur folgerichtig: Es ist der Produktname rückwärts gelesen und mit dem Zusatz „Tech“ als Anhängsel versehen. Technologie, das steht für Seriosität und Zukunft.

Videoportät LOVR

Das Start-up Revoltech hat den rein pflanzlichen Lederersatz LOVR entwickelt

Perfektes Ökosystem für Gründer

Lucas Fuhrmann, Julian Mushövel und Montgomery Wagner gründeten Revoltech im Jahr 2021. Es ist eine Ausgründung der TU Darmstadt. Mithilfe des TU-eigenen Gründungszentrums HIGHEST erhielt das Start-up ein EXIST-Stipendium der Bundesregierung. Dieses Gründerstipendium fördert Studierende, Absolvent:innen und Wissenschaftler:innen aus Hochschulen und Universitäten, die mit einer innovativen technologieorientierten Idee ein eigenes Unternehmen gründen möchten.

„Sowohl Professor Schabel als auch das Team von HIGHEST haben uns von Anfang an sehr unterstützt. Für ein Start-up wie unsere Firma Revoltech bietet Darmstadt das perfekte Ökosystem“, fasst Lucas Fuhrmann zusammen. Und: „Durch das HIGHEST-Coaching lernten wir, groß zu denken. Das muss man sich erst mal trauen.“ An unternehmerischem Mut fehlt es den jungen Gründern jedenfalls nicht.

Erfolgreiche Investorensuche

Seit Fuhrmann, Wagner und Mushövel von ihrer Geschäftsidee leben können, hat sich Revoltech rasant entwickelt. In nur einem Jahr konnte das Material LOVR bis zur Produktionsreife vorangetrieben werden. Gleich drei Investoren sind unterdessen davon überzeugt, dass Revoltech ein technologischer Durchbruch gelungen ist. Das Seed-Invest stammt von der Beteiligungsgesellschaft B Value und den Gründerfonds Hessen Capital 3 und HEAG.

„Diese Finanzspritzen verschaffen uns den Freiraum, in die industrielle Produktion einzusteigen“, resümiert Montgomery Wagner, der Finanzchef von Revoltech. Raus aus dem Labor, rein in die Produktion, das ist der nächste große Schritt noch dieses Jahr. Erste Autobauer sind auf Revoltech bereits aufmerksam geworden. An den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz kommt die Autoindustrie nicht mehr vorbei. Das spielt dem Start-up Revoltech in die Karten. Schafft es das Trio, LOVR in großen Mengen zu produzieren, stehen ihnen alle Türen offen.