Verleihung des Soroptimist International (SI) Club Darmstadt-Förderpreis
04.05.2026 von Martina Schüttler-Hansper
Anfang Mai 2026 erhielt Dr. Mohadeseh Bagherabadi in Anerkennung ihrer besonderen Leistung, eine erfolgreiche Promotion an der TU Darmstadt mit Muttersein zu vereinbaren, den Soroptimist International (SI) Club Darmstadt-Förderpreis. An der TU Darmstadt promovierte sie im Team von Professorin Annette Andrieu-Brunsen im Fachbereich Chemie. Inzwischen arbeitet sie als Postdoktorandin am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz.
Ihre Forschung in Darmstadt konzentrierte sich auf multifunktionale mesoporöse Materialien für Wundverbände mit integrierten Erkennungs- und kontrollierten Freisetzungsfunktionen. „Einfach ausgedrückt, arbeitete ich daran, einen ‚intelligenten‘ Wundverband zu entwickeln, der sowohl eine Infektion erkennen als auch darauf reagieren kann“, erklärt Bagherabadi.
Bereits in der Schule interessierte sie sich für die Naturwissenschaften. „Besonders gut erinnere ich mich daran, wie mein Chemielehrer zu mir kam und mir sagte, dass ich an einer Chemie-Olympiade auf Landesebene teilnehmen solle.“ Sie nutzte die Gelegenheit und erreichte gleich den dritten Platz. „Für mich war dieser Moment wichtig, nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern weil er mir zeigte, dass ich zu mehr fähig war, als ich mir vorgestellt hatte.“
Ihre weitere Schulzeit war geprägt von Engagement und Ehrgeiz. Lernmaterialien für die Hochschulaufnahmeprüfung waren teuer, sodass sie viel Zeit in Bibliotheken verbrachte. „Im ersten Jahr an der Oberschule nahm ich mir vor, drei Jahre lang mindestens acht Stunden täglich zu lernen, um mich auf die Prüfung vorzubereiten. Ich nutzte jede Quelle, die ich fand, getrieben von der Überzeugung, dass Bildung mir Türen öffnen könnte, die über die Grenzen meiner Lebensumstände hinausgingen.“
Mit Kind erfolgreich in der Wissenschaft
Statt an ihrem Kindheitstraum festzuhalten, Neurochirurgin zu werden, entschied sie sich für ein Chemiestudium an der Sharif University of Technology in Iran. „Im letzten Jahr meines Bachelorstudiums nahm mein Leben eine unerwartete Wendung, ich wurde schwanger“, sagt Bagherabadi. „Mein Studium musste ich erst einmal unterbrechen. Es war eine sehr schwierige Zeit. Doch meine Priorität war klar: Ich musste einen Weg finden, meinen Sohn zu versorgen und großzuziehen.“
Bagherabadi wuchs in einer herzlichen und eng verbundenen Familie auf. Ihre Eltern ermutigten sie, ihre Träume zu verfolgen, selbst wenn die Zukunft unsicher schien. Ihre Mutter war es dann auch, die sie daran erinnerte, dass es immer ihr Traum war, ihre Ausbildung fortzusetzen. Dass es möglich sei, einen Weg zu finden, beides unter einen Hut zu bringen. Die alleinerziehende Mutter nahm ihr Chemiestudium wieder auf und ihre Entschlossenheit wurde belohnt: „Nach Abschluss meines Bachelorstudiums wurde mir die Ehre zuteil, als eine der besten Studierenden ausgezeichnet zu werden.“ An der Ferdowsi-Universität in Mashhad absolvierte sie anschließend ein Masterstudium in Polymerchemie.
In Mainz arbeitet die Postdoktorandin in der Abteilung für Makromolekülsynthese von Professorin Tanja Weil. „Meine Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung selbstheilender Hybrid-Hydrogele als Bio-Tinten für die Regeneration von Nervenzellen im HEAL-X-Bioink-Projekt“, beschreibt sie und ergänzt „mein Kindheitstraum war es, Neurochirurgin zu werden. Jetzt lasse ich die Chemie die heikle Arbeit für mich erledigen – ganz ohne Skalpell!“
Ein anstrengender, aber lohnenswerter Weg
Den Soroptimist International (SI) Club Darmstadt-Förderpreis zu erhalten, ist eine Ehre für sie. „Er ist nicht nur eine Anerkennung meiner akademischen Arbeit, sondern auch eine Würdigung des Weges, der dahinter liegt: der vielen Stunden des Lernens, der Herausforderungen, denen ich mich als alleinerziehende Mutter stellen musste, sowie der Beharrlichkeit und des Engagements, die nötig waren, um meine Träume weiterzuverfolgen.“
Die Vereinbarkeit ihrer Karriere mit ihren Betreuungsaufgaben sieht Bagherabadi als größte Herausforderung auf ihrem Weg, insbesondere weil sie häufig zu Konferenzen und Fortbildungen reisen musste. „Ich hatte niemanden, auf den ich mich bei der Betreuung meines Sohns verlassen konnte. Ich musste sorgfältig planen und mich an die Schulferien meines Sohns anpassen, damit er mich begleiten konnte. Beides in Einklang zu bringen, kann schwierig und anstrengend sein“, sagt sie und ergänzt stolz, „es ist aber auch sehr lohnenswert. Er hat sich zu einem geselligen und international orientierten jungen Menschen entwickelt.“
Für sie ist diese Auszeichnung aber nicht nur eine persönliche Leistung. „Sie gehört meinen Eltern, meinem Sohn und allen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben. Sie gehört allen Frauen, insbesondere denen in meinem Land, die trotz der Hindernisse, denen sie gegenüberstehen, weiterhin ihre Ziele, Träume und Hoffnungen verfolgen. Außerdem möchte ich diese Auszeichnung meinen Landsleuten widmen, die auf dem Weg zur Freiheit von der Islamischen Republik massakriert wurden.“
Dr. Mohadeseh Bagherabadi steht stellvertretend für eine Reihe von hoch qualifizierten Bewerberinnen um den Förderpreis, die alle große Anerkennung für ihre Leistungen verdienen.
Soroptimist International Club Darmstadt-Förderpreis
Mit dem Soroptimist International (SI) Club Darmstadt-Förderpreis würdigt der Soroptimist International Club Darmstadt zusammen mit der TU Darmstadt die besonderen Herausforderungen von Müttern in der Wissenschaft.
Der Preis richtet sich an Mütter, die mit ein oder mehreren Kindern erfolgreich an der TU Darmstadt promoviert und in ihrer Promotionsphase zugleich mindestens ein minderjähriges Kind betreut haben. Der Preis wird jährlich verliehen und ist mit 2000 Euro dotiert. Im Mai 2026 erfolgte die erste Preisvergabe, die nächste Ausschreibung erfolgt im Herbst 2026.