Internationale Perspektiven auf Kreislaufwirtschaft

AMIR Summer School verbindet Recyclingforschung und Entrepreneurship

10.06.2026

Wie lassen sich Materialien nachhaltiger nutzen und wertvolle Rohstoffe im Kreislauf halten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der internationale Masterstudiengang Advanced Materials and Innovative Recycling (AMIR). Studierende aus aller Welt erwerben hier Fachwissen zu Materialwissenschaften und Recyclingtechnologien und sammeln gleichzeitig internationale Erfahrungen. Jedes Jahr mündet der Master in einer Summer School, dieses Jahr mit Schwerpunkt auf Entrepreneurship. Im Interview erläutert Dr. Joachim Brötz, Koordinator von Seiten der TU Darmstadt, was das Programm auszeichnet, welche Bedeutung Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien haben und warum Entrepreneurship in diesem Jahr im Mittelpunkt der AMIR Summer School steht.

Der Masterstudiengang Advanced Materials and Innovative Recycling (AMIR) bringt internationale Studierende aus verschiedenen Hochschulen zusammen. Was zeichnet das Programm aus, und welche Ziele verfolgt es?

Dr. Joachim Brötz: Der internationale Masterstudiengang Advanced Materials and Innovative Recycling (AMIR) verbindet Hochschulen aus mehreren europäischen Ländern und richtet sich an Studierende aus Bereichen wie Chemie, Materialwissenschaften und Ingenieurwesen. Das Besondere am Programm sind seine starke internationale und interdisziplinäre Ausrichtung sowie der Fokus auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.

Ein zentrales Merkmal ist die Zusammenarbeit mehrerer europäischer Universitäten. Die Studierenden wechseln im Verlauf des zweijährigen Programms zwischen verschiedenen Standorten und lernen dadurch unterschiedliche wissenschaftliche Schwerpunkte und Forschungskulturen kennen.

Ein besonderes Ziel des Programms ist es, Fachkräfte auszubilden, die Lösungen für globale Ressourcen- und Umweltprobleme entwickeln können.

Darüber hinaus verfolgt das Programm das Ziel, sogenannte T-shaped professionals auszubilden: Menschen mit tiefem Fachwissen in Material- und Recyclingtechnologien sowie gleichzeitig breiten Kompetenzen in Teamarbeit, interkultureller Kommunikation und Entrepreneurship. Durch internationale Gruppenarbeiten, Praktika und Kooperationen mit Industriepartnern werden die Masterstudierenden gezielt auf Tätigkeiten in Forschung, Industrie und nachhaltiger Technologieentwicklung vorbereitet.

AMIR beschäftigt sich mit einem Thema, das aktuell stark an Bedeutung gewinnt. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie in diesem Bereich – sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus gesellschaftlicher Perspektive?

Brötz: Aus wissenschaftlicher Perspektive besteht eine der größten Herausforderungen darin, Materialien so zu entwickeln, dass sie leistungsfähig und gleichzeitig recycelbar sind. Viele moderne Produkte – etwa Batterien, Elektronik oder Verbundwerkstoffe – bestehen aus komplexen Materialkombinationen, die sich nur schwer trennen und wiederverwerten lassen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an sogenannten kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Seltenen Erden enorm an. Forschung wird immer wichtiger, um effizientere Recyclingverfahren und alternative Materialien durch Substitution zu entwickeln und „Design for Recycling“ mitzudenken.

Die Entwicklung einer Circular Economy bietet neue Arbeitsplätze, innovative Geschäftsmodelle und langfristig eine nachhaltigere Wirtschaftsweise. Unternehmen investieren zunehmend in grüne Technologien, und auch auf europäischer Ebene fördern Programme wie der „Green Deal“ gezielt nachhaltige Innovationen.

Ich denke deshalb, dass Studiengänge wie AMIR besonders relevant sind, weil sie technische Expertise mit internationaler und interdisziplinärer Zusammenarbeit verbinden. Um globale Umwelt- und Ressourcenprobleme zu lösen, braucht es Fachkräfte, die nicht nur wissenschaftlich kompetent sind, sondern auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen.

In diesem Jahr steht Entrepreneurship im Mittelpunkt der Summer School. Warum haben Sie dieses Thema gewählt, und welche Impulse möchten Sie den Teilnehmenden mitgeben?

Brötz: Wir haben Entrepreneurship als Schwerpunkt gewählt, weil technologische Innovationen allein nicht ausreichen, um gesellschaftliche Herausforderungen wie Ressourcenknappheit, Klimawandel oder nachhaltige Produktion erfolgreich zu bewältigen. Gute Forschung entfaltet ihre Wirkung erst dann wirklich, wenn Ideen in konkrete Anwendungen, Produkte oder Geschäftsmodelle umgesetzt werden können.

Gerade im Bereich nachhaltiger Materialien und Recycling sehen wir aktuell einen großen Bedarf an Menschen, die wissenschaftliches Wissen mit unternehmerischem Denken verbinden können. Viele Lösungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft entstehen heute an der Schnittstelle von Forschung, Industrie und Start-ups.

Die Summer School soll deshalb nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch Impulse für persönliches Wachstum geben. Die Teilnehmenden sollen lernen, im Team zu arbeiten, Ideen zu entwickeln, Risiken einzuordnen und ihre Projekte überzeugend zu kommunizieren. Besonders wichtig ist uns dabei die Botschaft, dass Entrepreneurship nicht nur Unternehmensgründung bedeutet. Unternehmerisches Denken heißt auch, initiativ zu handeln, Innovationen voranzutreiben und Veränderungen aktiv mitzugestalten – egal ob später in Forschung, Industrie oder im öffentlichen Sektor.

HIGHEST unterstützt AMIR Summer School zum Thema Entrepreneurship

Das Innovations- und Gründungszentrum HIGHEST der TU Darmstadt begleitet wesentlich die Organisation der zweitägigen AMIR Summer School zum Thema Entrepreneurship. In einer Mischung aus interessanten Workshops, hochkarätigen Praxisvorträgen und der Vorstellung von Start-ups der TU Darmstadt erhalten die international Studierenden einen guten Einblick in das Innovationsökosystem der TU Darmstadt. In einem interaktiven Format werden Methoden vermittelt und Impulse gesetzt.

Mit diesem Engagement stärkt HIGHEST den internationalen Austausch im Bereich Innovation und Entrepreneurship. Im Anschluss an die Summer School erhalten die Studierenden ihre Masterurkunden.

Mehr erfahren

red