Drei Projekte, großes Potenzial
30.06.2026
Die TU Darmstadt hat im internationalen Wettbewerb um Fördergelder erneut sehr gut abgeschnitten: Drei Wissenschaftler werden vom Europäischen Forschungsrat (ERC) mit einem „Proof of Concept“-Grant ausgezeichnet. Die ausgewählten Projekte zu Elektronenmikroskopie, biomedizinischer Forschung und zur Sicherheit beim Austausch von Chip-Bauplänen erhalten über einen Zeitraum von 18 Monaten je 150.000 Euro. Ziel der Förderung ist es, Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung zu überführen.
In der aktuellen Förderrunde hat der ERC alle der beantragten Projekte der Forschenden der TU Darmstadt ausgewählt: „CALIBRATE“ von Professor Leopoldo Molina-Luna (Fachbereich Material- und Geowissenschaften), „cryo-iLM“ von Professor Thomas Burg (Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik) und „MIRAGE“ von Professor Ahmad-Reza Sadeghi (Fachbereich Informatik).
Matthias Oechsner,
Vizepräsident Forschung der TU Darmstadt
Ich gratuliere den Kollegen Molina-Luna, Burg und Sadeghi ganz herzlich zu ihren Erfolgen. Sie zeigen einmal mehr, welche nachhaltige Innovationskraft die TU Darmstadt entfaltet.
„Ich freue mich sehr, dass im Anschluss an die erfolgreiche Grundlagenforschung in den Projekten unserer ERC Grants nun gleich dreifach das wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationspotenzial dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgelotet und gehoben werden kann“, sagt Professor Matthias Oechsner, Vizepräsident für Forschung an der TU Darmstadt. „Ich gratuliere den Kollegen Molina-Luna, Burg und Sadeghi ganz herzlich zu ihren Erfolgen. Sie zeigen einmal mehr, welche nachhaltige Innovationskraft die TU Darmstadt entfaltet.“
Von der Forschung in die Anwendung
Mit „Proof of Concept“-Grants soll die Kontinuität von hochkarätiger Forschung sichergestellt werden. Gefördert werden hier nicht neue Projekte, sondern ausschließlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereits einen ERC-Grant innehaben und ein Forschungsergebnis aus ihrem laufenden oder abgeschlossenen Projekt vorkommerziell verwerten möchten. Ziel eines „Proof-of-Concept“-Projektes soll es sein, das Marktpotenzial einer solchen Idee zu überprüfen. Der ERC finanziert hiermit also keine Forschungsaktivitäten, sondern Maßnahmen zur Weiterentwicklung im Hinblick auf die Anwendungsreife, Kommerzialisierung oder Vermarktung einer Idee. In der jüngsten Förderrunde wurden 182 Grants vergeben, 554 Anträge waren eingereicht worden. Nach Deutschland gingen dabei 31 der begehrten Förderungen, davon vier an die TU München und jeweils drei an die TU Darmstadt sowie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Projekt „CALIBRATE“, Professor Leopoldo Molina-Luna
„CALIBRATE“ (Chip-based Accurate eLectron Intensity Beam Readout for Advanced TEM Experiments) entwickelt einen neuen Kalibrierungsstandard für die Transmissionselektronenmikroskopie – einem der wichtigsten Werkzeuge der modernen Materialforschung. Damit Messergebnisse zuverlässig und vergleichbar sind, muss die Intensität des Elektronenstrahls am Untersuchungsort exakt bekannt sein. Bislang existiert hierfür jedoch kein allgemein nutzbarer Standard. Diesen möchte Professor Leopoldo Molina-Luna, Mitglied des Forschungsfelds Matter and Materials (M+M), im Projekt „CALIBRATE“ entwickeln. Dazu werden mikroskopisch kleine Faraday-Becher auf Chips integriert, die bereits in modernen Transmissionselektronenmikroskopen eingesetzt werden. So lässt sich der Elektronenstrahl unmittelbar am Probenort präzise messen. „CALIBRATE“ baut auf den Erfahrungen aus den PoC- Projekten „STARE“ und „BED-TEM“ auf und ist bereits das fünfte ERC-geförderte Vorhaben von Molina-Luna. Im Projekt besteht eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der RMU-Partnerin Goethe-Universität Frankfurt.
Projekt „cryo-iLM“, Professor Thomas Burg
Bisherige Mikroskopieverfahren stoßen bei lebenden Zellen schnell an Grenzen: Bewegung, Lichtempfindlichkeit und fortlaufende biologische Veränderungen erschweren hochauflösende Untersuchungen. Ein Schockgefrieren in Sekundenbruchteilen kann dieses Problem lösen, jedoch sind heutige Lichtmikroskope bei tiefen Temperaturen in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Hier setzt das Projekt „cryo-iLM“ von Professor Thomas Burg an, Mitglied des Forschungsfelds Matter and Materials (M+M). Das Ziel ist eine neuartige Mikroskopie-Plattform: Mithilfe von Mikrosystemtechnik sollen ultrakalte Proben auf kleinstem Raum direkt und zerstörungsfrei mit dem Objektiv des Mikroskops in Kontakt gebracht werden. So lassen sich die Strukturen in ihrem Inneren in höchster Auflösung auch im kalten Zustand abbilden, was neue Möglichkeiten in der biomedizinischen Grundlagenforschung eröffnet. Das Vorhaben baut direkt auf Burgs ebenfalls ERC-gefördertem Projekt „MICROCRYO“ auf.
Projekt „MIRAGE“, Professor Ahmad-Reza Sadeghi
Computerchips bestehen heute aus vielen IP-Bausteinen, die Firmen austauschen – praktisch für die Entwicklung, aber riskant: Künstliche Intelligenz kann solche Designs immer besser erkennen und kopieren. Das Projekt „MIRAGE“ setzt genau hier an: Es verändert den RTL-Code – die Beschreibungssprache für Chip-Schaltungen – automatisch so, dass er funktional exakt gleichbleibt, für KI-Systeme aber kaum wiederzuerkennen ist. So können Unternehmen ihre Designs sicherer teilen, ohne Geschäftsgeheimnisse preiszugeben. Geleitet wird das Proof-of-Concept-Projekt von Ahmad-Reza Sadeghi. „MIRAGE“ ist angesiedelt am Fachbereich Informatik (Forschungsfeld Information and Intelligence (I+I)). Es baut auf dem 2022 mit einem ERC Advanced Grant ausgezeichneten Projekt „HYDRANOS“ auf, das Chips durch nachträglich anpassbare Komponenten gegen Software-Angriffe schützt – und ergänzt diesen Schutz nun schon auf der Ebene des Design-Austauschs.
cst