Von der Forschung zum Start-up
11.09.2026
Die vom Centre for Synthetic Biology der TU Darmstadt und Futury organisierte Start-up-Sommerschule 2026 brachte 23 ambitionierte Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen aus den Bereichen Lebenswissenschaften, Ingenieurwesen und Informatik zusammen, um einer zentralen Frage nachzugehen: Wie lässt sich Spitzenforschung in der Synthetischen Biologie in ein erfolgreiches Start-up umsetzen?
An vier intensiven Tagen in Darmstadt und Frankfurt verließen die Wissenschaftler:innen das Labor, um unternehmerische Fähigkeiten zu entwickeln, Geschäftsideen zu validieren und zu lernen, wie bahnbrechende Technologien in der Praxis Wirkung entfalten können. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Innovation und Unternehmertum erlebten sie hautnah, was es braucht, um Forschung in unternehmerische Chancen zu verwandeln.
Die Start-up-Sommerschule richtete sich an Masterstudierende, Promovierende und Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen und erzeugte ein einzigartiges Umfeld, in dem Forschende, Gründer:innen, Investor:innen sowie Innovationsexpert:innen Ideen austauschen, Annahmen hinterfragen und Lösungen für die Herausforderungen von morgen entwickeln konnten.
Um Europas technologische Souveränität zu stärken und wissenschaftliche Exzellenz in wirtschaftliche und gesellschaftliche Wirkung umzusetzen, gewinnen Initiativen, die eine Brücke zwischen Forschung und Unternehmertum schlagen, zunehmend an Bedeutung. Die Start-up-Sommerschule bietet einen praktischen Weg, diese Brücke zu schlagen – indem sie Forschenden die Werkzeuge, Netzwerke und das Selbstvertrauen an die Hand gibt, das Unternehmertum als Weg zu erkunden, um mit ihrer Forschung Wirkung zu erzielen.
Von Pionieren aus Wissenschaft und Unternehmertum lernen
Das Programm begann mit einem zweitägigen Symposium im Wissenschaftsschloss der TU Darmstadt, zu dem Heinz Koeppl, der Sprecher des Centre for Synthetic Biology, über 70 international führende Forschende, Start-ups und Investor:innen begrüßte. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in neue Technologien in den Bereichen Synthetische Biologie, Protein-Engineering und KI-gestützte Biotechnologie von Referierenden wie Dominik Niopek (Universität Heidelberg), Alena Khmelinskaia (LMU München), Thomas Schlichthaerle (Technische Universität München), Basile Wicky (ETH Zürich) und Julian Beck (Universität Bayreuth).
Auch von der unternehmerischen Seite kamen inspirierende Impuls. Gründer:innen, Investor:innen sowie Akteur:innen des Innovationsökosystems, darunter Ingmar Schuster (Provolut), Dhaarsi Jaksch (MAGMATIC Bio), Owen Jarman (DynaPore), Bernd Hoffmann (SRTD Biotech), Nikolaus Vollmer (HTGF) und Lukas Lang (Nucleate), berichteten von ihren Erfahrungen bei der Gründung wissenschaftsbasierter Unternehmen, der Kapitalbeschaffung und der Markteinführung.
HIGHEST, das Innovations- und Gründungszentrum der TU Darmstadt, nahm am Programm in Darmstadt und Frankfurt teil und bildete eine wichtige Brücke zwischen der wissenschaftlichen Forschung und den nächsten unternehmerischen Schritten der Teilnehmenden – von der Erkundung des kommerziellen Potenzials bis hin zum Verständnis, wie Forschung in ein Start-up umgesetzt werden kann.
Von der Idee zum Geschäftsmodell
Im Anschluss an das Symposium bildeten die Teilnehmenden interdisziplinäre Teams und arbeiteten gemeinsam mit Coach Bartosz Kajdas (Startups from Science) daran, wissenschaftliche Herausforderungen in skalierbare Geschäftsmöglichkeiten umzuwandeln. In Workshops, Mentoring-Sitzungen und durch praxisorientiertes Coaching lernten sie, wie man Kundenprobleme identifiziert, Wertversprechen definiert, Marktchancen bewertet und Investor:innen komplexe Technologien vermittelt.
Forschende aus verschiedenen Disziplinen bündelten ihr Fachwissen, um Herausforderungen in den Bereichen Biotechnologie, Gesundheitswesen, Nachhaltigkeit und synthetische Biologie anzugehen, und entwickelten so innovative Konzepte, die sowohl wissenschaftliche Tiefe als auch kommerzielles Potenzial aufweisen.
Pitch Day: Wissenschaft trifft Unternehmertum
Der Höhepunkt des Programms war ein Pitch Day bei Futury in Frankfurt, bei dem die Teams ihre Start-up-Konzepte einer Fachjury vorstellten, bestehend aus Heinz Koeppl (TU Darmstadt), Marisela Rodriguez (EPD Consulting), Enno Lang (Futury) und Jule Goike (HTGF).
Das Gewinnerteam NanoResolve, bestehend aus Niko Faul, Hongfei Liu, Mohammadjavad Jazini Dorcheh und Srimathi Sasisekar, überzeugte die Jury mit einer überzeugenden Lösung für einen technologischen Engpass in der hochauflösenden Mikroskopie. Ihr Konzept ist eine modulare Plattform für die kryogene Lichtmikroskopie, die es Forschenden ermöglicht, gentechnisch veränderte Zellen, synthetische Kompartimente und molekulare Strukturen in hoher Auflösung zu untersuchen und dabei Bedingungen zu bewahren, die ihrem natürlichen Zustand nahekommen. Durch die Integration der kryogenen Lichtmikroskopie mit der Elektronenmikroskopie hilft NanoResolve Forschenden dabei, biologische Funktionen mit strukturellen Informationen zu verknüpfen.
Der zweite Platz ging an das Team texscAvengers, vertreten durch Ajitha Nayac Ravichandira, Noor Ul Ain, Shatakshi Roy, Pratham Patil und Amruth Arun Belawadi. Das Team widmete sich der zunehmend drängenden Herausforderung des Textilabfalls, der durch die Fast-Fashion-Industrie entsteht. Ihr innovativer Ansatz nutzt thermostabile Enzyme, um gemischten Textilabfall abzubauen und in wertvolle biologische Rohstoffe umzuwandeln. Die langfristige Vision besteht darin, ausgediente Textilien in eine Ressource für die Herstellung hochwertiger Produkte wie Arzneimittel, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel zu verwandeln und so den Übergang zu einer zirkulären Bioökonomie voranzutreiben.
Über die Auszeichnungen hinaus werden beide Gewinnerteams ihren unternehmerischen Weg im Rahmen des „Lab2Market“-Programms von Futury fortsetzen, wo sie ihre Ideen weiterentwickeln, ihr Marktpotenzial testen und den Weg zur Unternehmensgründung erkunden können.
Die Veranstaltung endete mit der Futury-Sommerparty, die den Teilnehmenden die Gelegenheit bot, ihre Netzwerke zu erweitern und Möglichkeiten für zukünftige Kooperationen auszuloten.
Die nächste Generation wissenschaftlicher Unternehmer fördern
Die von Melanie Mikosch-Wersching (TU Darmstadt) und Lena Rosini (Futury) organisierte Start-up-Sommerschule zeigt, dass Forschung und Unternehmertum eine starke Kombination bilden. Durch die Zusammenführung verschiedener Akteur:innen trägt das Programm dazu bei, das kommerzielle Potenzial wissenschaftlicher Entdeckungen zu erschließen und ein stärkeres Innovations- und Start-up-Ökosystem in der Rhein-Main-Region aufzubauen. Im weiteren Sinne spiegelt die Start-up-Sommerschule die Rolle von Futury wider, die verschiedenen Teile dieses Ökosystems miteinander zu verbinden. Das Ziel besteht nicht einfach darin, einzelne Start-ups zu gründen, sondern Netzwerke und Strukturen aufzubauen, die es ermöglichen, wissenschaftliche Ideen effektiver vom Labor auf den Markt zu bringen.
Für viele Teilnehmende war die Start-up-Sommerschule nicht nur eine Einführung in das Unternehmertum, sondern auch der erste Schritt auf dem Weg, selbst Gründer oder Gründerin zu werden. Was mit einer wissenschaftlichen Entdeckung beginnt, kann zu einer Geschäftsmöglichkeit, einer neuen Technologie und letztendlich zu einem Unternehmen mit realer Wirkung werden.
Wie geht es weiter?
Die Start-up-Sommerschule ist nur eine von vielen Möglichkeiten, mit dem Innovations- und Unternehmer-Ökosystem von Futury in Kontakt zu treten. Von „Lab2Market“ und „Build Days“ bis hin zu Matching-, Lern- und Networking-Formaten bietet Futury verschiedene Wege, Ideen zu entwickeln, Teams aufzubauen und Chancen in die Tat umzusetzen.
Melanie Mikosch-Wersching