Spitzenforschung im Verbund

Die Rhein-Main-Universitäten bilden einen gemeinsamen Wissenschaftsraum

29.09.2026

Ob Sensoren für die Krebstherapie bei Kindern, Eisen als Ersatz für seltene Metalle oder die Frage, was die Kennzeichnung von KI mit menschlicher Kreativität macht: Gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) betreibt die TU Darmstadt in der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) Spitzenforschung im Verbund. Ein Überblick.

Wissenschaft mit Strahlkraft: TU Darmstadt, Goethe-Universität und JGU forschen gemeinsam.

Als starke Forschungsuniversitäten mit komplementären Profilen arbeiten die RMU in mehr als 30 Verbundprojekten zusammen. In ihren Profilbereichen DATA, HEALTH, MATTER und SOCIETY bündeln die Universitäten ihre Aktivitäten und widmen sich großen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die eine einzelne Einrichtung nicht allein bewältigen kann. Sichtbar wird diese Stärke unter anderem in derzeit mehr als zwei Dutzend Sonderforschungsbereichen und Transregios der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), an denen jeweils zwei oder alle drei Universitäten maßgeblich beteiligt sind, sowie in lebendigen fach- und themengetriebenen Netzwerken.

RMU-Allianz im Exzellenzwettbewerb

Auch in der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder treten die drei Universitäten gemeinsam an: Im Mai 2025 wurden fünf Clusterinitiativen der RMU für eine Förderung ab 2026 bewilligt. Dazu gehören der Cluster „Reasonable Artificial Intelligence (RAI)“ unter Federführung der TU Darmstadt, an dem unter anderem die Goethe-Universität beteiligt ist, sowie „The Adaptive Mind (TAM)“, der von der Justus-Liebig-Universität Gießen geleitet wird und an dem die TU über das Centre for Cognitive Science maßgeblich beteiligt ist.

Der Erfolg der RMU-Clusterinitiativen ermöglichte es den drei Universitäten, einen weiteren Schritt zu gehen. Mit dem Antrag „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative.“ bewerben sich die RMU nun um die Förderung als Exzellenzuniversität im Verbund.

Wie die TU Darmstadt im RMU-Verbund forscht und wie die Kooperation die Forschung an der TU Darmstadt voranbringt – von der Grundlagen- bis zur Anwendungsforschung –, zeigen die folgenden aktuellen Beispiele.

Neue Wege in der Medizin

An einem neuartigen intelligenten Sensorsystem, das die Therapie von Kindern mit Krebserkrankungen entscheidend verbessern kann, arbeiten Forschende der TU Darmstadt und der Goethe-Universität seit Anfang dieses Jahres im Projekt „Personalisierte Medizintechnik für das therapeutische Drug-Monitoring am Point-of-Care in der pädiatrischen Onkologie – MultiDrug-TDM“. Sieben Fachgebiete der TU Darmstadt bringen technologische Innovationen aus Biosensorik, Biophotonik, Nano-Materialien und Mikro-Nanofluidik, 3D-Drucktechnologie sowie KI-gestützter Signalverarbeitung und Datenanalyse ein. Diese werden mit medizinischer Spitzenkompetenz in der pädiatrischen Onkologie und klinischen Pharmakologie am Fachbereich Medizin der Goethe-Universität gepaart.

Wie sich in menschlichen Zellen natürlich vorkommende Proteine nutzen lassen, um Therapeutika gezielt zu erkrankten Zellen zu lenken, zeigt ein multidisziplinäres Team. Die Studie ging aus den Projekten ProxiTRAPS und ProxiDIRECT des BMBF-geförderten Zukunftsclusters ProxiDRUGS hervor, in dem sich Wirkstoffforschende der RMU und des weiteren Rhein-Main-Gebiets zusammengeschlossen haben. Die Ergebnisse stützen die Ausgründungsinitiative MoProX; die enge Zusammenarbeit mit Merck wird die breite Anwendung für die Entwicklung innovativer Medikamente ermöglichen.

Forschende der TU Darmstadt und der Universitätsmedizin Mainz haben zudem untersucht, wie gut Zellen von Menschen, die im Kindesalter an Krebs erkrankt waren, strahlenbedingte Erbgutschäden reparieren können. Ihre Erkenntnisse über den zuständigen Reparaturmechanismus liefern zugleich Ansatzpunkte dafür, warum manche Menschen früh oder mehrfach an Krebs erkranken.

Eisen als Alternative für seltene oder kritische Metalle

Der Sonderforschungsbereich „Eisen, neu gedacht!“ („Iron, upgraded!“) mit Sprecherschaft an der TU Darmstadt ist in diesem Jahr in seine zweite Förderperiode gestartet. Ziel ist es, Eisen in seinen Verbindungen so zu beeinflussen, dass es zu einem selektiven, vielseitigen und wertvollen Ersatz für seltene, giftige oder kritische Metalle wird. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller drei RMU-Universitäten. Der Verbund eröffnet zudem neue Möglichkeiten, Forschung in die Lehre einfließen zu lassen. Der Erfolg des Sonderforschungsbereichs stärkt auch den RMU-Profilbereich MATTER.

Von unvorstellbaren Objekten bis zur KI-Kennzeichnung

Es gibt Orte, die kein Mensch je betreten wird, schlicht weil sie in unserer alltäglichen Wirklichkeit nicht existieren. Mathematikerinnen und Mathematiker im Sonderforschungsbereich/Transregio „GAUS“ („Geometry and Arithmetic of Uniformized Structures“) besuchen solche Orte täglich: Sie erforschen kuriose Objekte, die sich weder anfassen noch zeichnen lassen und die sich niemand vorstellen kann. Sprecheruniversität ist die Goethe-Universität, beteiligt sind außerdem die TU Darmstadt und die Universität Heidelberg; die JGU Mainz ist Partnerin.

Wie nah die RMU-Verbundforschung am Puls der Zeit sein kann, zeigt eine Studie der TU Darmstadt mit Beteiligung der Goethe-Universität. Seit dem 2. August 2026 gelten in der Europäischen Union neue Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte. Während die großen KI-Anbieter technische Lösungen entwickeln, mit denen sich Herkunft und Entstehung digitaler Inhalte nachvollziehen lassen, nimmt die Studie eine bislang wenig beachtete Nebenwirkung in den Blick: Was macht die Kennzeichnung von KI eigentlich mit der menschlichen Kreativität?

Die Beispiele zeigen, wie sich die Stärken der drei Universitäten ergänzen. Im Verbund forschen und lehren sie gemeinsam exzellent.

Gemeinsam forschen – weitere Beispiele

Verbundprojekte

  • Forschergruppe „Adaptive Polymergele mit kontrollierter Netzwerkstruktur“: sieben Arbeitsgruppen an sechs Standorten, darunter JGU Mainz (Sprecherschaft) und TU Darmstadt. Im Fokus stehen weiche Polymergele, die in Öl und Wasser quellen – etwa für Kontaktlinsen, antimikrobielle Beschichtungen oder Brennstoffzellen-Membranen.
  • Kooperation Afrikaforschung Rhein-Main: Alle drei RMU-Universitäten bündeln ihre Kräfte in der Afrikaforschung.
  • „Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands“: Langzeitvorhaben von JGU Mainz und TU Darmstadt unter dem Dach der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, das den Familiennamenbestand Deutschlands online erschließt.

Graduiertenkollegs

  • „Kontrolle über die Strukturbildung von weicher Materie an und mittels Grenzflächen“ (TU Darmstadt, JGU Mainz)
  • „Organizing Architectures“ (u. a. Goethe-Universität, TU Darmstadt)
  • „Ästhetik der Demokratie“ (Federführung Goethe-Universität, mit TU Darmstadt)
  • „Standards des Regierens“ (TU Darmstadt, Goethe-Universität)

Forschungszentrum

  • „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität: Netzwerk zur Frage, wie politische, rechtliche, religiöse oder ökonomische Ordnungen entstehen und sich wandeln – mit der TU Darmstadt als Partnerin.

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sip