MEMRISYS 2026: Memristoren-Forschung trifft sich in Darmstadt

Interview mit Mitorganisator Professor Lambert Alff

01.10.2026

Vom 5. bis zum 8. Oktober findet im Darmstadtium „MEMRISYS“, eine der wichtigsten internationalen Konferenzen zu Memristoren statt. Organisiert wird die Tagung von Professor Lambert Alff, Leiter des Fachgebiets Dünne Schichten im Institut für Materialwissenschaft, und Professor Christian Hochberger, Leiter des Fachgebiets Rechnersysteme am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Wir haben Lambert Alff anlässlich der Konferenz interviewt.

Nahaufnahme eines Memristors

Herr Professor Alff, ganz grundsätzlich: Was ist eigentlich ein Memristor – und wie würden Sie seine Funktionsweise jemandem erklären, der sich damit noch nie beschäftigt hat?

Memristor ist ein Kunstwort, dass sich aus „Memory“ und „Resistor“ zusammensetzt. Ein Memristor ist also ein Widerstand, der sich an die Ströme, die durch ihn hindurchgeflossen sind, „erinnert“, und zwar indem er seinen Widerstandwert verändert. Bei sehr viel kleineren Strömen kann man diesen Wert auslesen, ohne dass es der Memristor „merkt“, also ohne dass er seinen Widerstand ändert. Das hört sich zunächst ganz unspektakulär an, man kann aber damit bestimmte Rechenoperationen sehr energieeffizient durchführen. Und dies um so effektiver, je mehr Widerstandswerte erinnert werden können.

Professor Lambert Alff
Professor Lambert Alff

Was macht Memristor-Technologien für die Forschung derzeit so interessant?

Memristoren sind ein relativ neues Bauelement. Eine sehr relevante Forschungsrichtung ist, wie man digitale Memristoren (mit zwei Zuständen) so verändern kann, dass sie quasi analog (ganz viele Widerstandwerte) unterscheiden können. Das hängt mit neuen Materialien und neuem Schaltungsdesign zusammen. Es herrscht also eine Aufbruchsstimmung in der Community. Ein weiterer Aspekt ist neuromorphes Rechnen. Mit Memristoren kann man Funktionen des menschlichen Gehirns nachbilden. Das Gehirn ist extrem energie-effizient. Auch dies ist ein Zukunftsfeld der Elektronik.

Ein Schwerpunkt der MEMRISYS 2026 liegt auf dem Zusammenspiel von Memristor-Technologien und Künstlicher Intelligenz. Wie hängen diese beiden Forschungsfelder zusammen?

Die Rechenoperationen, von denen ich eben sprach, schließen Matrix-Vektor-Multiplikationen ein. Vielleicht können nur wenige mit dem Wort etwas anfangen. Aber alle nutzen diese Berechnungen, wenn sie auf ihrem Handy ChatGPT (natürlich TUDa ChatGPT) befragen. Und jeder hat auch gehört, dass künstliche Intelligenz enorm energiehungrig ist. Hier können Memristoren helfen.

Was erhoffen Sie sich als wissenschaftlicher Organisator vom Austausch bei der Konferenz – und was macht es gerade in diesem Forschungsfeld wichtig, unterschiedliche Disziplinen zusammenzubringen?

Internationaler Austausch ist enorm wichtig für die Wissenschaft. Ohne solche Konferenzen würde die Forschung wesentlich langsamer vorankommen. Im persönlichen Austausch entstehen auch oft ganz neue Ideen.

Wir haben auch ein besonderes Highlight: Professor Leon Chua, der den Memristor aus theoretischen Überlegungen postuliert hat, wurde dieses Jahr 90 Jahre alt. In einer speziellen Sitzung werden wir der Entwicklung des Memristors von seinen Anfängen bis hin zu den heutigen und zukünftigen Anwendungen Revue passieren lassen. Auch Leon Chua wird persönlich einen Festvortrag halten.

Die Fragen stellte Bettina Bastian