Digitale Interpretation linguistischer Daten

Neuer englischsprachiger Master-Studiengang Data and Discourse Studies

28.05.2019 von

In der Wissenschaft und Wirtschaft fallen immer größere Datenmengen an. In Marktanalyse- oder auch Kommunikationsabteilungen braucht es gleichzeitig Fachleute, die diese Daten verstehen, weiterverarbeiten und in zielgruppengerechte, verständliche Texte umwandeln. Marcus Müller, TU-Professor für digitale Linguistik, erklärt im Interview den neuen englischsprachigen Master-Studiengang Data and Discourse Studies.

Das Discourse Lab am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft. Bild: Jan-Christoph Hartung

Sprach- und Literaturwissenschaften vermutet man nicht unbedingt an einer Technischen Universität – müssen die Linguisten um ihren Platz zwischen Ingenieuren, Informatikern und Naturwissenschaftlern ringen?

Prof. Marcus Müller: Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, wir haben die Erfahrung gemacht, dass die anderen Fächer uns gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Die TU ist sehr interdisziplinär und anwendungsorientiert, das wird an der Universität auch so gelebt.

Ein guter Grund also, Sprachwissenschaften und den neuen Master-Studiengang an der TU zu studieren?

Ja, auf jeden Fall. Aus diesem Geist heraus ist der neue Studiengang Data and Discourse Studies entstanden. Zu unserem Fachbereich gehören neben den Sprach- und Literaturwissenschaftlern auch die Historiker, Philosophen, Soziologen und die Politikwissenschaftler. In all diesen Fächern spielen Methoden der Diskursanalyse und Fragen rund um das Thema Forschungsdaten eine wichtige Rolle. Insbesondere für digitale methodische Zugänge zu geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsdaten ist die TU Darmstadt ein wichtiges Zentrum. Wir kooperieren bereits interdisziplinär in Forschungsprojekten und haben auch die Ideen für diesen interdisziplinären Studiengang gemeinsam entwickelt.

Was ist das Besondere an Data and Discourse Studies?

Einen echt interdisziplinären Studiengang zur Diskursanalyse mit dem Schwerpunkt auf Forschungsdaten finden Sie an keiner anderen Universität in der Welt. Er ist auch nur in Darmstadt möglich. Die Diskursanalyse beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Sprache, Wissen und Gesellschaft. Schwerpunkt ist die Verquickung der Sprachanalyse mit historischen, soziologischen, philosophischen oder auch politikwissenschaftlichen Forschungsbereichen. Hinzu kommt die enge Verzahnung mit digitalen und informatischen Ansätzen.

Ein zentraler Punkt ist der Umgang mit Forschungsdaten, ihre Aufarbeitung und digitale Analyse. Im Kern handelt es sich bei Forschungsdaten der Geistes- und Sozialwissenschaften um gesprochene Sprache und schriftliche Texte. Im Studiengang geht es darum, wie ich diese sammle, ordne, analysiere und interpretiere. In der Wirtschaft arbeiten informatisch ausgebildete Data-Scientists mit immer größeren Datenmengen. Gleichzeitig braucht es jemanden, der diese Daten versteht, weiterverarbeitet und in zielgruppengerechte Texte umwandelt, etwa in Marktanalyse- und Kommunikationsabteilungen. Genau diese Leute bilden wir mit unserem neuen Studiengang aus.

Also eine Mischung aus Kommunikations- und klassischen Geisteswissenschaften, Wissensmanagement und Data-Science?

Der Studiengang bündelt viele dieser Aspekte und wird vor allem sehr forschungsorientiert sein. Dabei hat er aber ein klar geistes- und sozialwissenschaftliches Profil. Die Studierenden werden selbst kleine Forschungsarbeiten betreiben. Dabei orientieren wir uns an bereits vorhandenen Ergebnissen und Projekten aus unserem Fachbereich. Extra dafür ist derzeit die „Darmstadt Data and Discourse Cloud“ in Arbeit. Außerdem ist im dritten Semester ein Auslandsaufenthalt an einer unserer Partneruniversitäten, zum Beispiel in Aarhus oder Shanghai, vorgesehen.

Sie sind Germanist – warum wird der Studiengang englischsprachig sein?

In der Tat haben wir intensiv über die Studiengangssprache nachgedacht. Wir wollen jedoch bewusst internationale Studierende anziehen. Nicht nur wegen der Internationalisierungsstrategie der TU, sondern weil gerade die kulturelle Prägung in allen Fächern und Disziplinen unseres Fachbereiches und insbesondere in der Diskursanalyse eine entscheidende Rolle spielt. Je vielfältiger unsere Studierenden sind, desto besser wird der Studiengang.

Gibt es schon Reaktionen auf das neue Studienangebot?

Ja, es gibt bereits erste Anfragen etwa aus Rumänien, obwohl bisher noch wenige Informationen öffentlich sind. Das wird sich jetzt ändern und ein reges Interesse wäre eine schöne Bestätigung für unser Konzept.

Professor Marcus Müller. Bild: Jan-Christoph Hartung

Data and Discourse Studies

Der neue Studienangebot startet zum Wintersemester 2019/2020. Entwickelt wurde der englischsprachige, interdisziplinäre Master-Studiengang Data and Discourse Studies am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt. Er dauert zwei Jahre und schließt mit dem Master of Arts ab. Bewerben können sich Studierende mit einem Bachelor-Abschluss in einer geistes- oder sozialwissenschaftlichen Disziplin.

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