Das Fachgebiet für Mittelalterliche Geschichte am Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt schreibt im Rahmen des KRITIS-Graduiertenkollegs „Kritische Infrastrukturen: Konstruktion, Funktionskrisen und Schutz in Städten“ eine Promotionsstelle als

Wiss. Mitarbeiter_in (w/m/d) – 65%

für drei Jahre Laufzeit ab dem 1.10.2022 aus.

„Kritische Infrastruktur“ ist als beschreibungssprachliches und heuristisches Konzept zu verstehen. Es ermöglicht die Analyse von einfachen sozio-technischen Systemen mit schlichtem Netzcharakter im Mittelalter, die wesentlich für die Gesellschaft waren oder von den Zeitgenossen als wesentlich angesehen wurden.

Die Kombination von Straßen mit Wasserwegen, Brücken, Stapelplätzen, Hafenanlagen usw. kann z.B. ein Netz (auch für Kommunikationszwecke) bilden. Diese Systeme erfuhren in Städten eine Verdichtung und Verknüpfung. Zu ihnen zählen unter anderem: Straßen, Wege, Brücken; Einrichtungen, die Wasser nutzen, z.B. Wasserversorgungs- und Wasserentsorgungssysteme (Brunnen, Schöpfanlagen, Leitungen, Ehgräben); Systeme gewerblicher, agrikultureller und aquakultureller Nutzung von Wasser (Mühlen, Be- und Entwässerungssysteme, Fischteiche); das Transport- und Versorgungswesen (Straßen, Wasserwege/Kanäle/Schleusen, Floßteiche und -gräben, See- und Flusshäfen, allgemein Hafenanlagen mit Kränen, Werften usw.), Defensivstrukturen.

Von besonderer Bedeutung sind die Kritikalität der Infrastruktur sowie ihre materiellen, soziokulturellen, religiösen und politischen Dimensionen (z.B. Planung, Bau und Unterhalt, Prävention von Ausfällen, Baumeister als Spezialisten, Verwaltung, Bruderschaften/Genossenschaften/Stiftungen als Träger, Geleitwesen, Ladhöfe und Gasthäuser, Nutzungskonflikte, Repräsentativität und Symbolik von Brunnen und Brücken).

Eine Besonderheit der historischen Betrachtungsweise ist die Möglichkeit, neben dem ‚kritisch-Werden‘ auch das ‚unkritisch-Werden‘ einzelner Systeme beobachten zu können. Das kann eine Folge wirtschaftlicher oder technischer Veränderungen, aber auch von gesellschaftlichen Konflikten oder einschneidenden Ereignissen sein. Damit stehen die „Konstruktion“, „Funktionskrisen“ und der „Schutz“ von Infrastrukturen im Fokus.

Die Dissertation kann den Faktor Zeit in besonderem Maß thematisieren (ca. 8.-15. Jh.). Dazu gehört Zeit im Sinne des historischen Kontextes – Resilienz und Vulnerabilität beziehen sich in der Regel nicht nur auf die Infrastruktur, sondern die sie nutzende Gesellschaft. Des weiteren können länger andauernde Prozesse oder Zustände in den Blick genommen werden (Beispiel Funktionskrisen: schleichende Ursachen wie dauerhafte Umwelteinflüsse oder Vernachlässigung vs. plötzlich auftretende critical events). Mit Blick auf Infrastrukturen wäre auch an deren rhythmisierende Wirkung des Alltags zu denken oder an das Phänomen der Zeitschichten; Infrastrukturen wachsen über lange Zeiträume und enthalten Komponenten aus unterschiedlichen Epochen, die mehrfach ihre Funktion und Bedeutung ändern konnten. Ein besonderes Interesse gilt der Dynamik von Infrastrukturen in doppelter Perspektive: Die Dynamik, die durch Infrastrukturen auf oder in Gesellschaften ausgelöst wird und die Dynamik, die von der Gesellschaft auf Infrastrukturen wirkt (Zirkulation, Transformation und Konzept des System of Systems).

Die Bewerbung sollte einen oder mehrere der oben genannten Aspekte enthalten, nach Möglichkeit mit Bezug zu den Brückenkonzepten der Kollegs. Zum Rahmen des Graduiertenkollegs siehe https://www.kritis.tu-darmstadt.de/rtg_kritis/news_kritis_details_228800.de.jsp. Im Rahmen der vorhandenen Finanzmittel sind auch mehrmonatige finanzierte Auslandsaufenthalte möglich.

Voraussetzung für die Förderung ist ein überdurchschnittlicher wissenschaftlicher Hochschulabschluss (Master oder vergleichbar). Die regelmäßigen gemeinsamen Veranstaltungen finden in deutscher und englischer Sprache statt, es werden daher sichere englische Sprachkenntnisse und (bei Bedarf) Bereitschaft zum Erwerb guter Deutschkenntnisse erwartet. Dienstort ist Darmstadt.

Gelegenheit zur Vorbereitung einer Promotion wird gegeben. Das Erbringen der Dienstleistung dient zugleich der wissenschaftlichen Qualifizierung.

Die Technische Universität Darmstadt strebt eine Erhöhung des Anteils der Frauen am Personal an und fordert deshalb besonders Frauen auf, sich zu bewerben. Bewerber_innen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 oder diesen Gleichgestellte werden bei gleicher Eignung bevorzugt. Die Vergütung erfolgt nach dem Tarifvertrag für die Technische Universität Darmstadt (TV - TU Darmstadt).

Bitte reichen Sie Ihre Bewerbungen in deutscher oder englischer Sprache in elektronischer Form (komprimiert in einer Datei, max. 6 MB) ein unter: schenk@pg.tu-darmstadt.de und info@kritis.tu-darmstadt.de.

Folgende Bewerbungsunterlagen erwarten wir: (1.) Anschreiben mit Ihrer Motivation für die Promotion im GRK KRITIS, (2.) CV mit Angaben zu Studienverlauf, Sprachkenntnissen, Auslandserfahrungen, (3.) Akademische Zeugnisse (gescannt), und (4.) Exposee von zwei bis vier Seiten für ein Promotionsprojekt.

Bitte gehen Sie in Ihrem kurzen Exposee neben dem konzeptionellen Rahmen und Ihrer Fragestellung auf die empirischen Untersuchungsobjekte sowie auf Quellengattungen und -bestände ein und legen einen ersten Zeitplan vor. Für Fragen nehmen Sie bitte Kontakt mit dem potenziellen Betreuer Gerrit Jasper Schenk (gerrit.schenk@tu-darmstadt.de) auf.

Die Auswahlgespräche finden voraussichtlich Ende August 2022 in Darmstadt oder per Videokonferenz statt.

Mit dem Absenden Ihrer Bewerbung willigen Sie ein, dass Ihre Daten zum Zwecke des Stellenbesetzungsverfahrens gespeichert und verarbeitet werden. Sie finden unsere Datenschutzerklärung auf unserer Homepage.

Kenn-Nr. 538

Veröffentlicht am

03. August 2022

Bewerbungsfrist

26. August 2022