Mitarbeitergerechte Logistik

16.02.2018

Mitarbeitergerechte Logistik

Eric Grosse befasst sich mit menschlichen Faktoren im Lagermanagement

Der Wirtschaftswissenschaftler Eric Grosse befasst sich nicht nur mit betriebswirtschaftlichen Argumenten und Kostendruck: Bei seiner Forschung fokussiert er auf den Menschen. Als „Athene Young Investigator“ wird Grosse auf dem Weg zur Professur unterstützt.

Dr. Eric Grosse. Bild: Sandra Junker
Dr. Eric Grosse. Bild: Sandra Junker

Bäume bis zum Horizont, schroffe Berge, ein tiefblauer See und keine Menschenseele weit und breit. Die kanadische Wildnis, wie man sie sich vorstellt. Das Poster der Luftaufnahme hängt in Eric Grosses Büro im Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften gleich neben seinem Schreibtisch. Das Foto hat er aufgenommen, als er 2012 für ein halbes Jahr zu einem Forschungsaufenthalt an der Ryerson University in Toronto weilte. Über ein DAAD-Stipendium kam Grosse, der an der TU Darmstadt damals gerade seine Doktorarbeit schrieb, nach Kanada. „Eine tolle Zeit“, sagt er. Der heute 33-Jährige erinnert sich an eine sehr kollegiale wissenschaftliche Atmosphäre und Integration, die ihm für seine Promotion viel gebracht habe. „In Kanada habe ich gemerkt, dass mir das akademische Leben viel Spaß macht“, betont er.

Das war auch ein Grund dafür, dass sich Eric Grosse 2017 für den Athene Young Investigator der TU bewarb. Der Wirtschaftswissenschaftler am Fachgebiet „Produktion und Supply Chain Management“ will Professor werden. „Bei der angespannten Stellensituation an den Universitäten ist der Athene-Young-Investigator-Titel eine sehr gute Karriereunterstützung“, freut er sich über die Auszeichnung.

Eric Grosse forscht zum Thema Human Factors in der Lagerlogistik. Bei Prozessoptimierungen und Lagermanagement schaut er nicht nur allein auf die Kosten und betriebswirtschaftliche Argumente. „Es sind immer auch Menschen beteiligt.“ Dieser interdisziplinäre Blickwinkel wird seiner Ansicht nach bisher nicht ausreichend berücksichtigt. Grosse kalkuliert dagegen ein, dass sich Beschäftigte in Großlagern zwar erst orientieren müssen, aber Lerneffekte später einen verminderten Zeit- und geringeren Fehler-Faktor ausmachen. Er berücksichtigt auch Fragen, wie sinnvoll es beispielsweise ist, ähnliche Warenartikel in einem Lager nebeneinander einzusortieren oder sich bei der Höhenstaffelung am Gewicht zu orientieren. „Ergonomische Arbeitsbedingungen haben einen langfristigen Nutzen. Die Beschäftigten sind zufriedener und der Krankenstand ist niedriger“, sagt Grosse.

Für seine Athene-Young-Investigator-Forschung hat er sich nun zusätzlich auch der Thematik der Digitalen Transformation zugewandt. Grosse untersucht zusammen mit seinem Team, zu dem eine halbe Doktoranden-Stelle in Darmstadt und Kollegen aus Deutschland, Kanada und Italien zählen, wie sich das Lagermanagement sinnvoll technisch unterstützen lässt und wie sich das auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirkt. Datenbrillen etwa helfen den Beschäftigten bei der Orientierung und zeigen den Lagerplatz der Ware an. „Doch“, gibt er zu bedenken, „die Auswirkungen des Dauereinsatzes dieser Brillen sind noch nicht abschließend untersucht.“

2017 hat Grosse zusammen mit seinem Professor und Doktorvater Christoph Glock das Buch „Warehousing 4.0“ über das Lagermanagement der Zukunft herausgebracht. Sein Ansatz ist, die Beschäftigten so gut wie möglich durch Digitalisierung und Technik zu unterstützen. Er entwickelt Konzepte für eine Lagerlogistik, die mitarbeitergerecht plant und sich an den Fähigkeiten der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen orientiert. „Alter und Geschlecht der Beschäftigten sollten berücksichtigt werden oder auch die Schwere der körperlichen Arbeit.“ Die Wirtschaftlichkeit verliert Grosse dabei nicht aus dem Blick. So geht es beispielsweise auch um Fragestellungen, wie ein Exoskelett Menschen bei schweren Tätigkeiten unterstützen und die Arbeit zugleich effizienter machen könnte.

Auf internationalen Konferenzen, wie demnächst in Innsbruck, will Eric Grosse seine Arbeit vorstellen. Auch das ermöglicht ihm der Status des Athene Young Investigators, der eine finanzielle Unterstützung beinhaltet, die er eigenverantwortlich einsetzen kann. Mehr als bisher will sich der junge Wissenschaftler ebenso in der Lehre an der TU engagieren. Für das Sommersemester hat er ein Seminar zum Thema „Logistik 4.0“ vorbereitet. Er hat Kontakte zur Industrie und zu Unternehmen geknüpft. Seine Studierenden sollen einen realistischen Einblick gewinnen.

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