Eine ungewöhnliche Kombination

03.04.2018

Eine ungewöhnliche Kombination

Mathematikstudent Frederik Bous komponiert und hat ein Instrument erfunden

Frederik Bous ist Student an der TU Darmstadt. Doch neben seinem Studium von Mathematik und Computational Engineering liegt ihm ein ganz anderer Bereich am Herzen: die Musik.

Frederik Bous. Foto: Katrin Binner
Frederik Bous. Bild: Katrin Binner

Im Februar fand das Semesterabschlusskonzert von TU-Chor und TU-Orchester statt. Neben Kompositionen von Beethoven, Debussy und Haydn stand ein besonderes Werk auf dem Programm: die Uraufführung der Komposition »Das Mädchen aus Hunan« des TU-Studenten Frederik Bous. Ein Student, der an der TU erfolgreich Natur- und Ingenieurwissenschaften studiert und währenddessen musikalische Werke komponiert, die von Orchestern aufgeführt werden, ist sicherlich bemerkenswert – Grund genug für ein Porträt des 24-Jährigen.

Bous zeigte schon während seiner Schulzeit großes Interesse an den Naturwissenschaften. Nach dem Abitur entschied er sich für ein Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik in Darmstadt, das er nach vier Semestern mit dem Bachelor, Vertiefung Signalverarbeitung, abschloss. Da er sich besonders für die theoretischen Grundlagen der Elektrotechnik sowie Mathematik interessierte, entschloss er sich, im Anschluss Mathematik und computergestützte Ingenieurwissenschaften (Computational Engineering) zu studieren. Sein Mathematikstudium wird Bous voraussichtlich dieses Jahr mit dem Bachelor abschließen, und im Studienbereich Computational Engineering plant er seinen Masterabschluss im Sommer 2018.

Frühes musikalisches Interesse

Schon früh erwachte neben dem naturwissenschaftlichen aber auch sein musikalisches Interesse: Mit drei Jahren erhielt Bous Violinenunterricht und sammelte mit sechs erste Chorerfahrungen. Solo-Auftritte im Gesang folgten unter anderem in Mozarts Zauberflöte und in Brittens »The Turn of the Screw«. Als er dann zum Studium nach Darmstadt kam, schloss er sich schnell dem Mathe-Chor und dem TU-Chor an und wurde schließlich Leiter des Mathe-Chors. Doch nicht nur das: Angeregt durch die Kooperation von TU Darmstadt und der Akademie für Tonkunst Darmstadt studiert Bous zudem seit über vier Jahren an der Akademie Klavier sowie seit circa eineinhalb Jahren Kompositionslehre.

Als Komponist ist Bous vielseitig: Neben klassischen kammermusikalischen Stücken entstehen Stücke mit Live-Elektronik und experimentellen Instrumenten. Wiederkehrende Elemente seiner Kompositionen sind Mikrotonalität, klassische Formen und Aleatorik (Zufallsoperationen).

Die Verbindung von Technik und Bous’ musikalischen Interessen zeigt sich in seinem derzeitigen Studium. So beschäftigt sich Bous mit computergestützter Musikwissenschaft, musikalischer Musikverarbeitung und digitalen Instrumenten. Im Sommer 2016 hat er außerdem ein Instrument, das Gyrophon, erfunden, das mit einem Smartphone bedient wird und klanglich an ein Theremin – ein elektronisches Instrument, das berührungslos gespielt wird – erinnert. Es wurde zum ersten Mal beim Musikfestival »Zeitströme 2017« eingesetzt und war in Improvisationen und in von Bous komponierten Musikstücken zu hören.

Beeindruckt von chinesischem Gedicht

Frederik Bous mit dem TU-Orchester. Bild: Katrin Binner
Frederik Bous mit dem TU-Orchester. Bild: Katrin Binner

Nun wurde seine Komposition »Das Mädchen aus Hunan« (2017) von TU-Chor und -Orchester uraufgeführt. Grundlage dafür ist ein Gedicht der zeitgenössischen chinesischen Dichterin Zheng Xiaoqiong. Frederik Bous verbrachte während seines Elektrotechnik-Studiums ein Auslandsjahr an der Tongji-Universität in Shanghai und lernte dort Chinesisch. Seitdem interessiert er sich für moderne chinesische Literatur. Er hat Xiaoqiongs Gedicht in einem chinesischen Gedichtband entdeckt und war davon so beeindruckt, dass er es vertonte.

Seine Zukunft sieht Frederik Bous auf jeden Fall in der Verbindung seiner beiden Leidenschaften. Doch zuerst wird er im Sommer seine Masterarbeit zum Thema Erzeugung von Gesangsstimmen am Computer schreiben. Dann lockt vielleicht das IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) in Paris, ein Forschungsinstitut nicht nur für die Elektroakustik und Elektronik, sondern für die Forschung in allen Bereichen der Musik und Akustik.

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