Die Chemikerin Vera Krewald macht den Anfang

12.12.2018

Die Chemikerin Vera Krewald macht den Anfang

Erste Professur aus dem Tenure-Track-Programm besetzt

Der Dienstantritt von Chemieprofessorin Vera Krewald vor wenigen Tagen an der TU Darmstadt war etwas Besonderes: Sie ist die Erste an der TU Darmstadt, die aus dem Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Tenure-Track-Programm) finanziert wird.

Professorin Vera Krewald. Bild: Katrin Binner
Professorin Vera Krewald. Bild: Katrin Binner

Das Bundesforschungsministerium fördert bis 2032 tausend neue Tenure-Track-Professuren mit insgesamt bis zu einer Milliarde Euro. So soll ein zusätzlicher Karriereweg neben der „klassischen“ Professur an deutschen Universitäten etabliert werden. Die TU Darmstadt war als eine von bundesweit 34 Universitäten in der ersten Förderrunde erfolgreich und warb zwölf Professuren ein. Elf dieser Professuren schrieb die Universität bereits im Dezember 2017 aus, vier Berufungsverfahren sind inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Die frisch berufene Vera Krewald hat anlässlich ihres Starts wichtige Fragen beantwortet.

Womit hat die TU Darmstadt punkten können, als Sie entschieden, wohin der nächste Karriereschritt Sie führen soll?

Die TU Darmstadt kann als autonome Hochschule sehr viel gestalten und gibt ihren Forschern die Möglichkeit ohne Garantie auf kurzfristige Erfolge an langfristig relevanten Fragestellungen zu arbeiten. Außerdem gefällt mir innerhalb meines Fachbereichs besonders, dass sehr viele Aspekte der Chemie abgebildet werden. So haben die Studierenden die Möglichkeit, ein umfassendes Verständnis für das Fach zu entwickeln, womit die Grundlage für erfolgreiche Kooperationen zwischen den verschiedenen Forschergruppen gelegt wird.

Was finden Sie am Tenure-Track-Modell der TU Darmstadt attraktiv?

Die TU Darmstadt macht schon seit vielen Jahren gute Erfahrungen mit Tenure-Track-Professuren und eigenen Nachwuchsprogrammen. Ich finde wichtig, dass während der Tenure-Track-Phase fachfremde Mentoren eingesetzt werden. So werden Impulse gegeben, die bedeutende Entwicklungen innerhalb der Fachbereiche anstoßen können.

Wie erklären Sie den Nicht-Chemikern in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis Ihr Forschungsgebiet?

Die Quantenchemie verwendet aus der Physik bekannte Formeln, die mit Computerprogrammen auf Hochleistungsrechnern ausgewertet werden. So können die Strukturen und Eigenschaften von Molekülen berechnet werden. Besonders faszinierend finde ich, dass sogar für bisher unbekannte Moleküle sehr genaue Vorhersagen möglich sind. Im Konkreten möchten wir zum Beispiel natürliche Abläufe wie die Umwandlung von Sonnenenergie in chemische Energie bei der Photosynthese im Detail besser verstehen und dadurch gemeinsam mit Experimentatoren auch technisch besser nutzbar machen. Parallel dazu arbeiten wir an völlig neuen Reaktionspfaden, um Stoffe, die wir alle täglich verwenden, unabhängig von fossilen Ressourcen herstellen zu können.

Ihre drei stärksten Argumente, um ein Chemiestudium zu empfehlen?

Im Chemiestudium lernt man häufig anhand konkreter Phänomene und weniger mit abstrakten Gedankengängen. Es gibt einfach unglaublich viele Anknüpfungspunkte an den Alltag! Vorlesungen werden immer durch Praktika vervollständigt, sei es im Labor oder am Computer. Dadurch hat man ständig die Möglichkeit, die theoretischen Grundlagen selbst anzuwenden und die damit zusammenhängenden Effekte zu beobachten. Viele große Probleme der Gegenwart und Zukunft haben immer auch mit Chemie zu tun: beispielsweise Bevölkerungsentwicklung, Klimawandel, Energie- und Rohstoffwende. Kenntnisse aus einem Chemiestudium werden daher auch zukünftig auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sein und bilden eine hervorragende Grundlage, um an den Lösungen für diese Fragestellungen mitzuwirken.

Was möchten Sie als erstes an der Universität anpacken?

Für die Studierenden möchte ich zwei Vorlesungen entwickeln, die vermitteln werden, wie theoretische Chemie funktioniert und wie wir sie einsetzen können, um die Eigenschaften und das Verhalten von Molekülen vorherzusagen.

Welchen ersten Eindruck haben Sie von der Wissenschaftsstadt Darmstadt?

Die wissenschaftliche Tradition ist in Darmstadt spürbar und lebendig. Ich freue mich darauf die Stadt in den kommenden Jahren besser kennen zu lernen.

Tenure-Track an der TU Darmstadt

Die TU Darmstadt nutzt die Assistenzprofessur (früher Juniorprofessur) seit 2002 als alternativen Karriereweg zur Professur. Das erste Tenure-Verfahren wurde 2012 erfolgreich abgeschlossen. Seitdem folgten vier weitere Tenure-Verfahren.
Im Rahmen des Bund-Länder-Programms zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Tenure-Track-Programm) überzeugte die TU Darmstadt mit ihrem Konzept „Tenure Track 2.0 @ TU Darmstadt: Attraktiv, breit verankert, strukturbildend“.

Mit Hilfe der eingeworbenen Professuren
• möchte die Universität den Karriereweg Tenure-Track flächendeckend etablieren,
• die Planbarkeit und Transparenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs weiter erhöhen,
• mehr Frauen und mehr internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die TU Darmstadt gewinnen und
• die Professorenschaft vielfältiger gestalten.

Die TU Darmstadt möchte das Tenure-Track-Programm nutzen, um die Tenure-Track-Professur neben der „klassischen“ Professur zu einem Standardweg zur Professur zu machen. Sie wird im Jahr 2030 etwa die Hälfte ihrer Professorinnen und Professoren über eine W2-Assistenzprofessur mit Tenure-Track gewinnen.

Merkmale des Tenure-Track-Modells der TU Darmstadt:
• Grundsätzlich: W2-Tenure-Track-Professuren mit sechsjähriger Laufzeit
• Bei positiver Tenure-Entscheidung: Übernahme auf eine unbefristete W2-Professur
• Bei positiver Entwicklung nach fünf Jahren: ad-personam-Berufung auf W3 möglich

Elemente der Qualitätssicherung:
• Tenure-Zielvereinbarung: konkrete und für die Gewährung von Tenure verbindliche Ziele
• Mid-term review: Orientierungspunkt nach drei Jahren
• Tenure-Verfahren: Entscheidung über dauerhafte Übertragung einer unbefristeten W2-Professur

zur Liste