Medienschau: TU-Professor Hannig in der „Zeit“ über rechte Geschichtspropaganda

2025/11/26

Der TU-Historiker Nicolai Hannig beleuchtet in einem Beitrag für „Die Zeit“ eine Anklageschrift ehemaliger Nationalsozialisten gegen die Alliierten zu Beginn der Nürnberger Prozesse vor 80 Jahren. In dem 4.000-seitigen Konvolut warfen die Verfasser, eine Gruppe in Darmstadt internierter Nationalsozialisten, den Besatzern Verbrechen von harmloser Schikane bis zu Mord und Vergewaltigung vor, wie der Leiter des Fachgebiets Neuere Geschichte erläutert. Der Experte spricht von einer „Sammlung voller Halbwahrheiten, die um so mehr über die deutschen Mechanismen der Schuldabwehr“ offenlege und kaum zur Erforschung tatsächlicher Kriegsverbrechen beitragen werde. Den Weg nach Nürnberg habe die Schrift nie gefunden.

Allerdings entwickelte sich die Dokumentation laut Hannig ab den 50er-Jahren in rechtsextremen Kreisen zu einer beliebten Lektüre. Bis heute zehre eine rechtsextreme Geschichtspropaganda von den Vorwürfen und erreiche über Online-Plattformen Hunderttausende Aufrufe. „Dass solche Behauptungen 80 Jahre nach Beginn der Nürnberger Prozesse nicht mehr nur eine eingeschworene Szene erreichen, sondern über digitale Kanäle ein Massenpublikum, ist eine beklemmende Entwicklung“, schreibt er in dem Beitrag mit dem Titel „Wie aus Tätern Opfer werden sollten“. „Umso wichtiger ist es, die alten Quellen der neurechten Geschichtsverdrehung kritisch aufzuarbeiten.“ mih