Schülerinnen auf Entdeckungstour

17.07.2012

Schülerinnen auf Entdeckungstour

Zwei Wochen lang zu Besuch in den Laboren der TU Darmstadt

Die Gewinnerinnen des Sonderpreises 2012 der TU Darmstadt für Teilnehmer des Landeswettbewerbs von „Jugend forscht“ haben während eines individuellen Praktikums Einblicke in die Fachgebiete der Chemie erhalten. Professorin Katja Schmitz vom Fachbereich Chemie betreute die beiden Schülerinnen.

Schülerpraktikantinnen Ursula Katharina Waschke (r),Liesa Röder (l) und Professor Katja Schmitz (FB Chemie).
Copyright: Chris Hartung
Prof. Katja Schmitz konnte den begeisterten Schülerpraktikantinnen Liesa Röder (l.) und Ursula Katharina Waschke viel erklären.

Es ist ein Blick in müde, aber glückliche Gesichter. Liesa Röder und Ursula Katharina Waschke aus Herborn in der Nähe von Gießen, sind geschafft von zwei Wochen Praktikum an der TU Darmstadt. Verständlich, sie haben viel erlebt und gelernt, durften experimentieren, Fragen stellen und Forschung hautnah miterleben – für die beiden Schülerinnen etwas Besonderes. „Ich konnte mir bisher nicht vorstellen, was mich als Studentin erwartet. Genau das wollte ich bei dem Praktikum herausfinden“, sagt Liesa.

Dafür sind sie extra für zwei Wochen in ein Mini-Hotel nach Darmstadt gezogen. Jeden Tag waren sie von neun bis 18 Uhr in der Uni. „Morgens bekomme ich nur schwer die Augen auf. Es ist anstrengend, den ganzen Tag im Labor zu stehen, aber es macht auch Spaß“, sagt Ursula. Außerdem sind die Freundinnen einiges gewohnt. Eineinhalb Jahre verbrachten sie einen großen Teil ihrer Freizeit im Schullabor um herauszufinden, ob Nanopartikel in Zwiebelzellen eindringen. Für diese Arbeit belegten sie beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ den zweiten Platz und gewannen den Sonderpreis der TU Darmstadt: ein zweiwöchiges Praktikum im Fachbereich Chemie. „Die eineinhalb Jahre waren stressig, dieses Praktikum ist die Belohnung dafür“, meint Ursula.

Testweise zur Chemie

Den Luxus eines Schullabors hatte Professorin Katja Schmitz in ihrer Schulzeit nicht. Als sie zwölf Jahre alt war nahm sie an ihrem ersten „Schüler experimentieren“-Wettbewerb teil. Mit 15 testete sie Waschmittel – nicht im Labor, sondern auf dem Herd ihrer Mutter. „Ich habe Stofflappen mit Lippenstift, Kugelschreiber und Schuhcreme beschmiert, in Bechergläser mit verschiedenen Waschmitteln getan und in einem Topf mit Wasser erhitzt“, erklärt Schmitz. „So habe ich überprüft, wie wirksam verschiedene Waschmittel und Fleckenteufel wirklich sind.“ Im selben Jahr reichte sie zwei weitere erfolgreiche Wettbewerbsbeiträge in den Kategorien Physik und Mathematik ein.

„Ich wusste lange nicht, was ich studieren soll, da ich mich für alles interessierte“, erzählt Schmitz. Dass sie letztendlich bei der Chemie landete habe vor allem mit den beruflichen Möglichkeiten zu tun. „Ob Medizin, Archäologie, Spurensicherung oder Industrie, überall sind Chemiker gefragt, sogar um Kunstfälschungen aufzudecken“, sagt sie. Im sechsten Semester habe sie dann gemerkt, dass die Biochemie ihr besonders Spaß mache.

Glas selbst herstellen und einfärben

Schülerpraktikantinnen Ursula Katharina Waschke (r) und Liesa Röder (l)
Copyright: Chris Hartung
In den zwei Wochen durften Liesa Röder (l.) und Ursula Katharina Waschke auch selbstständig im Labor arbeiten.

Auch Liesa und Ursula sind sich noch nicht sicher, in welche Richtung sie gehen wollen. Sie haben schon an mehreren Wettbewerben teilgenommen und interessieren sich sehr für die Chemie. Was genau sie in einem Jahr studieren wollen, wissen sie aber nicht. Das Praktikum wollten sie nutzen, um das heraus zu finden und haben verschiedene Arbeitsgruppen besucht. „Es ist toll, dass alle Kollegen mitgemacht haben, überall konnten die beiden reinschnuppern und mitmachen“, sagt Schmitz. Die Schülerinnen durften Papier und Glas selbst herstellen und Kristalle züchten.

In der zweiten Praktikumswoche arbeiteten die Freundinnen an ihrem eigenen Projekt. Dazu gehörte auch die Herstellung von Fluoreszein, ein schwieriger Prozess, der nicht immer funktioniert. Doch bei Liesa und Ursula klappte es. „Die beiden haben sich prima geschlagen. Sie haben super Voraussetzungen und denken mit“, sagt Schmitz. Sicher auch, weil die Schule von Liesa und Ursula von der MINT-Initiative (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gefördert wird, das bedeutet Förderunterricht und MINT-Camps.

Begeisterte junge Professorin

„Das hätte es mal zu meiner Zeit geben müssen“, meint Schmitz. Sie sei bei den Wettbewerben zwar in Unis untergebracht worden, von der Forschung und den Fachbereichen habe sie aber nicht viel mitbekommen. „Damals waren das für mich die heiligen Hallen, ich hätte mir sehr gewünscht, sie näher kennen zu lernen“, bedauert sie. Seit dem Wintersemester 2010 ist Schmitz nun selbst Professorin in den „heiligen Hallen“ der TU Darmstadt beim Clemens-Schöpf-Institut für Organische Chemie und Biochemie. Aber ihre jugendliche Begeisterung für die Naturwissenschaften ist noch immer zu spüren.

Immer mehr Erinnerungen über die eigenen „ Jugend forscht“-Projekte fallen ihr ein und wollen erzählt werden. Plötzlich greift sie zu einem kleinen Kästchen auf ihrem Schreibtisch. Darin bewahrt sie bis heute Erinnerungsstücke an ihre ersten Forscherjahre auf. Sie berichtet von dem Polfilterprojekt, mit dem sie mit 15 Jahren den dritten Platz bei „Jugend forscht“ erreichte – eigentlich nehmen an dem Wettbewerb erst Schüler ab 16 Jahren teil. Sie untermalt ihre Erklärungen mit den Basteleien von damals: „Das ist mein gute-alte-Zeiten-Vorführmodell“, meint sie lachend. Und die guten Zeiten sind noch nicht vorbei. Professorin Katja Schmitz ist froh, an der TU Darmstadt zu sein. Seit sie ihre Professur habe, denke sie oft, dass ihre Arbeit genau das sei, weshalb sie Chemie studiert habe. „Ich bin angekommen“, sagt sie.

Eine nächste, begeisterte Generation steht bereit

„Mit Liesa und Ursula gibt es eine nächste, begeisterte Generation, das ist schön“, sagt Schmitz. Manchmal entdecke sie sich in den beiden wieder. „Ich versuche, ihnen und auch meinen Studenten das weiter zu geben, was mich selbst fasziniert“, erklärt sie. Und fügt hinzu: „Ich kann heute noch staunen und gemeinsam staunen ist am schönsten.“

Am Ende ihrer Praktikumszeit sind Liesa und Ursula zufrieden. „Es war super, dass das Praktikum auf uns zugeschnitten war“, sagt Liesa. „Mein Wunsch Chemie zu studieren hat sich durch die Zeit hier verstärkt“, meint Ursula.

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