Industrie für die Umwelt

19.09.2012

Industrie für die Umwelt

Professor Liselotte Schebek über das Konferenzthema „Industrielle Ökologie“

Vom 26. bis 28. September sind Wissenschaftler aus aller Welt zu Gast an der TU Darmstadt. Im Rahmen der zur internationalen Konferenz der International Society of Industrial Ecology (ISIE) beraten die Forscher über moderne Managementstrategien der Industrie für Umweltprobleme.

Elektromüllteile. Copyright: Felipe Fernandes
Ein Thema der Konferenz: Life Cycle Assessment (LCA), also die Analyse von Umweltwirkungen von Produkten während ihres gesamten Lebensweges. Bild: Felipe Fernandes

Frau Schebek, sie organisieren die diesjährige Konferenz in Darmstadt. Worum geht es genau?

Wir stehen heute vor globalen Umweltproblemen wie dem Klimawandel, die ganz wesentlich durch die Nachfrage der industrialisierten Gesellschaft nach Rohstoffen – im Fall des Klimawandels Öl, Kohle und Gas – verursacht werden. Gleichzeitig wird zunehmend die mögliche Knappheit von spezifischen Rohstoffen, wie sie z.B. für Elektronik benötigt werden, als ein Problem der Wirtschaft und eine mögliche Gefahr für den Innovationsstandort Deutschland angesehen.

Aus diesem Grund benötigen Gesellschaft und Industrie Strategien zur Steigerung der Ressourceneffizienz: Wie können wir mit weniger Rohstoffen unseren Wohlstand erhalten und gleichzeitig einer steigenden Weltbevölkerung Anteil am Wohlstand und das Recht auf einen guten Lebensstandard sichern, ohne die natürlichen Grundlagen unseres Planeten zu zerstören?

Das Konzept der Industrial Ecology ist darauf angelegt, in der Wirtschaft geschlossene Kreisläufe analog denen in natürlichen Ökosystemen zu etablieren. Anstelle des Verbrauchs von Rohstoffen soll der Gebrauch treten: Abfälle aus Produktion und Konsumption sollen als Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden und alle Materialien möglichst effizient genutzt werden.

Die MFA ConAccount-Konferenz ist der Forschung zu anthropogenen Stoff- und Materialkreisläufen gewidmet: Unter dem Motto des „Socio-economic metabolism“ soll ein wissenschaftliches Verständnis des „Stoffwechsels“ der Gesellschaft entwickelt werden, um hieraus für Wirtschaft und Gesellschaft effiziente Managementstrategien als Beitrag zur Lösung globaler Umweltprobleme abzuleiten.

Prof. Liselotte Schebek. Copyright: Privat
Professor Liselotte Schebek. Bild: privat

Wen wollen Sie erreichen?

Die ISIE ist die wichtigste internationale wissenschaftliche Gesellschaft auf dem Gebiet der „Industrial Ecology“. Die Material Flow Analysis (MFA) Section beschäftigt sich mit Analyse- und Bewertungsmethoden, mit denen Informationen über heutige und zukünftige Ströme von Rohstoffen und Abfällen bereitgestellt werden können und Bestände von Materialien in Rohstoffen und in langlebigen Produkten ermittelt werden können („Urban Mining“).

Die Konferenz spricht zunächst alle Wissenschaftler an, die im internationalen Bereich zu diesen Themen und Methoden forschen.

Darüber hinaus sind die Ergebnisse der Forschung für alle Akteure in Politik und Wirtschaft von Interesse, die nach Problemlösungen zur Steigerung der Ressourceneffizienz suchen.

Im Hinblick darauf beschäftigt sich die Konferenz u.a. mit folgenden Handlungsfeldern der Ressourceneffizienz: Abfall und Recycling, kritische Rohstoffe, Biomasse oder Urban Mining.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Konferenz?

Da es sich um eine wissenschaftliche Konferenz handelt, sind die primären Ziele natürlich der Austausch von Wissenschaftlern über den internationalen Stand der Forschung und die Netzwerkbildung in der Wissenschaft. Darüber hinaus soll das Bewusstsein von der Bedeutung von Stoffkreisläufen für Wirtschaft und Umwelt gefördert werden und wissenschaftliche Grundlagen als Basis für praktische Handlungsansätze vorgestellt werden.

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