Anleger können auf die Crowd setzen

18.09.2013

Anleger können auf die Crowd setzen

Studie der TU Darmstadt zu Kauf- und Verkaufsempfehlungen für Aktien

Elektronische Märkte beeinflussen die Ökonomie immer stärker. Im Web ist die sogenannte Crowd sogar der bessere Berater für Privatanleger und Fondsmanager, wie Wirtschaftsinformatiker der TU Darmstadt erforscht haben.

Prof. Dr. Oliver Hinz vom Fachgebiet Wirtschaftsinformatik | Electronic Markets am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der TU Darmstadt. Bild: Katrin Binner
Professor Oliver Hinz. Bild: Katrin Binner

Sie agieren unter Phantasie-Namen, tauschen „Börsengeflüster“ aus, diskutieren Trends auf dem Aktienmarkt online und geben handfeste Transaktionsempfehlungen: Die Fachleute und Laien, die in anonymen Aktienprognose-Communities im Netz unterwegs sind, laufen den professionellen Analysten von Banken und Ratingagenturen mittlerweile den Rang ab, so eine Studie eines Teams um Professor Oliver Hinz, im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt verantwortlich für den Forschungsschwerpunkt „Elektronische Märkte“.

Die Wissenschaftler werteten Kauf- und Verkaufsempfehlungen für die Aktien der 30 DAX-Unternehmen zwischen Mai 2007 und August 2011 aus. Sodann verglichen sie die Genauigkeit der Anlageempfehlungen von www.sharewise.de, einer der größten Plattformen Europas, mit denen ausgewiesener Anlageexperten von Banken und Finanzinstituten; außerdem wurden alle für den Finanzmarkt typischen Phasen berücksichtigt. Gegenübergestellt wurden Empfehlungen der Crowd und von professionellen Experten, die sich im gleichen Zeitraum auf dasselbe Unternehmen bezogen. Bei diesen Analysen berücksichtigten die Experten auch Kontrollvariablen wie etwa das Handelsvolumen.

Die Weisheit der „Vielen“

Das Ergebnis: „Crowd-Analysten“ erzielen bessere Ergebnisse als die Profis des Aktiengeschäfts. „Selbst unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos, der allgemeinen Marktbedingungen und der Transaktionskosten übertrifft die Crowd die Berufsanalysten um durchschnittlich 0,59 Prozentpunkte pro Jahr“, so Hinz. Insgesamt beobachten die Wissenschaftler, dass Experten unbeweglicher und weniger unabhängig agieren als die Crowd, in der jeder seine individuelle Analyse erstellen kann – vom interessierten Laien bis hin zum Broker. Manch einer verfügt über solide Kenntnisse, wertvolle Hintergrundinformationen oder absolutes Spezialwissen zu einer bestimmten Aktie.

Die Crowd-Analysten generieren nicht nur ihr Wissen auf unterschiedlichen Wegen, sondern agieren auch an unterschiedlichen Orten. Ihre Unabhängigkeit ist es nach Überzeugung der Experten vor allem, die ihre Prognosen treffsicher machen in einem Finanzmarkt, in dem viele dem Herdentrieb erliegen. Die Wirtschaftsinformatiker wollen nun Strategien entwickeln, um die Einschätzungen der Crowd gezielt nutzen und in profitable Investitionen verwandeln zu können. „Das Potenzial, das die Weisheit der Vielen birgt, ist unglaublich groß.“

Lesen Sie den ganzen Artikel in der hoch³ FORSCHEN – der Publikation für Forschungsthemen an der TU Darmstadt.

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