Besser arbeiten – aber wie?

02.10.2013

Besser arbeiten – aber wie?

50 Jahre Institut für Arbeitswissenschaft an der TU Darmstadt

Als 1963 das Institut für Arbeitswissenschaft (IAD) gegründet wurde, leisteten die Forscherinnen und Forscher an der TU Darmstadt echte Pionierarbeit. Inzwischen ist das Fachgebiet weit gekommen. Das 50. Jubiläum wird am 8. und 9. Oktober mit einer Festveranstaltung gefeiert, zu der unter anderem der designierte DGB-Chef Reiner Hoffmann als Referent erwartet wird.

Arbeiter an Maschinen. Bild: Andreas Arnold
Im Fokus der Forschung am Institut für Arbeitswissenschaft: Menschen bei der Ausübung von Tätigkeiten. Bild: Andreas Arnold

Einen Blick auf Geschichte, Perspektive und spannende Projekte des Instituts gibt Prof. Dr. Ralph Bruder, Leiter des IAD.

TU Darmstadt: Was ist eigentlich „Arbeitswissenschaft“?

Prof. Bruder: Wer „Arbeitswissenschaft“ hört, denkt oft an Ergonomie. Unser Fachgebiet geht aber weit darüber hinaus. Kurz gesagt: Wir untersuchen den Menschen beim Ausüben von Tätigkeiten – bei der Arbeit, aber auch in der Freizeit.

Wir schauen auf das Zusammenwirken von Menschen mit anderen Menschen oder auch von Menschen und Technik. Einerseits geschieht das mit dem Ziel, Gesundheitsrisiken zu verringern, andererseits sollen aber auch positive Effekte entstehen: Menschen sollen Spaß und Freude haben bei dem, was sie tun oder an den Produkten, die sie nutzen.

Die TU Darmstadt war Anfang der 60er Jahre Vorreiterin in Deutschland mit dem Institut für Arbeitswissenschaft in diesem Fachgebiet. Was unterscheidet die Arbeitswissenschaft 1963 von der Arbeitswissenschaft 2013?

In den 60er Jahren standen wir vor der großen Aufgabe, ein neues Forschungsfeld überhaupt zu etablieren. Damals ging es oft um die Themen Arbeitsschutz, Unfallverhütung, auch darum, Muskelermüdung oder körperlichen Erkrankungen durch schwere Arbeit zu begegnen. Heute ist die Arbeitswissenschaft akzeptiert und deutlich bekannter als vor 50 Jahren.

Prof. Dr. Ralph Bruder ist seit 2005 Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft an der TU Darmstadt. Bild: TU Darmstadt
Prof. Dr. Ralph Bruder, Leiter des IAD. Bild: TU Darmstadt

In vielen Betrieben haben wir Ansprechpartner, oft auch Alumni aus Darmstadt, die die Sensibilität für das Thema mitgenommen haben, so dass wir im regen Austausch mit Praktikern stehen. Wir sind eine sehr interdisziplinäre Wissenschaft geworden. Das spiegelt sich übrigens auch in unserer Zusammensetzung am Institut für Arbeitswissenschaft wider. Hier forschen und arbeiten Ärztinnen, Psychologinnen und Psychologen, Ökonomen und Ingenieurinnen und Ingenieure zusammen.

Der inhaltliche Fokus liegt stärker als früher auf dem Erhalt und der Förderung der psychischen Gesundheit. Natürlich muss man auch Veränderungen in der Gesellschaft berücksichtigen: Durch die demografischen Entwicklungen ist der Druck groß, sich Arbeitsbedingungen noch einmal neu anzuschauen: Wie kann man im Leben länger arbeiten und gleichzeitig gesund bleiben?

Was sind die zukunftsweisenden Fragen der Arbeitswissenschaft? Mit welchen Projekten befassen Sie sich gerade?

Wenn es darum geht, wie man möglichst lange und gesund im Arbeitsleben bleiben kann, muss man auch mal nach dem Sinn von Arbeit fragen oder auch danach, wie die Motivation in einer Belegschaft geweckt werden kann. So erforschen wir zum Beispiel im laufenden Projekt „PINA“ den altersgerechten Umbau von Industrieunternehmen in Kooperation mit annähernd allen großen deutschen Automobilherstellern.

Was uns Wissenschaftler derzeit auch sehr interessiert, ist die Mensch-Maschine-Kooperation, beim autonomen Fahren mit dem Auto, bei der Benutzung von Alltagsgegenständen wie Kaffeeautomaten aber auch beim Thema IT-Sicherheit: Wie können wir mehr Aufgaben an Technik delegieren – aber umgekehrt auch: Was verlangt uns Menschen die Technik dafür ab?

Die Fragen stellte Silke Paradowski.

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