Gedacht, gemacht, verkauft

21.01.2014

Gedacht, gemacht, verkauft

Fabbing & Founding: TU erforscht das Zukunftsthema „digitale Produktion“

Wie wirken sich neue digitale Fertigungstechniken auf Innovationen und Unternehmensgründungen aus? Erstmals stellen sich Wissenschaftler dieser Frage und forschen an der TU Darmstadt zum Thema „Fabbing.“ Im Zuge des Projekts wird auch das erste Darmstädter FabLab (Fabrication Laboratory) eröffnet.

Mann bedient Rapid Prototyping. Copyright: Katrin Binner
3D-Drucker erobern die Wirtschaft. Auswirkungen untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU. Bild: Katrin Binner

Unter dem Titel „Fabbing & Founding“ erforschen Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftswissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt erstmals in Europa den Zusammenhang von „Digital Fabrication“ und Innovationen sowie Unternehmensgründungen.

„Fabbing“ bezeichnet das digitale Entwerfen und anschließende Fabrizieren von realen Produkten. Zu den Technologien, die für die digitale Fabrikation eingesetzt werden, zählen beispielsweise 3D-Drucker und Laser-Cutter. „Die digitale Produktion wird Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern“, so Professor Peter Buxmann, Leiter des Forschungsprojekts. Digitale Entwürfe von einzelnen Gegenständen können nicht nur blitzschnell weltweit verbreitet werden, sondern auch umgehend als Einzelstücke oder in Serie produziert werden.

Dadurch entstehen neue Geschäftsmodelle und Märkte, die große Chancen, aber auch erhebliche Risiken für die Wirtschaft bedeuten: Herstellern drohen herbe Umsatzrückgänge, wenn die potentiellen Abnehmer ihre maßgeschneiderten Produkte einfach selber herstellen. Zugleich werden die neuen Technologien dafür sorgen, dass Produktionsverläufe effizienter gestaltet werden können. „Die digitale Produktion wird die Supply Chain und die Lagerhaltung verändern“, so Buxmann. Teile müssten dann nicht mehr vorgehalten werden, sondern könnten kurzfristig fabriziert werden, wenn man sie braucht.

Vernetzung der Erfinder und Gründer

Detail Rapid Prototyping. Copyright: Katrin Binner
Mit moderne Fertigungstechniken Prototypen und Produkte entwickeln. Bild: Katrin Binner

Neben den Studien zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der modernen Fertigungstechniken wird im Rahmen des Projekts in den Räumen des Fraunhofer IGD das erste Darmstädter „FabLab“ aufgebaut. Hier können Erfinder, Forscher, Tüftler und Kreative die modernen Technologien nutzen, um ihre innovativen Projekte in die Tat umzusetzen und Prototypen und Produkte zu entwickeln.

Auch Schulungen und Workshops werden angeboten. In Zusammenarbeit mit dem Darmstädter House of IT (HIT) sind zudem zahlreiche Veranstaltungen geplant, die für den Wissenstransfer in die Praxis und für die Vernetzung der Erfinder und Gründer sorgen.

Die digitalen Fertigungstechniken stecken noch in den Kinderschuhen, aber mit dem Darmstädter FabLab wird für die hessischen Innovationstreiber ein Ort geschaffen, an dem sie ihre Ideen direkt als Prototypen und Produkte entwickeln können. Die Akteure der sogenannten dritten industriellen Revolution profitieren davon, dass ihnen im FabLab Raum, Know-how und Technik zur Verfügung gestellt werden. Die Forscher der TU haben die Möglichkeit, umfangreiche Daten zu erheben und die daraus gewonnenen Erkenntnisse kommen wiederum Wirtschaft und Politik zu gute. „Es ist eine Win-Win-Win-Situation“, bemerkt Buxmann.

Kleine und mittelständische Unternehmen profitieren

Die Forschung zu „Fabbing & Founding“ werden mit 300.000 Euro vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesplanung (HMWVL) aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unter Beteiligung der WI-Bank finanziert. Das Projekt ist in Darmstadt sehr gut aufgehoben: Das neue FabLab bietet die Infrastruktur für Innovationen, die TU Darmstadt sorgt für die wissenschaftliche Aufarbeitung, und das House of IT regelt den Wissenstransfer. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in Hessen können von den Angeboten des FabLab und den Ergebnissen des Forschungsprojekts profitieren.

„Wir untersuchen einen vielversprechenden Zukunftstrend“, sagt Buxmann. Der Einzug des Fabbing in die Industrie habe zwar gerade erst begonnen, „aber die Vordenker skizzieren bereits sehr genau, welche Auswirkungen diese Technologien wahrscheinlich haben werden“.

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